8./9. Mai - Ende des Großen Vaterländischen Krieges – Historische Hintergründe




30-01-2005 Kapitulation Historie
Der Weg eines Bataillonskommandeurs
Der bekannte internationale Journalist Spartak BEGLOW gehörte zu den Begründern und Leitern der Presseagentur "Nowosti" (heute RIA Nowosti).

An seinem 80. Geburtstag bemerkte er, der Krieg habe ihn um seine früheste Jugend beraubt: Der Absolventenabend in der Oberschule des Städtchens Puschkino bei Moskau, wo er die Schulbank gedrückte hatte, endete gerade gegen Morgen des 22. Juni 1941. Bald bekamen die Jungen ihre Einberufungsbefehle. Aber Spartak war ein Jahr jünger als seine Klassenkameraden und durfte nicht an die Front. Nachstehend seine eigene Erzählung:

Täglich belagerte ich das Kriegskommissariat, bekam jedoch immer die gleiche Antwort: Sobald dein Jahrgang an die Reihe kommt, bekommst du schon deinen Einberufungsbefehl. Ich versuchte, in eine zivile Fliegerschule einzutreten. Aber auch dort wurde ich abgewiesen. Nun, sagte ich mir, wenn man dich nicht fliegen lernen lässt, gehst du wenigstens dorthin, wo man dich lehrt, Flugzeuge zu bauen.

Inzwischen verschlechterte sich die Lage an der Front bei Moskau immer mehr. Die Komsomolorganisation der Hauptstadt beschloss, der Armee durch die Aufstellung von selbstständigen Schieläuferbataillonen aus Jugendlichen zu helfen. Ich lief gut Schie und wurde angenommen. Niemand interessierte sich für meinen Jahrgang. So "schlich" ich mich in die Armee ein.

Wir wurden kurze Zeit in einem Reserveregiment ausgebildet und mit einem Zug nach Tula gebracht. Von dort ging es zur vordersten Kampflinie. Unser 118. selbstständiges Schiläuferbataillon wurde dem ersten Garde-Kavalleriekorps von General Below beigegeben. Die Reiter sahen auf uns Schiläufer von oben herab. Doch nach dem 5. Dezember 1941, da die deutschen Truppenteile unter großen Verlusten zurückzuweichen begannen, wurden unsere Überraschungsangriffe mitten in den verschneiten Feldern und aus schütteren Wäldchen heraus für den Feind empfindlich. Manchmal ließen wir die Schier und die Pferde in einem nahen Wald liegen und stehen und "verdrängten" den Feind aus besetzten Dörfern. Bisweilen mussten wir uns vor einer Attacke auch heranrobben.

Ende Januar 1942 wurde ich zum ersten Mal verwundet, übrigens leicht, eine Kugel durchschoss meine linke Schulter. Nach dem Lazarett wurde ich zu einem Lehrgang für Unterleutnante kommandiert und schon zwei Monate später zum Leutnant befördert. Beim Unterricht kam mir die Fähigkeit, mich im Gelände zu orientieren und mit der Karte zu arbeiten - alles Fertigkeiten aus der Zeit der "stillen Jagd", als ich noch in die Pilze gegangen war -, gut zupass.

Meine erste Offiziersdienststellung war Gehilfe des Stabschefs eines Bataillons. Im Sommer 1942 verlief die Frontlinie, die unsere 194. Division hielt, längs des Flusses Ugra. Aber im Oktober wurde ich nach Podolsk, zu einem Lehrgang für den Kommandeursbestand der Westfront, kommandiert. Nach dem Abschluss wurde ich zur Kalininer Front kommandiert, und zwar zur 52. Schützendivision, die einen nicht sehr großen Abschnitt im Raum Rschew besetzt hielt. Nun war ich schon Oberleutnant und Stabschef des Bataillons.

