8./9. Mai - Ende des Großen Vaterländischen Krieges


Gedenkfeiern zum Kriegsende vor 60 Jahren in Moskau
60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben Vertreter der Siegermächte und der Besiegten am Montag erstmals gemeinsam an der traditionellen Militärparade in Moskau teilgenommen. Als erster deutscher Bundeskanzler war Gerhard Schröder zu der Zeremonie auf dem Roten Platz eingeladen worden, an der Staats- und Regierungschefs aus mehr als 50 Ländern teilnahmen.

Russlands Präsident Wladimir Putin lobte die deutsch-russische Versöhnung als eine "der wichtigsten Errungenschaften der Nachkriegszeit" und würdigte den Beitrag aller Alliierten im Kampf gegen Nazi-Deutschland. Schröder betonte, die Erinnerung der Deutschen und der Russen münde heute "in Vorstellungen für eine gemeinsame Zukunft".

Im Beisein von US-Präsident George W. Bush, des französischen Präsidenten Jacques Chirac und anderer Staatsgäste nahm Putin die Siegesparade mit mehr als 7000 Soldaten und rund 2500 Veteranen ab. Neben Schröder nahm als weiterer Vertreter eines Kriegsverlierers der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi erstmals an der Parade teil. Zum ersten Mal saßen auch deutsche Kriegsveteranen auf der Zuschauertribüne.

Nach dem Streit über die Rolle der Sowjetunion als Besatzungsmacht nach dem Krieg schlug Putin in seiner Gedenkrede versöhnliche Töne an und erinnerte an die gemeinsamen Interessen zwischen Ost und West. Die Politik des heutigen Russland basiere auf den "Idealen von Freiheit und Demokratie und dem Recht jeder Nation, ihren eigenen Weg zu wählen". Gleichzeitig warb Putin für eine enge internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus.

Schröder nennt Teilnahme an Siegesfeier in Moskau "sehr bewegend"

Schröder hat seine Teilnahme an der Gedenkfeier zum 60. Jahrestag des Kriegsendes in Moskau als "sehr bewegend" bezeichnet. Als die Parade an ihm vorbei gezogen sei, habe er an die große Verantwortung gedacht, "nie wieder" einen Krieg zwischen Deutschland und Russland zuzulassen, sagte Schröder am Montag in einem Interview für die ARD-"Tagesthemen". Die Nachkriegszeit sei nun insofern vorbei, als dass Deutschland ein "geachtetes Mitglied der Völkergemeinschaft" sei. Gleichzeitig dürfe nicht vergessen und verdrängt werden, das Deutschland für den Zweiten Weltkrieg verantwortlich gewesen sei. Schröder erinnerte aber auch an das Leid, das Millionen Deutsche erlitten hätten. Der Kanzler hatte am Montag als erster deutscher Regierungschef an der traditionellen Siegesparade auf dem Roten Platz in Moskau teilgenommen.

Zum Streit über die Rolle der Sowjetunion in Osteuropa sagte Schröder in einem Interview für das ZDF-"heute journal": "Ratschläge gerade von Deutschland sind an solch einem Tag nicht die geeignetsten." Die USA, aber auch die EU hatten Russland im Vorfeld aufgefordert, vor allem die Besatzung der baltischen Staaten offiziell anzuerkennen.
Auf die Frage, ob bei der strategischen Partnerschaft zwischen Europa und Russland auch für Kritik an der russischen Politik Raum sei, antwortete Schröder: "Die Frage ist, wann man es tut, zu welchem Zeitpunkt und anlässlich welcher Ereignisse. Er habe da seinen "eigenen Stil, andere haben ihren und ich bleibe bei meinem." US-Präsident George W. Bush, der ebenfalls an den Feierlichkeiten in Moskau teilgenommen hatte, hatte vor seinem Besuch Demokratiedefizite in Russland beklagt.

Schröder und Putin würdigen gute Beziehungen

Schröder sagte nach einem Gespräch mit Putin am Nachmittag, in der "Gemeinsamkeit, die heute deutlich geworden ist zwischen ehemaligen Kriegsgegnern, liegt eine symbolische Kraft". Es gehe um "die Verantwortung, dass sich das Vergangene nicht wiederholen kann". Die Einladung zur Militärparade habe er als "große Ehre für mich, aber auch für mein Land verstanden." In der ARD sagte der Kanzler, die Einladung zeige endgültig, dass "Deutschland in die Staatengemeinschaft aufgenommen" worden sei. Putin dankte Schröder für dessen Beitrag zu den deutsch-russischen Beziehungen.

Schröder besucht deutschen Soldatenfriedhof Ljublino

Am Rande der Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des Kriegsendes in Moskau hat Bundeskanzler Gerhard Schröder am Montag den deutschen Soldatenfriedhof Ljublino im Süden der Stadt besucht. In Anwesenheit deutscher Veteranen legte Schröder auf der in den 90er Jahren vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge neu gestalteten Anlage einen Kranz nieder. Mit einem weiteren Kranz ehrte er den jüngsten dort bestatteten Soldaten. Unterlagen des Volksbundes zufolge liegen in Ljublino 486 Deutsche begraben. Außerdem befinden sich dort die Gräber von rund 50 ungarischen und etwa 20 österreichischen Soldaten sowie einiger Angehöriger weiterer Nationalitäten.

