8./9. Mai - Ende des Großen Vaterländischen Krieges – Historische Hintergründe




07-03-2006 Kapitulation Historie
Valentin Falin: "Der Kalte Krieg ist nicht zu Ende"
Der vorletzte US-Präsident, Bill Clinton, hatte 1997 ein internes Treffen mit Kongressmitgliedern. "Mit unserer aktiven Hilfe", sagte er zu den Versammelten, "wurde Jugoslawien zersplittert. Unsere nächste Aufgabe ist die Zersplitterung der Russischen Föderation."

RIA Novosti setzt die Veröffentlichung eines Gesprächs ihres militärischen Kommentators Viktor Litowkin mit dem Doktor der Geschichtswissenschaften Valentin Falin fort. Anlass für dieses Treffen war der 60. Jahrestag der Fulton-Rede von Winston Churchill. Es gilt die Meinung, dass die westliche Welt gerade nach dieser Rede den Kalten Krieg gegen die Sowjetunion entfesselte. Was hat jene Zeiten überlebt, was ist endgültig vorbei? Was ist zu tun, damit sich der Kalte Krieg nicht mehr wiederholt? Das sind die Themen des im Nachfolgenden publizierten Gesprächs.

Frage: Falls Sie nichts dagegen haben, Valentin Michailowitsch: Kehren wir zu den Fragen zurück, die bei unserem vorigen Treffen erhoben wurden. Stellte die Sowjetunion damals, nach dem Zweiten Weltkrieg, tatsächlich eine Gefahr für die "freie Welt" dar? Oder war diese Gefahr erfunden, als Schreckgespenst: Moskau versuche, entgegen den Wünschen der Menschen, die sozialistische Lebensweise zu exportieren?

Antwort: Gerade amerikanische Dokumente geben eine Antwort auf diese Fragen. Ich will mich auf die Berichte der Stabschefs der Streitkräfte der USA und der Aufklärung berufen. "Die Sowjetunion stellt keinerlei unmittelbare Gefahr dar. Ihre Wirtschaft und ihr Arbeitspotential sind im Krieg erschöpft worden", schrieben die Armeeanalytiker. "Folglich wird sich die UdSSR in den nächsten Jahren auf die Wiederherstellung im Inland konzentrieren und sich begrenzte diplomatische Ziele setzen." Die Aufklärung hielt sich bis zum Jahr 1947 an solche Einschätzungen, als sie zurechtgewiesen wurde: Bevor man in fremden Seelen wühlt, muss man die eigenen Chefs besser verstehen lernen.

Die obersten Chefs aber in Gestalt des Präsidenten und seiner nächsten Umgebung verurteilten die UdSSR zum Übergang ins Nichtsein, denn allein ihr Bestehen sei eine Gefahr für die Sicherheit der Vereinigten Staaten, meinte man in Washington. Dementsprechend stand es in den Empfehlungen von Clifford, Sonderberater des Präsidenten, schwarz auf weiß: "Die gegenwärtige Weltlage spricht gegen erfolgreiche Verhandlungen mit dem Kreml, weil Abkommen über wichtige, noch immer offene Fragen die Berücksichtigung der modernen Realien voraussetzen, das aber ist unannehmbar, wenn nicht direkt eine Katastrophe für die Vereinigten Staaten und die ganze übrige freie Welt." Clifford bestand zum Beispiel kategorisch darauf, die sowjetischen Abrüstungsvorschläge zu sabotieren. Wohl gemerkt: Das Dokument datiert vom September 1946.

Gerade von diesem Postulat - "Karthago muss zerstört werden", "Die Sowjetunion muss verschwinden" - ging mit Trumans Machtantritt die gesamte gigantische Staatsmaschinerie der USA aus. Eine friedliche Koexistenz wurde als unmöglich hingestellt, und ihre Anhänger wurden zu "Befriedern" und Agenten der Kräfte gestempelt, die der amerikanischen Lebensweise feindselig gegenüberstünden. Im Mittelalter waren Glaubensunterschiede Anlass genug zu Feldzügen und "Expeditionen". Mitte des 20. Jahrhunderts hielten sich die USA für berechtigt, einen globalen Krieg "aus ideologischen Motiven" zu entfesseln. Die Könner in Washington, welche die Spannungen so gut zuzuspitzen wussten, modellierten noch ein halbes Dutzend von Anlässen, das "atomare Schwert" zu zücken und den Feind durch massierten Einsatz von bakteriologischen Waffen zum Siechtum zu verdammen.

