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22-11-2006 Alexander Litvinenko
Russlands Presse: Steht FSB hinter Anschlag auf Litwinenko?
Der Skandal um die Vergiftung des ehemaligen FSB-Offiziers Alexander Litwinenko in London ist am Dienstag international geworden. Das Bild des auf dem Krankenbett liegenden Politemigranten wurde auf Titelseiten führender Zeitungen der Welt abgedruckt,

die zur Meinung neigen, dass der geflüchtete Offizier der russischen Sicherheitsbehörde für seine Kritik am Kreml bestraft wurde. Mit der Ermittlung des Falls wurde die Antiterror-Abteilung von Scottland Yard beauftragt, berichtet die Moskauer Presse am Mittwoch.

Unter Berufung auf einen anderen geflüchteten KGB-Offizier Oleg Gordijewski schrieben die Londoner Zeitungen, dass Litwinenko, der in den letzten Jahren dem im Londoner Exil lebenden Ex-Oligarchen Boris Beresowski nahe gestanden ist, am 01. November mit zwei Bekannten aus Moskau Tee getrunken habe. Nach Angaben von "The Daily Telegraph" handelt es sich bei einem von ihnen um Andrej Lugowoi, ehemaliger KGB-Mitarbeiter und früherer Leiter des Sicherheitsdienstes des Fernsehsenders ORT.

"Ich werde keine Kommentare geben, bevor ich mich mit Vertretern der britischen Botschaft in Moskau getroffen und ihre Fragen beantwortet habe, um die Situation zu klären", erklärte Lugowoi gegenüber der Zeitung "Kommersant". "Danach werde ich vielleicht sagen, was ich dazu denke."

In einem Bericht des britischen Außenamtes wird mitgeteilt, dass der Fall Litwinenko mit russischen Diplomaten diskutiert wurde, allerdings nur "hinsichtlich des starken Interesses der Presse dafür".

Indessen kommt in inoffiziellen Kommentaren westlicher Experten immer stärker die Meinung zum Ausdruck, Litwinenko sei ein Opfer der russischen Sicherheitsdienste geworden. Fritz Ermarth, der ehemalige Chef des CIA-Rates für Aufklärungsdienst, erinnert der Vorfall nach seinen eigenen Worten "an die Handschrift der ehemaligen sowjetischen Geheimdienstagenten". "The Guardian" stellt fest: "Der Westen ist bereit, an die schlimmsten Nachrichten über Russland und an die bösesten Absichten der Administration Wladimir Putins zu glauben".

Sergej Iwanow, Leiter des Pressebüros des Aufklärungsdienstes Russlands, streitet indessen jede Schuld seiner Behörde an Litwinenkos Erkrankung ab und betont: "Wenn die ganze Welt darüber zu sprechen begonnen hat, so scheint das irgend jemand das stark zu brauchen."

Nikolai Leonow, Mitglied des Staatsduma-Sicherheitsausschusses und ehemaliger Chef der analytischen Abteilung des KGB-Aufklärungsdienstes, fügt hinzu: "Die antirussische Kampagne nimmt derzeit in der ganzen Welt zu. Die Amerikaner werden keine Chance verpassen, Russland einen Hieb zu versetzen. Der Rummel um die Vergiftung kommt dabei nur Beresowski zugute. Indem er einen gegen Russland gerichteten internationalen Skandal aufbläst, rächt er sich damit für sein Fiasko in Russland als Politiker und Geschäftsmann ab."

Garri Kasparow, Chef der Vereinigten Bürgerfront, ist da anderer Meinung: "Die westliche Öffentlichkeit begreift allmählich, dass in Russland eine Totaloffensive gegen jene im Gange ist, die mit der Politik des Kremls nicht einverstanden sind. Plausible Ergebnisse der Ermittlung im Fall Mord an der Journalistin Anna Politkowskaja gibt es immer noch nicht, sie wurde aber in Russland getötet, während der Anschlag auf Litwinenko in London begangen wurde. Deshalb wird Großbritannien diesen Fall ernst anpacken. Der Kreml kümmert sich aber kaum um seine Reputation, immerhin ist das Abkommen über Russlands WTO-Beitritt bereits unterzeichnet worden." [ RIA Novosti ]