russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.



11-12-2006 Alexander Litvinenko
Litvinenko: Deutschland hat Ermittlungsverfahren gegen Kowtun eingeleitet
Bei den deutschen Ermittlungen im Fall Litvinenko konzentrieren sich die Behörden in Hamburg auf dessen Kontaktmann Dimitri Kowtun. Gegen den früheren russischen Geheimdienstagenten wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, wie der leitende Oberstaatsanwalt Martin Köhnke am Sonntag mitteilte.

Der Vorwurf lautet auf unerlaubten Umgang und Missbrauch von radioaktiven Stoffen. Kowtun hatte den vergifteten russischen Ex-Spion Alexander Litvinenko am 1. November in London getroffen.
bei russland.RU
Fall Litvinenko: Polonium als Schmugglerware?


Alexander Litvinenko Tod in London – Analysen, Meinungen, Hintergründe, Informationen bei russland.RU


Die Behörden bestätigten unterdessen, dass es sich bei den radioaktiven Spuren in Hamburg "definitiv" um Polonium handelt; den Stoff, mit dem Litvinenko vergiftet wurde. Russischen Medien zufolge wurde auch Kowtun mit Polonium verstrahlt.

Es bestehe im Augenblick ein hinreichender Anfangsverdacht, dass Kowtun das Polonium womöglich außerhalb seines Körpers nach Hamburg gebracht habe, sagte Köhnke weiter. Insofern könne Kowtun nicht nur Opfer, sondern auch Täter sein. Dies beziehe sich aber ausdrücklich nur auf die Polonium-Spur in Hamburg, nicht auf die Ermordung Litvinenkos, betonte Köhnke. Der Polizeipräsident von Hamburg, Werner Jantosch, sagte: "Im Moment spricht nichts dafür, dass der Fall Litvinenko seine Wurzeln in Hamburg hat."

Der 41-jährige Kowtun, der sich derzeit in einem Moskauer Krankenhaus befindet, wurde russischen Medienberichten zufolge wie Litvinenko mit Polonium 210 vergiftet. Sein Gesundheitszustand soll ernst sein. Köhnke beklagte, dass von russischer Seite nichts über den Zustand von Kowtun zu erfahren sei. "Da wir das nicht haben, fehlt uns eine wichtige Informationsquelle", sagte er. Auch die Polizei bemängelte die Zusammenarbeit mit den russischen Behörden: "Wir haben auf unsere Anfragen keine Antworten bekommen", sagte Einsatzleiter Thomas Menzel.

Kowtun war am 28. Oktober mit einer Maschine der russischen Fluggesellschaft Aeroflot von Moskau nach Hamburg gekommen und von dort dann einige Tage später nach London weitergeflogen. Über eine mögliche Kontaminierung dieser Aeroflot-Maschine teilten die russischen Behörden bislang nichts mit. In dem Flieger der Fluggesellschaft Germanwings, mit der Kowtun am 1. November von Hamburg nach London geflogen war, konnten dagegen keine Polonium-Spuren nachgewiesen werden.

Kowtun hatte Litvinenko am 1. November in einer Londoner Hotelbar getroffen. Kurze Zeit später zeigte dieser erste Vergiftungssymptome. An dem Treffen nahm auch der Ex-Spion Andrej Lugowoi teil, der derzeit in Moskau ebenfalls unter medizinischer Beobachtung steht. Litvinenko starb am 23. November in London.

In Hamburg wurden Polonium-Spuren in der Wohnung der Ex-Frau Kowtuns im Hamburger Bezirk Altona gefunden. Hier hatte der Russe vor seiner Weiterreise nach London übernachtet. Für die Feinuntersuchung mussten die rund 30 Bewohner das Mehrfamilienhaus für mehrere Tage verlassen. Weitere Strahlenspuren, bei denen ebenfalls Polonium als Ursache vermutet wird, fand die Polizei im Haus von Kowtuns Ex-Schwiegermutter in Haselau im Kreis Pinneberg sowie in der Hamburger Ausländerbehörde, wo der Russe eine Unterschrift geleistet hatte. Beteiligt an den Untersuchungen in Hamburg waren Spezialisten der Bundespolizei, des Bundeskriminalamtes (BKA) und des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS).

Für die Hamburger Bevölkerung bestehe keine Gesundheitsgefahr, betonte Polizeipräsident Jantosch. Gerald Kirchner vom BfS wies darauf hin, dass die Alphastrahlung von Polonium bei äußerer Bestrahlung schon durch ein Blatt Papier, die Kleidung oder die Haut abgehalten werde. "Eine unmittelbare Gesundheitsgefahr kann jedoch bei höheren Aktivitäten bestehen, wenn das Polonium über Mund, Nase oder offene Wunden in den Körper gelangt ist," erklärte er. Alle Menschen, die womöglich mit dem Polonium in Berührung gekommen sein könnten, würden von den Behörden informiert und bei Bedarf getestet.