Lassen Sie mich wiederholen: Wäre Moskau 1945 - 1947 noch so fügsam gewesen, hätte der Kreml es Washington nie recht machen können. Was die Vereinigten Staaten bewegte, war nicht die Beschaffenheit der sowjetischen Politik, sondern schon allein der Fakt des Bestehens eines Staates mit einem viel zu mächtigen Potential, der das Land der "unbegrenzten Möglichkeiten" störte, die eigene unbegrenzte globale Herrschaft zu behaupten.

Versteht man unter der Gefahr für die Freiheit und Selbstbestimmung die Freiheit Washingtons, die politische, ökonomische und soziale Weltkarte um- und umzumodeln, dann warf ihm die Sowjetunion natürlich Knüppel zwischen die Beine - oder sie hätte das tun können. Im Wortschatz des Kreml galt keine einzige Region als seine Domäne. Die USA dagegen verkündeten die Herstellung der "vollen Kontrolle über Japan und den Pazifik", ganz zu schweigen von der für Fremde und Andersdenkende unantastbaren westlichen Halbkugel - wie übrigens auch von vielem Übrigen. Wenn Sie fragen, mit welchem Recht eigentlich? Man wird Ihnen, gleich Trumans Berater Baruch, antworten: Nicht gemäß dem Recht, sondern je nach der Stärke. In einer Welt von Ungleichen ist Gleichheit eine Chimäre.

Frage: Da hätte ich einen Einwand. Nach der Beendigung des Zweiten Weltkriegs bekamen die kommunistischen Bewegungen in den osteuropäischen Ländern immer mehr Gewicht. Dort bestanden Schwierigkeiten mit den Menschenrechten. Das gab dem Westen die Möglichkeit, uns den Export des Totalitarismus vorzuwerfen, wie wir heute den USA den Export ihres Systems der Demokratie vorwerfen.

Antwort: Ich muss das, was ich sagte, doch wiederholen. In den Jahren des Umbruchs, 1945 - 1946, denn wir sprechen doch von jener Zeit? - ging es Moskau nicht darum, Zentral- und Osteuropa prokommunistische Regimes aufzuzwingen. Wenden wir uns den Notizblöcken von Wilhelm Pieck zu, worin er Stalins Erwägungen während der Gespräche mit ihm von 1945 bis 1952 aufzeichnete. Worauf bestand Stalin? "Ja keinerlei Versuche, auf dem Territorium Ostdeutschlands eine Mini-UdSSR zu schaffen, keinerlei sozialistische Reformen, eure Aufgabe ist es, die bürgerliche Revolution in Deutschland, die 1848 begann und zuerst von Bismarck und dann von Hitler unterbrochen wurde, zu Ende zu führen." Eine Spaltung Deutschlands widersprach nach Stalins Ansicht den strategischen Interessen der UdSSR. Im Widerstand gegen die separatistischen Tendenzen, die von Frankreich, England und den USA aufoktroyiert und gefördert wurden, sah Stalin die Grundlage für die Konsolidierung der antifaschistischen Kräfte unterschiedlicher politischer Couleur.

Gewiss hatte jedes der Länder, die viel später - unter Nikita Chruschtschow - die "sozialistische Gemeinschaft" bildeten, seine eigenen Besonderheiten beim Abschied von der Vergangenheit. Wir wollen jedoch nicht auch das Gemeinsame vergessen, das die Situation in der Tschechoslowakei, in Ungarn und Rumänien charakterisierte. Dort standen bis 1947 - 1948 bürgerliche Politiker - Edvard Beneš, Ferenc Nagy, Petru Groza - dem Staat vor. In Ungarn funktionierte bis 1947 der von Horthy hinterlassene Beamten- und Gerichtsapparat.

Die Volksfronten in diesen Ländern waren die ersten Opfer des Kalten Krieges. 1944 - 1946 positionierte sich Beneš als Anhänger der Reinigung der internationalen Beziehungen von nationalistischen und ideologischen Überspitzungen, die dem Europa nach dem Versailler Vertrag eigen waren. Wie er in einem Gespräch mit Stalin bemerkte, setzte das neben anderem auch die Ausrottung der Überreste des Feudalismus in Polen und Ungarn voraus. Beneš hatte die Rolle der Polen und der Ungarn bei der Zerstückelung der Tschechoslowakei nicht vergessen, genauso wie sie es Jan Masaryk, dem ersten Präsidenten der CSR, nicht verziehen hatten, dass er den Waffentransit verweigerte, als Pilsudski im Jahre 1920 seinen Marsch auf Kiew und Moskau unternommen hatte.

