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09-12-2006 Alexander Litvinenko
Britische Polizei interessiert sich Litwinenkos Erpressungsabsichten
Britische Polizisten haben mit der russischen Wissenschaftlerin Julia Swetlitschnaja ein Gespräch geführt, die angeblich vom verstorbenen Ex-FSB-Offizier Alexander Litwinenko über dessen Absichten informiert worden war, Vertreter der russischen Macht sowie namhafte in- und ausländische Unternehmer zu erpressen. In einer Pressekonferenz am Freitag in London teilte Frau Swetlitschnaja mit, dass sie und ihr Kollege James Hartfield aus der Westminster-Universität, mit der gemeinsam sie sich mit Tschetschenien-Forschungen befasst, vor rund anderthalb Wochen die Polizei darüber informiert hatten.





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"Gestern hatten wir ein Gespräch in der Polizei", sagte sie. Nach ihren Worten zeigte die Polizei großes Interesse für diese Angelegenheit und u. a. für die E-mails, die Litwinenko an sie gerichtet hat.

Wie sie weiter ausführte, hatte sie Litwinenko über den Unternehmer Boris Beresowski kennengelernt. Damals befand sie sich auf der Suche nach Menschen, von denen sie mehr über die Geschichte Tschetscheniens und Beziehungen zwischen Tschetschenien und Russland erfahren könnte.

"Über einen britischen Journalisten habe ich die Handy-Nummer von Beresowski bekommen und ihn angerufen. Beresowski rief mich ungefähr zwei Wochen später zurück und gab mir die Handy-Nummer von Litwinenko. Dabei warnte er mich, ich soll auf der Hut sein, weil dieser Mensch (Litwinenko) zu viel plaudert", so Swetlitschnaja.

Beresowski selbst habe sie nie persönlich kennengelernt. Im April und Mai dieses Jahres trafen James Hartfield und Julia Swetlitschnaja mehrmals mit Litwinenko zusammen. Zu einer dieser Begegnungen wurde der Emissär der tschetschenischen Separatisten Achmed Sakajew eingeladen, der seinen Standpunkt zur Geschichte Tschetscheniens und zu den tschetschenisch-russischen Beziehungen dargelegt hat. Dabei betonten Hartfield und Swetlitschnaja, dass gerade Litwninenko und nicht Sakajew mehr über Politik redete und die russischen Behörden kritisierte. Das letzte persönliche Treffen zwischen Swetlitschnaja und Litwinenko fand am 22. Mai im Hotel Hilton Park Lane im Zentrum Londons statt. Außerdem habe es Gespräche bei Spaziergängen im Hyde Park gegeben.

Litwinenko habe ihr eine Diskette mit von FSB-Mitarbeitern 2005 gesammelten Daten gegeben. Darin war von Korruptionsfällen und Kriminaldelikten in den Staatsmachtorganen die Rede. Auf die Quelle dieser Informationen angesprochen, sagte Swetlitschnaja, nach Litwinenkos Worten hatte dieser Freunde und Ex-Kollegen in den Geheimdiensten, die ihm diese Dokumente zur Verfügung gestellt haben sollen.

Zugleich betonte sie, dass Litwinenko ihr keine Dokumente gezeigt hat, die er zur Erpressung ranghoher Personen gebrauchen wollte. "Bei Gesprächen erwähnte er aber den Namen eines überaus bekannten russischen Oligarchen und den Namen einer britischen Gesellschaft, die er erpressen wollte", fügte Swetlitschnaja hinzu.

Wie sie sagte, habe Litwinenko zwar niemals über seine persönlichen Lebensumstände etwas erzählt, sie wusste aber, dass er keinen ständigen Arbeitsplatz hatte und Geld brauchte, um seine Familie zu unterhalten.

"Ich denke nicht, dass sich Litwinenko bedroht fühlte", fügte Swetlitschnaja hinzu und betonte, dass auch sie "keine direkten Gefahren" für ihre eigene Sicherheit sieht.

"Ich habe nie für den russischen Staat oder für die Gesellschaft Yukos gearbeitet", sagte sie zum Abschluss der Pressekonferenz. Damit wollte sie alle Mutmaßungen abtun, hinter ihren Äußerungen könnten russische politische oder geschäftliche Interessen stehen. [ RIA Novosti ]