8./9. Mai - Ende des Großen Vaterländischen Krieges – Historische Hintergründe




05-05-2005 Kapitulation Historie
Zeit seines Lebens konnte mein Vater die Seelower Höhen nicht vergessen
Die Tochter von Oberst Je. Martschenko, Kommandeur der 39. Garde-Schützendivision im Bestand der 8. Gardearmee von General Je. Tschuikow, erzählt von einer Begebenheit, an die ihr Vater, der den ganzen Krieg mitgemacht hatte, bis zu seinem Tod nicht ruhig zurückdenken konnte.

Vor Beginn der Kämpfe um die Seelower Höhen im Vorfeld von Berlin wurde der 39. Garde-Schützendivision ein Panzerkorps beigegeben. An den Vor- und Familiennamen des Generals, der das Korps befehligte, erinnere ich mich nicht mehr, im Gedächtnis ist nur geblieben, wie mein Vater ihn beschrieb: ein nicht mehr junger, sehr intelligenter, sehr gebildeter Berufsmilitär. Mein Vater und er überlegten zusammen, wie diese Höhen am besten zu nehmen wären. Alle deutschen ständigen Feuerpunkte waren gegen die Panzer gerichtet und entsprechend befestigt. Vater sagte, man dürfe sie nicht frontal mit Panzern angreifen, das wäre der sichere Untergang, folglich müsse man sich etwas einfallen lassen.

Er schlug vor, kleine, nur drei bis vier Mann starke Kampfgruppen aufzustellen und sie hinter die Frontlinie zu schleusen, damit sie die ständigen Feuerpunkte mit Handgranaten bewerfen und, soweit es ging, vernichteten. Das hätte Gassen für die Panzer schaffen können. Der General stimmte dem zu. Mein Vater legte den Plan Tschuikow dar, und auch dieser war einverstanden: Die Entscheidung sei vernünftig.

Die Vorbereitung der Gruppen begann bereits, aber in der Nacht vor dem Angriff kam plötzlich ein Telefonanruf, und zwar für den General. Wie sich erwies, telefonierte Schukow von der Führungsstelle für Beobachtung und Verbindung der Armee aus. Er überschüttete den General mit unflätigen Schimpfworten. Mein Vater sagte, dass dieser in Sekundenschnelle weiß im Gesicht geworden war. Schukow brüllte, er sei ein Verräter, ein Hochverräter, den er eigenhändig erschießen werde: Warum gingen die Panzer nicht zum Angriff vor? Dann nahm Tschuikow den Hörer und sagte dasselbe, ebenfalls derb fluchend, Oberst Martschenko.

Danach, in der Nacht zum 17. April, krochen die Panzer die Seelower Höhen hinauf, das war ein Frontalangriff. Mein Vater sagte, der Morgen sei selten still und klar gewesen, und der Rauch von den brennenden Panzern stieg in gleichmäßigen Säulen senkrecht in die Höhe auf, als wären es Bäume gewesen. Der ganze Abhang schien von einem Wald aus Rauch bedeckt. Er nannte die Zahl der Panzer, die zu schwarzen Rauchsäulen geworden waren: ungefähr 400 Einheiten.

Die Schlacht um die Seelower Höhen dauerte vier Tage, erst am Ende des 19. April 1945 wurden sie überwunden. Der Preis war ungeheuer. Nicht von ungefähr beginnt eines der besten Lieder der Kriegszeit mit den Worten: "Totenstille über den Seelower Höhen..." (Galina Martschenko -RIA Nowosti).
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