8./9. Mai - Ende des Großen Vaterländischen Krieges – Historische Hintergründe




26-04-2005 Kapitulation Historie
Oberleutnant Iltschenko: "Paulus kapitulierte stillschweigend"
(Oberst a. D. Pjotr DUNAJEW, Historiker, Teilnehmer des Großen Vaterländischen Krieges, für die RIA Nowosti.) Es war der letzte Funkspruch, den Paulus' Stab von Hitler bekam. Der Stabschef R. Schmidt übergab ihn mit den Worten: "Gratuliere, Sie sind Generalfeldmarschall."

Paulus zeigte keinerlei Regung. Die Lage seiner Armeegruppe in Stalingrad war apokalyptisch: Der im Keller eines städtischen Kaufhauses untergebrachte Stab blockiert, die Verbindung mit den Truppen verloren, auf dem verschneiten Stadtplatz vor dem Gebäude lagen Berge von Leichen deutscher Soldaten, über die Massen von Läusen krochen.

1991 lernte ich in Kiew den Teilnehmer der Stalingrader Schlacht Fjodor Michajlowitsch Iltschenko kennen. Er erzählte mir in allen Einzelheiten, wie Generalsfeldmarschall Paulus gefangen genommen worden war. Ich gebe seine Erzählung wortgetreu wider.

"Am frostigen Morgen des 31. Januar 1943 führten wir einen blutigen Kampf direkt vor dem Gebäude des Kaufhauses. Plötzlich sah ich in einer Mauerbresche einen deutschen Offizier, der eine weiße Fahne schwenkte. Ich gab das Kommando "Feuer einstellen!" und befahl dem Nachrichtensoldaten Alexej Meschirko und zwei MP-Schützen, die in der Nähe waren, mir zu folgen. Ich nahm auch einen Dolmetscher mit, einen kurz zuvor gefangen genommenen Deutschen, den wir gewaschen und in unsere Uniform gesteckt hatten.

Die Zugänge zum Kaufhaus waren vermint, so mussten wir über die Ostrowski-Straße um das Gebäude gehen. Per Funk meldete ich dem Brigadekommandeur Oberst Burmakow, der deutsche Offizier fordere mich auf, mit ihm in einen Keller, in den Stab von Paulus, hinunterzusteigen. Er sagte: "Handeln Sie, Genosse Oberleutnant!" Am Eingang ersuchte uns der deutsche Offizier in einem um Verzeihung bittenden Ton, die Waffen abzugeben. Wir maßen ihn mit den ‚Blicken der Sieger', drückten unsere MPi's nur noch fester an uns und stiegen in den Keller. In einem langen, feuchten und stinkenden Korridorerblickten wir Hunderte hohlwangige Gesichter der deutschen Offiziere, sie sahen gespenstisch aus. Ein trockener Schuss fiel, ich griff gewohnheitsmäßig an meine Pistolentasche, aber es war einer der Selbstmörder.

Schließlich erreichten wir das Zimmer von General Rosske. Einen Augenblick später erschien dort auch der Stabschef Schmidt. Man führte uns weiter, zu Paulus. Unwillkürlich warf ich einen Blick auf die Uhr: 6.45 Uhr morgens.

Der Feldmarschall lag auf einem eisernen Bett ohne Uniform, er hatte nur ein Hemd an. Auf dem Tisch brannte ein Kerzenstummel, in seinem Licht war übrigens ein Akkordeon auf einem Sofa zu sehen. Paulus grüßte nicht, richtete sich jedoch auf und setzte sich. Er sah krank und abgezehrt aus, sein Gesicht zuckte nervös. Paulus hörte sich Schmidts Bericht über die Forderungen der sowjetischen Offiziere an und nickte müde.

Als ich wieder bei unserer Einheit war, meldete ich alles Oberst Burmakow, und er gab die Meldung seinerseits an eine höhere Führungsebene weiter. Der Brigadekommandeur befahl mir, in den Bunker von Paulus zurückzukehren, und wieder schritt ich über den Platz, aber diesmal ging es heiterer, um mich waren Fern-, Funksprecher und MPi-Schützen. Gegen 8 Uhr morgens trafen im Stab der 8. Armee Offiziere der 38. Brigade ein: Hauptmann L. P. Morosow, Hauptmann N. F. Grischtschenko, Hauptmann N. Je. Rybak und etwas später der Stellvertreter des Brigadekommandeurs für politische Arbeit, Oberst L. A. Winokur. Mit den Generalen Rosske und Schmidt wurde vereinbart, längs der Frontlinie Vertreter beider Seiten in einem Pkw zu entsenden und über eine mächtige Lautsprechanlage die Feuereinstellung bekannt zu geben.

Um 8.15 Uhr morgens trafen die Stabsoffiziere der 64. Armee Oberst G. S. Lukin, Major I. M. Ryschow und Oberstleutnant B. I. Mutowin ein und stellten den Generalen Schmidt und Rosske ein Ultimatum über die unverzügliche Aufgabe des Widerstandes und die volle Kapitulation der Armeegruppe Süd. Die Bedingungender Kapitulation wurden angenommen, die Deutschen gaben sich gefangen. Um 8.55 Uhr stieg der Stabschef der 64. Armee Generalmajor I. A. Laskin in den Keller des Kaufhauses und forderte Rosske auf, den Befehl über die Einstellung der Kampfhandlungen und die Abgabe der Waffen zu unterzeichnen. Zugleich wurde ein Ultimatum zur Gefangennahme von Generalfeldmarschall Paulus gestellt.

bei russland.RU
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Spät in der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar 1943 schrieb der Kommandeur der 38. motorisierten Schützenbrigade Oberst I. D. Burmakow einen Bericht an den Stab der 64. Armee. Darin hieß es unter anderem: ‚Für die Kämpfe im Zentralteil der Stadt und die Gefangennahme des Kommandos der 6. deutschen Armee verdient der Stellvertreter des Brigadechefs für operative Fragen Oberleutnant Genosse Iltschenko, Fjodor Michajlowitsch, der unmittelbar an der Leitung der Brigadeeinheiten am Kampfort und an der Organisation der Einkreisung des Gebäudes des Zentalen Kaufhauses teilnahm, besondere Aufmerksamkeit.' Des Weiteren zählte der Brigadekommandeur noch an die 50 Namen von Soldaten und Offizieren auf, die für diese heroische Operation einer Auszeichnung würdig waren.

Leider wurde dieser Vorschlag nicht beachtet. Möglich ist auch, dass er sich im Jubel und Trubel des großen Sieges an der Wolga verlor. Nur Burmakow selbst und Oberst Laskin, der die Akte über die Kapitulation entgegengenommen hatte, wurde der Rotbannerorden verliehen." (RIA)
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