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11-12-2006 Alexander Litvinenko
Polonium wird in der Forschung und beim Militär verwendet
Polonium ist ein stark radioaktives Element. Für den Menschen ist Polonium schon in kleinen Dosen hoch giftig und löst irreparable Schäden an Nieren, Leber und Milz aus. Allerdings reicht bei äußerer Bestrahlung bereits ein Blatt Papier, die Kleidung oder sogar die Haut, um die gefährliche Alphastrahlung abzuhalten.

Anders sieht es dagegen aus, wenn das Polonium über Mund, Nase oder offene Wunden in den Körper gelangt. Eine Belastung kann am einfachsten über Urinausscheidungen nachgewiesen werden.

Polonium gehört zu den seltensten Elementen überhaupt: In zehn Gramm Uran ist maximal ein Milliardstel Gramm Polonium eingebunden. Wegen seiner Alphastrahlung wird Polonium häufig in der Forschung und Medizin, aber auch beim Militär verwendet. Unter anderem dient es als Heizmittel für die Triebwerke in Raumfähren. Außerhalb militärischer und wissenschaftlicher Kreise ist es nur selten zu finden. In der Natur - in Luft und Boden - kommt Polonium nur in sehr schwachen Dosen vor. Bekannt sind Isotope mit einer Massenzahl zwischen 192 und 218. Polonium 210, auch Radium F genannt, ist das einzige Isotop, das in der Natur vorkommt. Dieses Isotop wurde in der Leiche des in London ermordeten russischen Ex-Spions Alexander Litvinenko nachgewiesen - und Spuren davon fanden sich nun wohl auch in Hamburg.

bei russland.RU
Fall Litvinenko: Polonium als Schmugglerware?


Alexander Litvinenko Tod in London – Analysen, Meinungen, Hintergründe, Informationen bei russland.RU


1898 entdeckte die Wissenschaftlerin Marie Curie das neue Element und benannte es nach ihrem Heimatland Polen. Für ihre Studien zur Radioaktivität und die Entdeckung von Polonium und Radium erhielten Marie Curie und ihr Ehemann Pierre Curie gemeinsam mit dem französischen Forscher Antoine Becquerel 1903 den Nobelpreis für Physik. Wie so viele Radiologen ihrer Zeit starb Marie Curie 1934 an den Folgen ihrer Arbeit mit 67 Jahren an Krebs.

Polonium ist das erste Element, das durch seine Radioaktivität nachgewiesen wurde. Durch die Strahlung leuchtet im Dunkeln die umgebende Luft hellblau auf. Polonium hat eine Halbwertzeit von 138 Tagen; nach gut drei Monaten hat es also die Hälfte seiner Radioaktivität verloren.

Drei Unternehmen und eine Uni haben Polonium-Lizenzen in Russland

Nach Angaben der föderalen Behörde für Umwelt-, Technologie- und Atomaufsicht (Rostechnadsor) besitzen in Russland nur drei Unternehmen sowie die Chemiefakultät der Moskauer Lomonossow-Universität eine Lizenz für den Umgang mit der radioaktiven Substanz Polonium-210.

Drei Lizenzen besitzt das Nuklearzentrum für Experimentalphysik Sarow. Auch die Chemiefakultät der Moskauer Universität habe die Genehmigung, poloniumhaltige Substanzen bei Experimenten und Forschungen zu nutzen. Zwei weitere Polonium-Lizenzen gehören der staatlichen Nuklearfirma Techsnabexport und dem privaten Transportunternehmen OOO NTZ Nuklon. Wie auf der Webseite von OOO NTZ Nuklon heißt, liefert die Firma medizinische Erzeugnissen, darunter auch radioaktive und stabile Isotope. Außerdem befasst sie sich mit Transport radioaktiver Güter.

Zuvor erklärte Rostechnadsor-Chef Konstantin Pulikowski gegenüber RIA Novosti, dass alle Nuklearmaterialien, die der Aufsicht durch seine Behörde unterliegen, strengstens kontrolliert werden. Im Zusammenhang mit dem Polonium-Skandal habe Rostechnadsor zusätzlich alle Nuklearanlagen überprüft und dabei keine Verletzung der Vorschriften festgestellt, sagte Pulikowski.