8./9. Mai - Ende des Großen Vaterländischen Krieges – Historische Hintergründe




02-05-2005 Kapitulation Historie
Echo des Kalten Krieges über Hiroshima
(Dr. hist. sc. Anatoli Koschkin) Unter westlichen, insbesondere amerikanischen Historikern ist die Meinung verbreitet, dass „das Ende des Zweiten Weltkrieges mit den auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfenen Atombomben gesetzt wurde".

Ohne den wichtigen psychologischen Effekt der Atombombenabwürfe zu bestreiten, die Japans Kapitulation näher brachten, kann man doch nicht der Meinung zustimmen, dass gerade diese den Kriegsausgang vorausbestimmt hätten. Das haben auch namhafte Politiker des Westens festgestellt. So erklärte Winston Churchill: „Es wäre ein Fehler zu glauben, dass Japans Schicksal von der Atombombe bestimmt wurde."

Die Fakten bezeugen, dass der Atombombenangriff nicht zur Kapitulation geführt hat. Japans Regierung und das militärische Oberkommando verheimlichten vor dem Volk den Einsatz der neuen Atomwaffen durch die Amerikaner und bereiteten sich weiterhin auf eine entscheidende Schlacht auf eigenem Territorium vor.

Der Bombenangriff auf Hiroshima wurde nicht einmal in einer Sitzung des Obersten Kriegsführungsrates behandelt. Die vom amerikanischen Rundfunk verbreitete Warnung von USA-Präsident Truman vom 7. August, die USA seien bereit, weitere Atomschläge gegen Japan zu führen, bewertete das japanische Oberkommando als eine „Propaganda der Aliierten". Nach der Zerstörung Hiroshimas im atomaren Brand behaupteten japanische Militärs weiterhin, die Armee und Flotte des japanischen Kaisers seien immer noch kampffähig. Sie würden dem Gegner ernsthafte Verluste zufügen und damit solche Bedingungen für das Kriegsende durchsetzen, die für Japan ehrenvoll wären.

Wie die amerikanischen Kriegsstäbe berechneten, waren mindestens neun Atombomben notwendig, um eine Landungsoperation auf den Japanischen Inseln zu gewährleisten. Wie es sich später herausstellte, hatten die Vereinigten Staaten nach der Vernichtung von Hiroshima und Nagasaki überhaupt keine fertigen Atombomben mehr. Deren Produktion hätte viel Zeit gekostet. „Die von uns abgeworfenen Bomben waren die einzigen, über die wir verfügt haben, das damalige Produktionstempo war aber äußerst langsam", stellte USA-Verteidigungsminister Stimson fest.

Es ist ganz offensichtlich, dass die Atombombenangriffe auf die japanischen Städte keine halbwegs wichtigen militärischen Ziele verfolgt haben. General McArthur, der damalige Chef der Alliiertentruppen im Pazifik, gab 1960 zu: „Es gab 1945 keine militärische Notwendigkeit, die Atombombe einzusetzen". Um die wirklichen Ziele des Atombombenangriffs zu tarnen, erklärte Truman am 9. August 1945: Damit sei „der Militärstützpunkt Hiroshima" angegriffen worden, um „Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden". In Wirklichkeit aber richtete die Staatsführung der USA mit ihrer Entscheidung über den Atomwaffeneinsatz diese Waffen eben gegen die Zivilbevölkerung der japanischen Städte. Dokumente beweisen das unwiderlegbar. In einem am 2. August erteilten operativen Befehl Nr. 13 des USA-Oberkommandos hieß es: „Tag des Angriffs ist der 6. August. Ziel der Attacke sind das Stadtzentrum und das Industrieviertel der Stadt Hiroshima. Das zweite Reserveziel ist das Arsenal und das Stadtzentrum der Stadt Kokura. Das dritte Reserveziel ist das Stadtzentrum von Nagasaki."

