8./9. Mai - Ende des Großen Vaterländischen Krieges


Putin übt in Gedenkrede indirekt Kritik an Estland und den USA
Der russische Präsident Wladimir Putin hat auf einer Gedenkveranstaltung zum Ende des Zweiten Weltkriegs sowohl die estnische Regierung als auch die USA indirekt kritisiert. Putin sagte bei einer Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau am Mittwoch, wer die Monumente für die Helden des Krieges entweihe, säe Zwietracht zwischen den Völkern.

In seiner Rede zur Feier des Sieges über Nazi-Deutschland im Jahr 1945 übte er auch an den USA indirekt Kritik, indem er einseitiges militärisches Vorgehen verurteilte. Der russische Botschafter in Tallinn legte einen Kranz an dem umstrittenen Kriegerdenkmal nieder.

"Diejenigen, die heute (...) die Denkmäler der Kriegshelden entweihen, beleidigen ihr eigenes Volk und säen Zwietracht und neues Misstrauen zwischen den Staaten und Menschen", sagte Putin vor 7000 im Zentrum Moskaus aufmarschierten Soldaten. Der Streit um die Verlegung des Kriegerdenkmals hatte eine schwere diplomatische Krise zwischen Russland und Estland ausgelöst.

Zugleich warnte Putin in seiner Rede vor "neuen Bedrohungen", die auf der "selben Verachtung für menschliches Leben und den selben Ansprüchen auf Einzigartigkeit und Beherrschung der Welt wie im Dritten Reich" basierten. Er sei überzeugt, dass nur "gemeinsame Verantwortung und gleichberechtigte Partnerschaft" bei Angriffen gegen die weltweite Sicherheit helfen könnten, sagte er in einem Seitenhieb gegen die USA, denen er bereits wiederholt Unilaterialismus vorgeworfen hatte.

Tag des Sieges ist Feiertag von großer moralischer Bedeutung

Der Tag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion ist der Feiertag von großer moralischer Bedeutung und großer Vereinigungskraft, sagte Putin am Mittwoch in seiner Rede vor den Teilnehmern der feierlichen Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau.

"An diesem Tag denken wir immer an den Schicksale der Welt, an ihre Stabilität und Sicherheit. Die Lehren dieses schrecklichen Krieges gewinnen jedes Jahr an Bedeutung. Heute zeigen wir erneut unseren Respekt den Staaten der Anti-Hitler-Koalition. Wir werden ihren Beitrag zur Vernichtung des Nazismus nie vergessen", betonte der Staatschef.

"Der Tag des Sieges vereinigt nicht nur die Bürger Russlands, sondern auch die Einwohner unserer nächsten Nachbarn, der GUS-Staaten", fuhr Putin fort. "wir alle sind der Generation der Menschen sehr dankbar, auf die das schwere Los des Krieges gefallen ist. Sie haben mit uns ihre Traditionen der Brüderschaft und der Solidarität sowie ihre erlittenen Erfahrungen der Vereinigung und der gegenseitigen Hilfe geteilt."

"Deshalb handeln diejenigen Kräfte, die diese unschätzbaren Erfahrungen unterschätzen und die Denkmäler für die Kriegshelden lästern, beleidigend ihrem eigenen Volk und säten neues Misstrauen zwischen verschiedenen Staaten und Menschen", fuhr der Präsident fort.

"Wir dürfen nie vergessen: die Gründe eines jeden Krieges stecken immer in den Fehlern, die in friedlicher Zeit gemacht werden. Ihre Wurzeln stecken ihrerseits in der Ideologie der Konfrontation und des Extremismus, zumal die Zahl dieser Gefahren nicht kleiner wird. Diese neuen Gefahren basieren genauso wie der Dritte Reich auf der Verhöhnung des Menschenlebens, auf den Ansprüchen auf die Weltherrschaft und die Diktatur", so Putin.

"Ich bin überzeugt, dass nur unsere gemeinsame Verantwortung und gleichberechtigte Partnerschaft imstande sind, diesen Gefahren und jeglichen Versuchen, neue bewaffnete Konflikte auszulösen und die Sicherheit in der Welt zu ruinieren, zu widerstehen", fügte er an.

