8./9. Mai - Ende des Großen Vaterländischen Krieges


Vike-Freiberga als einzige Vertreterin des Baltikums in Moskau - "Stalin würde sich in der Hölle umdrehen"
Nach Moskau kam sie im schwarzen Mantel mit schwarzem Hut, während des Besuchs von US-Präsident George W. Bush in ihrer Heimat trug sie ein rosa-kariertes Kostüm: Schon die Wahl ihrer Kleidung steht für die gespaltene Haltung der lettischen Präsidentin Vaira Vike-Freiberga zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Dass 1945 mit dem Sieg über Nazi-Deutschland für ihr Land "und halb Europa" die Tyrannei weiterging, hat sie im Vorfeld der Gedenkfeiern bei jeder Gelegenheit betont. Dennoch nahm sie als einzige Vertreterin der Baltenstaaten an den Siegesfeiern in Moskau teil, nicht aber, ohne vorher von Präsident Wladimir Putin ein Wort des Bedauerns für die Besetzung ihrer Heimat zu fordern. Putins Ärger war ihr sicher, aber auch die öffentliche Aufmerksamkeit.

Vike-Freiberga ist bekannt für ihre offenen Worte. Sie ist auch das bekannteste Gesicht des neuen, freien und selbstbewussten Lettlands. Dabei hat die 67-Jährige den größten Teil ihres Lebens außerhalb ihrer Heimat verbracht. Vike-Freiberga wurde im Dezember 1937 in Riga geboren. Zwei Jahre später wurde das Baltikum in einem geheimen Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt der Sowjetunion zugeschlagen; 1944 flohen Vike-Freibergas Eltern vor den einrückenden sowjetischen Truppen nach Deutschland und dann über Marokko nach Kanada. Dort studierte und lehrte sie Psychologie und sorgte in ihrer Freizeit dafür, dass die lettische Kultur nicht in Vergessenheit geriet.

Erst 1998 kehrte sie in das inzwischen unabhängige Lettland zurück. Ein Jahr später wurde sie zum ersten Mal zur Präsidentin gewählt; 2003 zum zweiten Mal. In ihre Amtszeit fällt der Beitritt Lettlands in NATO und Europäische Union, ein historischer Schritt, an dem sie maßgeblich Anteil hatte. Dies brachte ihr nicht nur Freunde.

Neue Gegner machte sich Vike-Freiberga, als sie sich während der Irak-Krise eindeutig hinter die USA stellte und deren Krieg gegen Saddam Hussein mit eigenen Soldaten unterstützte. Unerschrocken betonte sie immer wieder, die Erfahrung mit einem halben Jahrhundert sowjetischer Besetzung habe sie davon überzeugt, dass "Beschwichtigungspolitik" der falsche Weg sei: "Wir haben gelitten, weil Diktatoren alles erlaubt wurde in der vagen Hoffnung, dass sie sich irgendwann einmal ändern werden - oder einfach aus Gleichgültigkeit. Es ist leichter, einen Diktator zu tolerieren, wenn er über das Leben anderer herrscht, als wenn es das eigene Leben ist." US-Präsident Bush dankte ihr jetzt mit einem Besuch in Riga, bei dem er mit deutlichen Worten die Besetzung des Baltikums durch die Sowjetunion verurteilte.

Mit diesem Triumph in der Tasche wird es der lettischen Präsidentin nicht schwer gefallen sein, nach Moskau zu kommen, während ihre baltischen Kollegen Arnold Rüütel und Valdas Adamkus zu Hause blieben. In mehreren Interviews rechtfertigte sie die einsame Entscheidung mit dem Wunsch, ein Zeichen der Versöhnung zu setzen. Das "neue, politisch vereinte Europa sollte ein neues Kapitel aufschlagen und sich gegenüber Russland öffnen", betonte sie noch am Samstag in der Zeitung "France-Soir".

Dass sie sich 60 Jahre nach Kriegsende endgültig auf der Siegesseite fühlt, machte sie auch in einem Interview des Deutschlandfunks deutlich: Wenn Stalin wüsste, dass sie nach Moskau fahre, würde er sich in der Hölle umdrehen, sagte sie lachend und meinte damit ihre Teilnahme an der Siegesparade als Präsidentin eines unabhängigen Lettlands.[ Marta Ribele / russland.RU – die Internet - Zeitung ]
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