Unsere Division hatte den Auftrag, den bei Stalingrad kämpfenden Truppen zu helfen. Die Aufgabe bestand darin, ins rückwärtige Gebiet der Gruppierung von General Paulus einzudringen, der deutschen Verstärkung aus dem Westen den Weg zu versperren und das Territorium des nördlichen Donez-Beckens unter Kontrolle zu nehmen. Zusammen mit anderen Verbänden der 37. Armee gelang es uns, die Operation eines "großen Sprunges" längs des Flusses Sewerski Donez erfolgreich durchzuführen. Unter Kämpfen legten wir im Marschstreifen der 10. Panzerdivision beinahe 500 Kilometer zurück. Die Donsteppe war tief verschneit, und wir folgten den Panzern, die den Weg mit dreieckigen Schneeräumvorrichtungen ("Bügeleisen") aus Baumstämmen befahrbar machten. Ende Januar waren wir bereits in Starobelsk, der ersten Stadt, die die Sowjetarmee in der Ukraine befreite. Nach schweren Kämpfen um die Städte Artemjewsk und Sol bezog unsere Division ein Aufmarschgebiet am Ostufer des Sewerski Donez. Die Ju-86 des Gegners führten einen "Nervenkrieg" aus der Luft, indem sie uns immer wieder im Sturzflug angriffen und mit Bomben überschütteten. Trotzdem gelang es uns, uns einzugraben und Erdhütten zu bauen.

Im Juni 1943 erteilte der Divisionskommandeur den Befehl, mich zum Hauptmann zu befördern, und ich wurde zum ersten Gehilfen des Stabschefs eines Regiments ernannt. Bei mir liefen alle Aufklärungsinformationen zusammen, und ich trug die Verantwortung dafür, dass die reale Situation genau dargestellt und operativ den Kommandeuren aller Ränge übermittelt wurde.

Im Juli 1943 beschloss das Wehrmachtskommando, den Hauptschlag gegen die sowjetischen strategischen Kräfte im Raum Kursk - Belgorod zu führen. Bei dem Dorf Prochorowka entbrannte eine grandiose Panzerschlacht, die später als die größte in der Geschichte aller bisherigen Kriege bezeichnet werden sollte. Auf unserer Seite nahmen über 800 Panzer und Selbstfahrlafetten am Gefecht teil.

Der Artilleriesalut am 5. Juli, der erste festliche Salut seit Kriegsbeginn, zeugte von der Wichtigkeit des Sieges in dieser Schlacht. Die Deutschen begannen den Rückzug, und die strategische Initiative ging an die Sowjettruppen über - und dies schon bis zum Ende des Krieges.

Unsere Division schaltete sich in die allgemeine Offensive in der Richtung Kursk - Belgorod ein. Nach der Überquerung des Sewerski Donez kämpften wir auf den Zugangsstraßen nach Charkow. Die Opfer waren zahlreich, die Division brauchte Verstärkung. Doch während die "frischen Kräfte" auf dem Wege zu uns waren, mussten die Kommandeure die gelichteten Infanterieeinheiten der Regimenter zu einem Bataillon zusammenschließen.

Am 25. August überschritt ich mein 19. Lebensjahr. Am Tag darauf kam die Weisung des Regimentskommandeurs: "Hauptmann Beglow, Sie haben den ganzen Bestand an Schützeninfanteristen unter ihr Kommando zu nehmen." Die Offensive ging weiter. Am 10. September, nach der Bearbeitung der deutschen Positionen durch unsere Artillerie, ließ ich den Kompaniechefs den Befehl durchgeben: "Vorwärts!" Als ich mich aufrichtete, schaffte ich nur einige wenige Schritte und empfand einen schweren Schlag auf die rechte Armbeuge. Ein Scharfschütze hatte ein Sprenggeschoss abgefeuert.

Ich bin den Ärzten des Feldlazaretts dankbar, weil sie nicht das taten, was in solchen Situationen beinahe "automatisch" zu erfolgen pflegte: Sie nahmen das Risiko auf sich, mir den Arm nicht zu amputieren. Ich verbrachte die Zeit bis Januar 1944 in Lazaretten, wurde aus dem Dienst entlassen und kehrte heim. Gerade zu jener Zeit wurde die Moskauer Staatliche Hochschule für internationale Beziehungen eröffnet, und dort begann ich mein Studium. Danach war ich als Journalist tätig, beschäftigte mich mit Forschungsarbeit im Bereich der Massenmedien und war später Professor an der Fakultät für Journalistik an der Moskauer Staatlichen Universität. (RIA)
Sowjetische Agitproplakate zum 2. Weltkrieg
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