Die Polarisierung der Welt unterspülte den Boden, auf dem Beneš eine prosperierende Tschechoslowakei aufzubauen hoffte. Eine Brücke zwischen West und Ost, worin Beneš im Idealfall die Funktion seines Landes sah, hätte nur neutral sein können. Aber was tun, wenn die USA die Neutralität arrogant abschätzig als "amoralische Erscheinung" darstellten? Das Abrollen der Lawine war eine Frage der Zeit.

Von den Nachbarn der UdSSR vermochte es nur Finnland, seinen neutralen Kurs beizubehalten. Einigen Angaben zufolge neigte der sowjetische Diktator dazu, das finnische Beispiel zu verbreiten. Für dieses interessierte sich insbesondere Norwegen. Dieses Land wurde buchstäblich gewaltsam in die NATO getrieben. Österreich konnte sich seine Neutralität bewahren. Worin bestand, wenn wir den Fall der Finnen und der Österreicher betrachten, eine Herausforderung oder eine Gefahr für jemanden?

Und noch ein Moment, das bei weitem nicht zweitrangig ist. Als Moskau Nachrichten über die amerikanischen Pläne von Kernwaffenschlägen auf die Sowjetunion und ihre Positionen erhielt, bekam der sowjetische Kommandant Marschall Sokolowski den Befehl, in Deutschland, Polen und so weiter nicht etwa einen Sprung zum Atlantischen Ozean, sondern die Verteidigungslinien an der Oder vorzubereiten. Es bestand die Absicht, unter günstigen Voraussetzungen zur Demarkationslinie an der Elbe zurückzukehren. Um die Lügenmärchen zu widerlegen, die den sowjetischen Soldaten den Wunsch zuschrieben, ihre Stiefel im atlantischen Gewässer zu waschen, schlug ich dem "Spiegel" vor, eine Kopie dieser Direktive zu veröffentlichen. Das Magazin gestand dem Thema ein paar Zeilen zu. Redefreiheit ist nicht gleich Unvoreingenommenheit, wenn es darum geht, wie eine Information zu servieren ist.

Frage: Dann stellen wir die Frage so: Welche Zeit wäre als Beendigung des Kalten Krieges zu bezeichnen?

Antwort: Ich will auf diese Frage etwas später antworten. Inzwischen wollen wir analysieren, warum sich 1947 alles dermaßen veränderte. Wann kam es zum Bruch, und warum ging Stalin daran, prosowjetische Regimes durchzudrücken, warum begannen die Säuberungen und sonstiger Unfug? Wie das in der Tschechoslowakei, in Ungarn und anderen Ländern der Fall war.

Frage: In Jugoslawien ebenfalls.

Antwort: Jugoslawien ist ein Kapitel für sich, dort kämpfte Tito gegen Stalin und dessen Anhänger. Die Tschechoslowakei? Beneš trat zurück. In Rumänien kamen die Kommunisten an die Macht, in Ungarn ebenfalls, in Polen ging eine "Hexenjagd" los. Alles in allem ein "McCarthyismus à la Stalin". 1947 erhielt Moskau von seinem Nachrichtendienst Materialien über den Beschluss der drei Westmächte, Deutschland zu spalten, einen westdeutschen Separatstaat zu schaffen und ihn in den offensiven antisowjetischen Militärblock einzugliedern. Aus diesem und anderen Dokumenten, die die Nachrichtendienste erhalten konnten, ging eindeutig hervor: Der Kalte Krieg war kein Selbstzweck. Seine vorrangige Bestimmung war die politische und psychologische Vorbereitung eines "heißen" Krieges. Schon wurden die Jahre für den "Tag X" - für die Schläge gegen die UdSSR, gegen China und Vietnam (1952 beziehungsweise 1954 beziehungsweise 1957) - festgelegt. Washington mangelte es keineswegs an Entschlossenheit, alle Bremsen zu lösen, es fehlte nur die Gewissheit in Bezug darauf, welche Folgen die Aggression nach sich ziehen konnte. Eine zehnfache Überlegenheit der Feuerstärke des Westens im Vergleich mit der UdSSR, wie die Generale das verlangten, konnten und konnten sie nicht erreichen.