Russische Diplomaten legten Blumen am verlegten Kriegerdenkmal in Tallinn nieder

Eine Delegation der russischen Botschaft in Estland mit Botschafter Nikolai Uspenski an der Spitze hat am Mittwoch Blumen am verlegten Kriegerdenkmal in Tallinn niedergelegt. Ein Kranz wurde auch an einem Denkmal für den Unbekannten Soldaten niedergelegt. An der Zeremonie nahmen auch eine Delegation des angrenzenden russischen Gebiets Pskow wie auch Vertreter von Veteranenorganisationen Estlands teil.

"Lasst uns der Menschen gedenken, die im Namen der Freiheit gestorben sind, aber lasst uns auch in die Zukunft schauen", sagte Nikolai Uspenski, als er das Gebinde in den russischen Farben an der Bronzestatue zu Ehren der Soldaten der Roten Armee an ihrem neuen Standort auf einem Militärfriedhof platzierte. "Die Entfernung des Denkmals durch die Regierung war frevlerisch", kritisierte er. "So etwas tut man nicht. Aber wir müssen jetzt in die Zukunft blicken." Hunderte russischstämmiger Esten ehrten auf dem Talliner Friedhof die Toten des Zweiten Weltkrieges.

Nach der Verlegung der Statue Ende April war es zu nächtelangen Krawallen in Tallinn gekommen, bei denen ein junger Russe getötet und mindestens 150 Menschen verletzt wurden. Für die baltische Republik symbolisiert das Denkmal die fast 50-jährige sowjetische Besatzungszeit, für Russland ist es ein Symbol für die Befreiung von Nazi-Deutschland.

In einer versöhnlichen Geste hatte der estnische Regierungschef Andrus Ansip bereits am Dienstag einen Kranz an dem umstrittenen Denkmal niedergelegt. Es war das erste Mal seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991, dass die estnischen Behörden den Gedenktag in dieser Form begingen. Der Zweite Weltkrieg endete offiziell am 8. Mai 1945 um 23.00 Uhr deutscher Zeit. Aufgrund der Zeitverschiebung war es in Russland bereits der 9. Mai.

Dumachef Gryslow legte Blumen zum Militärmemorial in Wolgograd nieder

Der Vorsitzende der Staatsduma Russlands, Boris Gryslow, hat am Mittwoch in Wolgograd Blumen zum Militärmemorial niedergelegt und den Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges zum heutigen Tag des Großen Sieges gratuliert.

"Hier ist eine der größten Schlachten des Großen Vaterländischen Krieges stattgefunden, und ich verehre die Menschen, die sie gewonnen haben. Wir werden nie die Heldentat derjenigen vergessen, die den Faschismus bezwungen und uns den Sieg geholt haben. Dank ihnen leben wir in einem freien Land", unterstrich er.

Darüber hinaus teilte Gryslow mit, dass die Wolgograder Abteilung der Partei "Einheitliches Russland", an deren Spitze er stehe, mit der Initiative aufgetreten sei, alle Teilnehmer der Stalingrad-Schlacht von der Bezahlung von Kommunaldienstleistungen zu befreien.

Kundgebung der linken Kräfte in Moskau stattgefunden

In der Stadtmitte Moskaus hat am Mittwoch eine Kundgebung von links orientierten Kräften Russlands stattgefunden.

An der Aktion nahmen nach Aussagen eines Sprechers der Moskauer Polizeihauptverwaltung bis zu 10 000 Vertreter der KPRF und der Partei "Werktätiges Russland" teil. "Anfangs wollte 'Werktätiges Russland' eine eigene Kundgebung veranstalten, aber dann beschloss die Parteiführung, sich mit den Kommunisten zu vereinigen", betonte der Sprecher.

Während der Demonstration seien keine Zwischenfälle registriert worden, ergänzte er. [afp/itartass/ria novosti /russland.RU]
Sowjetische Agitproplakate zum 2. Weltkrieg
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