Mit den Atomschlägen gegen dicht bewohnte zentrale Stadtviertel von Hiroshima und Nagasaki wollten die Amerikaner durch die zahlreichen Opfer in erster Linie einen psychologischen Effekt erreichen. Truman billigte persönlich den Vorschlag seines engsten Beraters Bearns: „Die Bombe soll möglichst schnell gegen Japan eingesetzt werden. Sie sollte auf einen Rüstungsbetrieb, von Arbeitervierteln umgeben, und zwar ohne Vorwarnung, abgeworfen werden." Bekanntlich wurden diese Empfehlungen realisiert.

Der Atombombenangriff gegen Japan verfolgte aber auch ein anderes wichtiges Ziel: Die UdSSR und die anderen Staaten einzuschüchtern und dank des Atomwaffenmonopols eine USA-Herrschaft in der Nachkriegswelt herzustellen. Bei der Vorbereitung des Atombombenangriffs rechnete die USA-Regierung damit, dass dieser Bombenangriff „Russland gefügiger machen" würde. Gut bekannt ist Trumans Äußerung darüber: „Wenn die Bombe explodiert, was, wie ich denke, geschehen wird, so werde ich zweifellos einen Knüppel gegen diese Burschen haben." In diesem Zusammenhang muss man der Meinung des britischen Experten Blackett zustimmen, dass die Atombombenangriffe „nicht zuletzt ein gegen Russland gerichteter Akt" gewesen seien. Die Atombombenexplosionen in Hiroshima und Nagasaki waren insofern kein Schlussakkord des Zweiten Weltkrieges, sondern eher die ersten Salven des beginnenden Kalten Krieges.

Laut einer Version ließ Stalin, sobald er vom Atombombenangriff auf Hiroshima erfuhr, den Beginn der sowjetischen Beteiligung am Krieg gegen Japan beschleunigen, um bei der Regelung in Ostasien nach dem Krieg stimmberechtigt zu sein. Möglicherweise stimmt das. Durchaus wahrscheinlich ist aber eine direkt entgegengesetzte Version. Eher beeilte sich Truman mit den Atomwaffenschlägen vor einer Einbeziehung der UdSSR in den Krieg, damit die Vereinigten Staaten alle Siegeslorbeeren bekommen und das Monopolrecht erhalten, das geschlagene Japan zu okkupieren und zu verwalten. Was Stalin anbelangt, so waren seine Handlungen tadellos: Die UdSSR schloss sich am 8. August den Kampfhandlungen an, das heißt in strikter Übereinstimmung mit den in Jalta übernommenen Verpflichtungen, also genau drei Monate nach der Kapitulation Deutschlands.

Bei ihrer Entscheidung über den Bombenangriff auf Hiroshima waren die Amerikaner davon überzeugt, dass Stalin sein Versprechen einhalten wird, den USA Hilfe im Fernen Osten zu erweisen. Am 28. Mai 1945 informierte der persönliche Beauftragte des USA-Präsidenten Hopkins, der sich in Moskau aufhielt, Washington, Stalin habe persönlich ihm und dem USA-Botschafter Harriman mitgeteilt: „Die Sowjetarmee wird bis zum 8. August ihre Positionen in der Mandschurei in vollem Umfang beziehen." Dabei meinten die Alliierten, dass eben die „Einbeziehung der Sowjetunion in den Krieg Japan von einer Unvermeidlichkeit seiner vollständigen Zerschlagung überzeugen endgültig wird".

Die späteren Ereignisse bestätigten die Richtigkeit dieser Einschätzung. Noch am 9. August erklärte Japans Premier Suzuki in einer dringenden Sitzung des Obersten Kriegsführungsrates: „Nachdem sich die Sowjetunion heute früh dem Krieg angeschlossen hat, sind wir endgültig in eine ausweglose Situation versetzt worden, was eine Fortsetzung des Krieges unmöglich macht." Bekannt sind auch die Worte des japanischen Oberbefehlshabers Kaiser Hirohito, der in seinem Appell „An die Soldaten und Matrosen" feststellte: Jetzt, da sich auch die Sowjetunion dem Krieg gegen uns angeschlossen hat, würde eine Fortsetzung des Widerstands eine Gefährdung selbst der Grundlage der Existenz unseres Reichs bedeuten." (RIA)
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