Eine Kriegsgräberstätte im eigentlichen Sinn ist der Friedhof nicht. Die dort Bestatteten starben nicht bei Kampfhandlungen, sondern zwischen 1945 und 1949 als Kriegsgefangene infolge schlechter Haftbedingungen und hoher Arbeitsanforderungen. Der Volksbund hatte auf der Grabanlage mit ursprünglich meist namenlosen Gräbern, die an einen russischen Friedhof angrenzt, die Betonmarkierungen der Grabstätten durch namentlich gekennzeichnete Steinkreuze ersetzt. Zudem gibt es eine Gedenktafel mit den Namen von 33 weiteren Kriegsgefangenen, die in dem damaligen Arbeitslager umkamen.
Schröder und Putin beim Treffen deutscher und russischer Kriegsveteranen in Moskau

Als eine Geste der Versöhnung sind deutsche und russische Veteranen des Zweiten Weltkriegs am Montag in Moskau zusammengetroffen. An der Begegnung am Rande der Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des Kriegsendes nahmen auch Bundeskanzler Gerhard Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin teil. Es war das erste Mal, dass ein russischer Präsident Wehrmachts-Veteranen empfing. Ebenfalls ein Novum war, dass die deutsche Gruppe am Vormittag auf der Ehrentribüne an der traditionellen Militärparade zum Gedenken an die deutsche Kapitulation teilnahm, mit der Russland jährlich den Sieg über Nazi-Deutschland feiert. Die Kapitulation, die den Weltkrieg in Europa beendete, war in der Nacht zum 9. Mai in Kraft getreten.

Putin sprach vor den Veteranen von einem "Treffen mit hoher Symbolkraft". "Es zeigt, wie stark sich die Welt verändert hat und wie weit der Prozess der Einigung Europas vorangeschritten ist", hob der Präsident hervor. Eine Einladung wie diese sei früher kaum vorstellbar gewesen, angesichts der tiefen Wunden, die der Krieg gerissen habe. Nun solle das Versöhnungstreffen "ein Beispiel für kommende Generationen sein". Es gehe jetzt darum, sich "gemeinsam Gedanken zu machen, wie die Zukunft aufgebaut werden kann". Bei dem Gespräch anwesend waren auch deutsche Jugendliche, die sich in gemeinsamen Jugendlagern mit gleichaltrigen Russen unter anderem für die Pflege von Kriegsgräbern engagieren.

"Es ist fast ein Wunder, dass man 60 Jahre nach Kriegsende hier zusammensitzen kann, um sich über eine Perspektive für unsere Länder und für Europa zu unterhalten", sagte Schröder. Die Vergangenheit dürfe jedoch nicht verdrängt werden: "Wer eine bessere Zukunft will, muss sich erinnern wollen." Der Kanzler verwies auf persönliche Erfahrungen wie den Kriegstod seines Vaters und die Leiden der Mutter Putins im von Deutschen blockierten Leningrad. "Auch deshalb wissen wir um die gemeinsame Verantwortung, dass sich das nicht wiederholen darf". Dies gelte auch für Kriege zwischen anderen Völkern.

Ein russischer Veteran verwies auf die ideologische Enge, die lange auf beiden Seiten geherrscht habe: "Wir haben aufeinander nur durch das Hakenkreuzvisier geschaut." Der 83-jährige Günther Stiemke, einst Leutnant in der achten Panzerdivision der Wehrmacht, wertete die Begegnung im Moskauer Hotel "Präsident" als "eine Sensation". Der 77-jährige Heinrich König, der noch in den letzten Kriegsmonaten eingezogen worden war und unter anderem die Kesselschlacht von Halbe erlebte, sagte, "so etwas" dürfe "nie wieder kommen". Diskutiert wurde in dem Gespräch die Gründung eines internationalen Veteranenverbandes, um gemeinsam für die Versöhnung zu arbeiten.

Bush trifft Regierungsgegner und Menschenrechtler in Moskau

Am Rande der Gedenkfeierlichkeiten in Moskau hat sich US-Präsident George W. Bush am Montag mit Menschenrechtsaktivisten und Kritikern der russischen Regierung getroffen. Die Teilnahmer beklagten bei dem 45-minütigen Treffen mit Bush und US-Außenministerin Condoleezza Rice zunehmende Verletzungen der Menschenrechte in Russland. Der US-Präsident habe dabei klargemacht, dass er den "Problemen der Zivilgesellschaft in Russland große Bedeutung beimisst", sagte der Gesprächsteilnehmer Arseni Roginski von der Menschenrechtsgruppe Memorial.

Die Vorsitzende der russischen Helsinki-Föderation, Ljudmilla Alexejewa, berichtete nach dem Treffen: "Ich habe dem Präsidenten gesagt, dass sich die Zivilgesellschaft in Russland gegenwärtig in einer schwierigen Lage befindet. Die Lage der Menschenrechte ist besser als in der Sowjetunion, aber schlechter als noch vor zwei Jahren." Bush habe zugesagt, "der Zivilgesellschaft in Russland zu helfen". Lilja Schibonawa von der Wahlbeobachtergruppe Golos sagte: "Wir haben Bush aufgefordert, im Umgang mit Präsident Putin einen aktiveren Standpunkt einzunehmen und diesem zu empfehlen, die Zivilgesellschaft weiterzuentwickeln."

Bei der vorangegangenen Militärparade legten die Präsidenten Bush und Putin einen betont herzlichen öffentlichen Umgang miteinander an den Tag. Am Rande der Parade scherzten sie; am Vorabend hatte Putin seinen Gast aus den USA in einem seiner Lieblingsautos spazierenfahren lassen, einer alten sowjetischen Wolga-Karosse. US-Außenministerin Rice sagte: "Zwischen diesen beiden Männern herrscht ein absolut hervorragendes Verhältnis - auf persönlicher Ebene und als Führer dieser beiden großen Länder." [ russland.RU ]
Sowjetische Agitproplakate zum 2. Weltkrieg
zum Vergrössern auf das Bild klicken





Sowjetische Flugblätter für deutsche Soldaten
zum Vergrössern auf das Bild klicken


Deutsche Agitproplakate zum 2. Weltkrieg
zum Vergrössern auf das Bild klicken