8./9. Mai - Ende des Großen Vaterländischen Krieges – Historische Hintergründe




24-05-2005 Kapitulation Historie
Wie Herbert Lungwitz der Russisch-Orthodoxen Kirche ein Heiligtum aus dem 17. Jahrhundert zurück erstattet hat
Diese Geschichte ging in der Zeit der Gorbatschowschen Perestroika durch die ganze russische Presse. Der ehemalige Soldat der Wehrmacht Herbert Lungwitz hatte Vertretern der Russisch-Orthodoxen Kirche ein Heiligtum aus dem 17. Jahrhundert - das Grabtuch vom Sarkophag des Bischofs von Nowgorod Nikita - zurück erstattet.

"Am 22. August 1941, gleich nachdem wir in Nowgorod einmarschiert waren, beschloss ich, die Sophien-Kathedrale zu besichtigen. Darin befand sich damals das Museum für atheistische Propaganda. Auf dem Boden erblickte ich im Staub zwischen den Trümmern der eingestürzten Kuppel ein Leinentuch. Als Gläubiger begriff ich, dass ich einen religiösen Wert vor mir hatte, und ich beschloss, ihn zu bewahren. Bald konnte ich nach Deutschland in Urlaub fahren, und ich nahm meinen Fund mit, obwohl das uns unter Androhung der Erschießung verboten worden war.

All die nächsten Jahre bewahrte ich das Leinentuch zu Hause auf und sagte niemandem etwas davon. Das war ein Familiengeheimnis", erzählte der ehemalige Soldat der Wehrmacht.

Auf meine Frage, warum er das Grabtuch nicht früher zurück erstattet hätte, sagte Herbert Lungwitz: "Ich wollte nicht, dass es erneut in ein Museum für Atheismus geriet. Heute, da die Russisch-Orthodoxe Kirche wieder erstanden ist und in der Sophien-Kathedrale Gottesdienste gehalten werden, beschloss ich, dieses Heiligtum zurück zu erstatten. Freilich habe ich bis zuletzt nicht gewusst, was für einen Wert ich aufbewahrt hatte."

Der Fund von Herbert Lungwitz stellt einen äußerst seltenen religiösen und kulturellen Wert Russlands aus der Mitte des 17. Jahrhunderts dar.

Die Untersuchung des Grabtuches ergab, dass es zwischen 1664 und 1672 gewebt worden war. In der unteren rechten Ecke ist die Inschrift eingestickt: "Das Grabtuch wurde unter dem Großen Herrn Ioakim, Metropolit von Bolschoi Nowgorod und Welikije Luki, fertig gestellt". Die Inschrift lässt auf die Zeit der Arbeit an dem Grabtuch schließen.

Das Grabtuch ist mit feinster Stickerei verziert, die das Porträt des Heiligen Nikita darstellt, alle Ornamente sind mit Perlen umrandet.

Der Bischoff von Nowgorod Nikita wurde bereits im 13. Jahrhundert von der Russisch-Orthodoxen Kirche heilig gesprochen.

Der Sarkophag mit seinen Gebeinen ist gut erhalten geblieben und befindet sich heute in einer Nowgoroder Kirche. Eine Legende weiß zu berichten: Als ein deutscher Soldat während der Okkupation die heiligen Gebeine mit einem Bajonett durchstach, sickerte eine Blut ähnliche Flüssigkeit daraus hervor.

Herbert Lungwitz, der sich an seinem Lebensabend dazu entschlossen hatte, Russland sein Besitztum zurück zu erstatten, begriff gut, dass die von ihm dargelegte Geschichte zwiespältige Emotionen erregen wird. Einerseits hat er als ehemaliger Soldat der Wehrmacht durch die Rückgabe des Grabtuches eine edle Tat vollbracht, andererseits aber hat doch gerade er es aus Russland entführt. Offensichtlich hat ihn das Bewusstsein dessen sein ganzes Leben lang gequält:

"Ja, ich bin ein Soldat der Wehrmacht gewesen, ich bin aber dazu noch ein Künstler. Ich war mir darüber klar, dass das Grabtuch in jenem grausamen Krieg nicht erhalten bleiben würde, ebenso, wie viele andere Werte nicht erhalten geblieben sind. Das war der einzige Grund für meine Tat und ich habe ein ruhiges Gewissen. Ich fühle mich glücklich darüber, dass ich das selbst getan habe." (Boris Kaimakow, Kommentator der RIA Nowosti)
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