8./9. Mai - Ende des Großen Vaterländischen Krieges – Historische Hintergründe




30-04-2005 Kapitulation Historie
Auf wessen Seite kämpften die Russen im Zweiten Weltkrieg?
Diese Frage ist nicht so absurd, wie es scheinen mag. Als Professor Michael Davis von der Kalifornischen Universität, USA, sie dieser Tage an seine Studenten stellte, konnte die Meisten keine klare Antwort darauf geben.

Viele meinten, aller Wahrscheinlichkeit nach auf der Seite des nazistischen Deutschland und Japans... Die Bemühungen des Professors, diese nicht unwichtige Tatsache der Weltgeschichte zu klären, wurden von den jungen Hörern zuerst mit großem Misstrauen aufgenommen.

"Die Amerikaner haben die Verdienste der Sowjetarmee nicht anerkennen wollen, und wenn ich darüber erzähle, dass die UdSSR und die USA Alliierte waren, fällt es ihnen schwer, das zu verstehen und zu akzeptieren", spricht Davis. Nach Meinung des Geschichtswissenschaftlers "können die Amerikaner es sich nicht bewusst machen, welch gewaltige Opfer die russischen Soldaten in Polen, Budapest und Prag bringen mussten, nachdem die Deutschen selbst schon das eigene Land der Roten Armee verlassen hatten. Sie können nicht fassen, wie viele Millionen Menschen von der Roten Armee gerettet wurden".

Es hat wohl kaum Sinn, den Studenten an der Kalifornischen Universität Unwissenheit vorzuwerfen. Seit dem Zeitpunkt, da sie es gelernt haben, aus Buchstaben Worte zu bilden, war ihr Blickfeld von der offiziellen Version des Zweiten Weltkrieges beschränkt, die von einem tendenziösen und gewissenlosen, aber einem einflussreichen Chronisten - dem "kalten" Krieg - geschrieben wurde.

Laut den ideologischen Einstellungen der damaligen Jahrzehnte sah die Sowjetunion so aus: Der Diktator Stalin, der mit Ribbentrop und sonstigen deutschen Diplomaten ein Komplott einging, unbegabte Marschälle und die Bevölkerung, die sich in die nazistische Sklaverei zu begeben bereit war. Ein solches Land konnte einfach keine entscheidende Rolle bei der Zerschlagung des Nazismus spielen. Der Siegeslorbeer gebührte den westlichen Demokratien - aus dem einfachen Grund, weil sie schon damals im Unterschied zur Hauptzitadelle des Totalitarismus, der UdSSR, Demokratien waren.

Ein typisches Echo dieser These haben die Studenten von Professor Davis im Band "Amerikanische Militärgeschichte" finden können. Die Verfasser behaupten: "Der sowjetische Beitrag ist offenkundig übertrieben worden, denn der Krieg im Osten war ein Landkrieg an einer Front, während die Alliierten im Westen gleichzeitig an zwei Landfronten kämpften und auch Luft- und Seekampagnen führten."

Indessen war die Gesamtlänge der sowjetisch-deutschen Front 1944 viermal so groß, wie die aller Fronten, an denen unsere Verbündeten kämpften, insgesamt. Zu jener Zeit waren an der Ostfront gleichzeitig 201 Divisionen des Gegners eingesetzt, während den anglo-amerikanischen Truppen in denselben Monaten zwei bis 21 Divisionen gegenüberstanden.

Die Eröffnung der Zweiten Front durch den Westen hatte dieses Verhältnis kaum verändert. Die Alliierten in Westeuropa hatten 1,5 Millionen Mann und die Deutschen 560 000. Zur selben Zeit waren an der sowjetisch-deutschen Front 4,5 Millionen Mann starke Truppen Deutschlands konzentriert, gegen die 6,5 Millionen sowjetische Soldaten kämpften.

Ihre Hauptverluste mussten die Hitlertruppen bei den Kämpfen gegen die Rote Armee hinnehmen: 70 Prozent der Menschen und 75 Prozent der gesamten Militärtechnik - Panzer, Geschütze, Flugzeuge.

Beim Blättern im Briefwechsel von Iossif Stalin und Winston Churchill fällt ein drastisch ausgedrückter Gedanke des britischen Premierministers auf: "Die russische Armee war es, die der deutschen Militärmaschinerie die Gedärme herausgelassen hat." In unserer Zeit spricht ihm USA-Präsident George Bush nach, der im Gespräch mit Wladimir Putin bei den Feierlichkeiten anlässlich der Landung der Alliierten in der Normandie bemerkte: "Wenn nicht Russland wäre, hätte es all das nicht gegeben..."

Diese Einschätzungen hindern die tendenziösen Ausleger der Militärgeschichte nicht daran, auch heute noch ihr Werk mit Begeisterung fortzuführen.
bei russland.RU
Schwerpunkt - 8./9. Mai - 1945 Ende des Großen Vaterländischen Krieges - Nachrichten, Hintergründe, Analysen und vieles mehr
Dabei gibt es im heutigen Russland nicht weniger Forscher dieser Art als im Westen. Einige russische Geschichtswissenschaftler befinden sich nach wie vor im Banne der Stereotypen des "Kalten Krieges". Sie behaupten, die Hilfe des Westens für die kämpfenden Sowjets nach dem sogenannten Lend-Lease sei ein "Bluff" und die Eröffnung der Zweiten Front ein "kläglicher Versuch gewesen, dem sowjetischen Militärtriumph teilhaftig zu werden", während der Siegeslorbeer einzig und allein der UdSSR gebühre.

Im Vorfeld des 60. Jahrestages des Großen Sieges nehmen sich diese Extreme als etwas Unwürdiges aus. Der Zweite Weltkrieg wurde von allen Alliierten in der Anti-Hitler-Koalition, einschließlich der UdSSR, gewonnen. Das Jubiläum ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür, den Sieg in Prozentsätze zu teilen. (Wladimir Simonow, politischer Kommentator der RIA Nowosti).
Sowjetische Agitproplakate zum 2. Weltkrieg
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Deutsche Agitproplakate zum 2. Weltkrieg
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