Ich will nicht auf Einzelheiten eingehen - sie waren überaus zahlreich, und für Washington sind sie sämtlich wenig schmeichelhaft. Zweifler könnte ich auf den Plan "Dropshot" verweisen, den Präsident Truman im Dezember 1949 als Basis der Militär- und Außenpolitik der USA bestätigte, sowie für den NATO-Block. Neben "Dropshot" verblassen sämtliche Doktrinen sämtlicher früheren Aggressoren.

Frage: Dennoch ist vielleicht auch folgende Frage angebracht. Wenn die Dokumente davon zeugen, dass die USA dazu rüsteten, die Sowjetunion zu vernichten, warum taten sie das nicht, als nur sie allein im Besitz von Kernwaffen waren?

Antwort: Die Pläne eines Kernwaffenkrieges gegen die UdSSR wechselten sich nur so ab. Zwischen 1945 und 1949 erreichte ihre Zahl zumindest sechzehn. Die Zahl der Zielstädte stieg von 15 auf 200, die der Bomben, die für die Erfüllung besagter Aufgaben bestimmt waren, von den anfänglichen 20 auf mehr als 300 an. Die Magie der Zahlen wirkte auf den Präsidenten und seine Berater wie ein richtiges Doping. Doch bald stellte sich heraus, dass das Ausholen eher den Grad der Abenteuerlichkeit ausdrückte als die Handlungsfähigkeit.

Nach wiederholten Anfragen wurde Truman im April 1947 informiert, dass die USA über ein knappes Dutzend Atombomben verfügten. Diese Mitteilung versetzte dem Präsidenten einen Schock. Er sagte: "Ich hätte es vorgezogen, nichts davon zu wissen." Tatsächlich hatten die Vereinigten Staaten Ende 1945 zwei Atombomben, im Juli 1946 neun und ein Jahr später dreizehn. Wie Lilienthal, Vorsitzender der US-Atomenergiekommission, 1979 gestand, hatten die Amerikaner bis 1948 überhaupt keine einsatzfähigen Kernladungen gehabt.

Das Leben ist voller Paradoxa. Wäre der USA-Nachrichtendienst in unser Geheimnis eingedrungen - die sowjetischen Kernwaffen wurden zuerst auf der Basis von Uran aus Ostdeutschland und der Tschechoslowakei gebaut -, so hätte Washington vielleicht den Vorschlag des Kreml anders aufgenommen, nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges die ausländischen Truppen vom deutschen Territorium abzuziehen. Aber so, wie die Dinge standen, legte Moskau schon 1949 seine Sprengladung unter das atomare Monopol der Amerikaner. Es zeichneten sich eine bipolare nukleare Konstruktion und damit auch eine bipolare Welt ab.

Frage: Lassen Sie uns auf die Frage des Kalten Krieges zurückkommen. Welcher Tag und welches Jahr können als sein Ende gelten? Welches Ereignis in unserer Geschichte bedeutete seine Beendigung?

Antwort: Ich fürchte, Sie zu enttäuschen. Meiner Meinung nach ist der Kalte Krieg nicht zu Ende, da seine tiefere Basis - der Russenhass - nicht verschwunden ist. Eine schädliche und zählebige Erscheinung.

Wenden wir uns historischen Beispielen zu. Da dämmt die alte Rus den Andrang der Mongolen und Tataren ein, und inzwischen zwackten sich die Polen, die Litauer, die Schweden, nicht faul, Stücke der russischen Lande im Westen ab. Das litauische Großfürstentum entstand damals auf den slawischen Territorien, die die Rus nicht verteidigen konnte, weil sie unter das mongolische Joch geraten war. Oder ein anderes Beispiel. Wissen Sie noch, wann der Westen erstmalig ökonomische Waffen gegen Russland einsetzte? Das war 1533. Fixiert in dem so genannten Lübecker Übereinkommen, das auf Initiative des Königs von Schweden und des Kaisers von Österreich, der damals dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation vorstand, zustande kam. Das Übereinkommen verbot Lieferungen von militärischen oder sonstigen Technologien, die Russlands Verteidigungsfähigkeit hätten erhöhen können, und erklärte den Bau von russischen Häfen an der Ostsee für ungesetzlich. Es standen grausame Strafen auf die Verletzung der eingeführten Verbote. Das Lübecker Übereinkommen wurde erst unter Iwan dem Schrecklichen durchbrochen, als er mit den Engländern, die inzwischen die Schifffahrten nach Archangelsk für sich entdeckt hatten, Verträge schloss.

