8./9. Mai - Ende des Großen Vaterländischen Krieges – Historische Hintergründe




07-05-2005 Kapitulation Historie
Stalins Betrug an sowjetischen Kriegsveteranen
Als Saadulla Arsamakow 1943 in seine Heimat Inguschetien zurückkehrte, glaubte er das Schlimmste hinter sich. Er hatte gegen die Deutschen gekämpft, seine Kameraden sterben sehen, eine Kugel in den Kopf bekommen und doch überlebt.

Auf seiner Uniform blitzten sowjetische Verdienstorden. "Ich habe Stalin damals vertraut", erinnert sich der 87-Jährige heute. "Jetzt vertraue ich niemandem mehr." Arsamakow fühlt sich von Stalin verraten: Der sowjetische Diktator ließ 1944 1,2 Millionen Menschen aus dem Kaukasus und den angrenzenden Gebieten vertreiben. Er warf ihnen Kollaboration mit Nazi-Deutschland vor.

Die Nordkaukasier seien ein unbedeutendes kapitalistisches Volk, heißt es in einem amtlichen Schreiben aus dieser Zeit. Tschetschenen, Krimtartaren, Dagestaner, Inguscheten, allesamt moslemische Volksgruppen aus der Kaukasus-Region, wurden Opfer der staatlich organisierten Vertreibungspolitik oder wurden bei Massenerschießungen getötet. Mit den Deportationen hatte Stalin bereits 1937 begonnen. Der Georgier misstraute den rebellischen moslemischen Minderheiten und wollte die Vielvölkerregion rund um den Kaukasus nach seinen Vorstellungen formen. Der Angriff deutscher Truppen unterbrach die Aktion. Inguscheten wie Arsamakow wurden an die Front geschickt.

Doch im Januar 1944 befahl Stalin erneut die Ermordung und Vertreibung von Tschetschenen, Inguscheten und anderen. Viele Soldaten wurden direkt von der Front ins Exil geschickt. Arsamakow wurde am 23. Februar abgeholt, dem Tag der Roten Armee. Zwei Soldaten kamen in sein Dorf Basorkino. "Sie haben mir gesagt, ich solle mich für die Feierlichkeiten vorbereiten", erinnert sich Arsamakow. Aber es gab keine Feier: "Sie haben mich betrogen." Er wurde in einen Viehwaggon gesperrt und ins zentralasiatische Kasachstan verschleppt. Innerhalb von 24 Stunden verschwanden rund 90.000 Inguscheten und etwa 390.000 Tschetschenen aus ihrer Heimat.

Arsamakow versuchte zu entkommen, wurde aber wieder gefangen genommen. Seine 21-jährige Frau und die gemeinsame Tochter sah er nie wieder. "Sie sind dort in Kasachstan gestorben. Es gab auch kein Grab, das ich hätte besuchen können." Die Menschen seien damals im Schnee verscharrt worden. Geschätzte 20 Prozent aller Vertriebenen starben in der unwirtlichen Steppe an Krankheiten, Hunger und Kälte. Die Regierung in Moskau verheimlichte die Aktion. Inguscheten und Tschetschenen verschwanden aus Lexika und Landkarten. Die Überlebenden mussten ihre Religion ablegen und durften nur noch Russisch sprechen.

Nach Angaben der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial hatten zehntausende Inguscheten und Tschetschenen gegen die Wehrmacht gekämpft. Eine große Gruppe sei an der Verteidigung der Festung von Brest, dem ehemaligen Brest-Litowsk, beteiligt gewesen. Die Schlacht wurde später Teil der sowjetischen Kriegsmythologie. Tschetschenen und Inguscheten blieben unerwähnt.

Als Russland am 9. Mai 1945 den Sieg über Deutschland erklärte, lebte Arsamakow in Nordkasachstan. Die Behörden hatten ihm seine Veteranenurkunde abgenommen und ihm verboten, den Sieg zu feiern. "Es gab keinen Siegestag für mich", erinnert er sich. "Ich wurde wie ein Niemand behandelt." Erst Ende der 50er Jahre, nach Stalins Tod, konnten die Deportierten in ihre Heimat zurückkehren. Arsamakow heiratete ein zweites Mal.

1967 erhielt der Weltkriegsveteran seine Orden zurück. Doch seine Odyssee war noch nicht zu Ende. 1992, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, wurden wieder Inguscheten, unter ihnen Arsamakow, aus ihren Dörfern an der Grenze zur russischen Republik Ossetien vertrieben. Mit seinen 87 Jahren lebt der Inguschete heute in einem Flüchtlingslager. Seine Augen tränen, er hört schlecht. Seine einzige Hoffnung ist, dass die Regierung in Moskau den Konflikt löst und er heimkehren kann, bevor er stirbt. Sicher ist er sich nicht. [  Sebastian Smith / afp / russland.RU – die Internet - Zeitung ]
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