8./9. Mai - Ende des Großen Vaterländischen Krieges


Gemeinsam für Völkerverständigung - WINGAS stellt Umbettung auf Kriegsgräberstätten sicher


Der Schädel deformiert von Granatsplittern. Auch sein Kamerad hatte diesen Angriff nicht überlebt. Beide Anfang 20, beide junge Soldaten der Roten Armee. Beide haben in der Schlacht um Berlin gekämpft - und ihr Leben gelassen.




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Im sogenannten Kessel von Halbe tobte der Zweite Weltkrieg kurz vor dem Ende noch einmal besonders schlimm. Bei den Kämpfen im Südosten Berlins kamen im April 1945 schätzungsweise mehr als 60.000 Menschen ums Leben, darunter etwa 20.000 Soldaten der Roten Armee. Die meisten Opfer wurden bis heute, 65 Jahre nach Kriegsende, nicht geborgen. Beim Bau der Erdgasfernleitung OPAL sind Mitarbeiter der WINGAS-Gruppe jetzt südlich von Berlin auf die sterblichen Überreste zweier gefallener sowjetischer Soldaten gestoßen. Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen WINGAS und dem Volksbund für Deutsche Kriegsgräberfürsorge können diese Kriegsopfer jetzt ihre letzte Ruhe finden.

"Unser Respekt vor den Toten und ihren Angehörigen gebietet einen besonders verantwortungsvollen Umgang. Wann immer wir bei den Bauarbeiten auf einen Leichnam stoßen, versuchen wir die Umstände des Todes zu klären, den Verstorbenen identifizieren und noch lebende Verwandte benachrichtigen zu lassen", berichtet Dr. Gerhard König, Sprecher der WINGAS-Geschäftsführung:

Mitarbeiter des Munitionsbergungstrupps sichern stets den Bau der 36 Meter breiten Trasse der Erdgaspipeline OPAL. Sie suchen nach Munition, Granaten, Bomben - Blindgänger unter den Kriegswaffen der Vergangenheit. Dabei werden aber eben nicht immer nur Waffen gefunden. Beim Bau der 470 Kilometer langen OPAL-Pipeline von der Ostsee bis an die tschechische Grenze arbeitet WINGAS deshalb eng mit dem Volksbund für Deutsche Kriegsgräberfürsorge zusammen.

"Die Würde des Menschen ist unantastbar"

Erwin Kowalke kniet auf der Erde. Mitarbeiter der Bergungstruppe hatten ihn alarmiert, ein Beckenknochen ragte aus dem Ackerboden. Behutsam untersucht der Fachmann der Kriegsgräberfürsorge den Fundort und stellt fest: Es handelt sich um mehr als ein Skelett: "Unter den Gebeinen kamen ein zweiter Beckenknochen, dann ein weiterer Schädel und schließlich ein ganzes Skelett hervor", erklärt Kowalke. Seine langjährige Berufserfahrung lässt ihn professionell mit der Situation umgehen, er hilft den Anwesenden bei ihrer Betroffenheit. Dennoch ist er selbst berührt.

Nach so langer Zeit wurden jetzt zwei Soldaten der Roten Armee gefunden - zwei von geschätzten 20.000 sowjetischen Kämpfern an der Front. Leider haben sie keinen Hinweis auf ihre Identität hinterlassen. Die Soldaten trugen keine Orden als Zeichen einer langen Kriegskarriere. Auch keinen Ehering hatten sie am Finger. Starke Oberkörper und lange Gliedmaßen lassen laut Kowalke darauf schließen, dass die beiden Soldaten im Alter von 21 und 25 Jahren fielen. Dass sie der Roten Armee angehörten, ist sicher. Ihre Handgranaten und Infanteriemunition stammen aus russischer Schmiede. Ein weiteres Indiz: gesunde Zähne - deutsche Soldaten hatten durch den teils hohen Genuss süßer Speisen das schlechtere Gebiss.

"Die Würde des Menschen ist unantastbar - auch nach seinem Tod", erklärt Kowalke. Umbettungsfachleute des Volksbundes bergen die Gebeine, die Erdarbeiten werden unterbrochen. Der Einsatz der Volksbund-Mitarbeiter wird von WINGAS sowohl personell als auch finanziell unterstützt. "Als deutsch-russisches Unternehmen leisten wir von WINGAS auf diese Weise gerne einen Beitrag zur weiteren Aussöhnung zwischen unseren Völkern - für eine friedliche, gemeinsame Zukunft", erklärt König.

Trauer braucht einen Ort

"Solange die Soldaten nicht bestattet sind, ist der Krieg nicht zu Ende", zitiert Kowalke den russischen General Alexander Suworow aus dem 18. Jahrhundert. Alle bei den Bauarbeiten gefundenen Kriegsopfer erhalten eine würdige Bestattung auf einer Kriegsgräberstätte in Lietzen, Halbe oder Spremberg, wo sie ihre Ruhestätte finden. Können die menschlichen Skelette identifiziert werden, haben dann auch die Angehörigen einen Ort zum Trauern. "Die beiden sowjetischen Soldaten werden nebeneinander bestattet", so Kowalke - nach dem gemeinsamen Kampf an der Front und 65 Jahren Verborgenheit auf dem einstigen Kriegsschauplatz wäre eine Trennung wohl nicht in ihrem Sinne. [ russland.RU ]


Sowjetische Agitproplakate zum 2. Weltkrieg
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Sowjetische Flugblätter für deutsche Soldaten
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Deutsche Agitproplakate zum 2. Weltkrieg
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