Russophobie können wir auch an anderen Beispielen aus der Geschichte verfolgen. Die ersten Beschlüsse über die finanzielle Blockade über Russland stammen von Ende des 19. Jahrhunderts. Sie wurden durch den USA-Kongress in den Jahren des Ersten Weltkrieges bekräftigt. 1918 - 1920 schickte Washington seine Fachleute nach Russland, um uns zur Räson zu bringen. Als den Mentoren die Tür gewiesen wurde, erkannten sie bis 1933 Sowjetrussland nicht an. Nach dem Motto: Mit einem nicht anerkannten Land kann man alles Mögliche anstellen. Und nach 1945 zogen sie nicht nur das Recht der Russen auf Selbstbestimmung, sondern auch ihr Recht auf Bestehen in Zweifel. Ob ihnen einmal, mit dem Versinken der Sowjetunion ins Nichtsein, die bewussten Schuppen von den Augen fallen, wird die Zeit lehren. Gewisse Leute im Westen glauben bis heute noch, der Halbzerfall Russlands sei eine Zwischenvariante.

Frage: Dann lassen Sie uns die Frage anders formulieren: Warum wird so viel und gern von der Beendigung des Kalten Krieges geredet? Wem nützt das?

Antwort: Das Verschwenden der sowjetischen geopolitischen Positionen durch Michail Gorbatschow musste irgendwie gerechtfertigt werden. Abkommen mit den USA fixierten in der Hauptsache unsere Zugeständnisse. Das Kräfteverhältnis wurde zugunsten der NATO deformiert. Dieser von Washington angeführte Block expandierte, während die Führung der Sowjetunion die Organisation des Warschauer Vertrages zerstörte. Zugleich auch den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). Mangels auch nur halbwegs überzeugender Argumente zugunsten des Kapitulantentums wurden die Worte vom Ende des Kalten Krieges und der anbrechenden Ära der Ko-Prosperität in Umlauf gebracht.

Experten werden sich noch lange mit der Politik von Gorbatschow und Schewardnadse, mit deren scheinbar "schlauen Kombinationen" auseinandersetzen müssen. Objektiv gossen die beiden Wasser auf die Mühle des Kalten Krieges, und das in seiner ursprünglichen Form, in jener Fassung, die gegen die Integrität und das eigentliche Bestehen der Sowjetunion gerichtet war. Unsere Großmacht und ihre Interessen wurden nicht den "gesamtmenschlichen Werten" zum Opfer gebracht, sondern den unbändigen Prätentionen des Konkurrenten, der sich zum gesamtmenschlichen Mentor aufspielt.

Was Jelzin, Gaidar und Kosyrew betrifft, ist die Sache etwas klarer. Sie erfüllten in Übersee aufgestellten Pläne: das Land bis zu jenem Punkt zu bringen, von dem aus eine Rückkehr nicht mehr möglich ist, die russische Eigenständigkeit und das russische Selbstbewusstsein zu entwurzeln. Schon reichte die Kapitulation Washington nicht mehr. Es verlangte eine vorbehaltlose Kapitulation, wirkte nicht nur auf die Zergliederung, sondern auch auf das Zertreten aller sittlichen Kanons und Werte hin, die ein Volk erst zu einem Volk machen. Leider haben die USA ihr Ziel beinahe erreicht.

Freilich unterscheidet sich der Kalte Krieg doch im einigen von einem "heißen" Krieg. Eine vorbehaltlose Kapitulation im Kalten Krieg ist ein Prozess. Der vorletzte US-Präsident, Bill Clinton, hatte 1997 ein internes Treffen mit Kongressmitgliedern. "Mit unserer aktiven Hilfe", sagte er zu den Versammelten, "wurde Jugoslawien zersplittert. Unsere nächste Aufgabe ist die Zersplitterung der Russischen Föderation." Was ist das, wenn nicht die Fortsetzung des Kalten Krieges, eine in unsere Zeit vorgeschobene neue "Fulton-Rede"?

Politik kennt keinen Schlusspunkt. Sie setzt immer Gedankenpunkte. Was noch kommt? Gebe Gott, dass es nicht nach dem bekannten Märchen zugeht: Je weiter, desto schrecklicher.(RIA)
Sowjetische Agitproplakate zum 2. Weltkrieg
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Deutsche Agitproplakate zum 2. Weltkrieg
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