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12-12-2006 Alexander Litvinenko
Kontaktpersonen Kowtuns in Klinik - Scotland Yard in Hamburg
Nach dem Polonium-Fund in Norddeutschland werden seit Montag in Hamburg vier Kontaktpersonen des russischen Ex-Agenten Dimitri Kowtun auf eine mögliche Verstrahlung untersucht. Dabei handelt es sich um die frühere Frau Kowtuns, deren beide Kinder und ihren Lebensgefährten, teilte die Polizei mit. An einer Jacke des Lebensgefährten waren demnach Polonium-Spuren festgestellt worden; im Krankenhaus soll nun geklärt werden, ob sich Polonium auch in den Körpern der vier Betroffenen befindet.

Bei ihren Ermittlungen vor dem Hintergrund des Giftmords an dem russischen Ex-Spion Alexander Litvinenko erhielten die deutschen Behörden derweil Unterstützung von Scotland Yard.

Verstrahlung von Kowtun-Kontaktpersonen offenbar nur gering

Die vier Menschen aus dem Umfeld des russischen Geschäftsmanns Dimitri Kowtun, die in Hamburg zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht wurden, leiden offenbar nicht an einer Polonium-Vergiftung. "Sämtliche Untersuchungsergebnisse, die wir bis heute haben, sind ganz geringe Konzentrationen", sagte der Einsatzleiter des Bundesamts für Strahlenschutz, Gerald Kirchner, am Montag dem Bayerischen Rundfunk. Bei der früheren Frau Kowtuns, ihren beiden Kindern und ihrem Lebensgefährten waren zuvor Polonium-Spuren festgestellt worden. Kirchner bekräftigte, dass es sich bei den Untersuchungen um eine reine Vorsorgemaßnahme handele. Zudem könnten die Ergebnisse interessant sein, um herauszufinden, wo sich Kowtun aufgehalten habe.

bei russland.RU
Fall Litvinenko: Polonium als Schmugglerware?


Alexander Litvinenko Tod in London – Analysen, Meinungen, Hintergründe, Informationen bei russland.RU


Die Untersuchungen würden "mehrere Tage dauern". Für die Bevölkerung besteht den Behörden zufolge unverändert "keine Gesundheitsgefährdung". Der 41-jährige Kowtun soll auf noch ungeklärte Weise in den Mord an dem Kreml-Kritiker Litvinenko verwickelt gewesen sein. Kowtun, der sich derzeit in einem Moskauer Krankenhaus befinden soll, hatte sich nach Erkenntnissen der deutschen Behörden vom 28. Oktober bis zum 1. November im Raum Hamburg aufgehalten. Ihm werden Polonium-Spuren zugeschrieben, die am Wochenende unter anderem in der Wohnung seiner Ex-Frau in Hamburg-Ottensen, im Haus von Kowtuns Ex-Schwiegermutter in Haselau (Kreis Pinneberg) sowie in Hamburgs Ausländerbehörde gefunden wurden.

Scotland Yard in Hamburg

Unterdessen traf am Montag ein Ermittler von Scotland Yard in Hamburg ein, um die deutschen Behörden bei ihren Nachforschungen zu unterstützen. Die deutsche Polizei ermittelt gegen Kowtun wegen Verdachts des Missbrauchs ionisierender Strahlen und des unerlaubten Umgangs mit radioaktiven Stoffen.

Der 41-jährige Russe war am 1. November von Hamburg nach London geflogen, wo er Litvinenko in einer Hotelbar traf. Litvinenko starb am 23. November in der britischen Hauptstadt; in seinem Körper wurden große Mengen hochradioaktiven Poloniums 210 gefunden.

Vize-Regierungssprecher Thomas Steg sagte in Berlin, die deutschen Behörden gingen "mit großem Nachdruck" den bisherigen Erkenntnissen nach. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe deutlich gemacht, dass die Bundesregierung über keine eigenen Erkenntnisse in der Angelegenheit verfüge. Sie habe aber großes Vertrauen, dass die britischen Behörden aufklärten und dass die russischen Behörden kooperierten, wie sie dies auch angeboten hätten.

Merkel hatte zuvor angesichts der mysteriösen Vergiftung Litvinenkos und weiterer Todesfälle in Russland von einer "gewissen Beunruhigung" gesprochen. Sie verwies dabei auch auf den Mord an der russischen Journalistin Anna Politkowskaja. Im Fall Litvinenko forderte sie eine enge Zusammenarbeit zwischen den russischen und den britischen Behörden. "Ich hoffe, dass das Ganze aufgeklärt werden kann", sagte sie in der ARD-Sendung "Beckmann". Im Gegenzug betonte der russische Botschafter Wladimir Kotenew in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen": "Die Mitarbeit ist da und unsere Behörden kooperieren auch mit Scotland Yard."

London fordert Moskau erneut zu Kooperation in Litvinenko-Fall auf

Großbritannien forderte Russland allerdings am Montag erneut zur Zusammenarbeit im Fall Litvinenko auf. Premierminister Tony Blair habe bereits erklärt, dass die Untersuchungen weder durch politische noch durch diplomatische Erwägungen behindert werden dürften "und dass wir die Kooperation der russischen Behörden erwarten", sagte ein Sprecher am Montag in London. Die britische Regierung habe in der Vergangenheit "sehr deutlich" gesagt, dass sie über die Lage der Menschenrechte in Russland besorgt sei und dies sei noch immer so.

In der vergangenen Woche waren Berichte in Umlauf gekommen, der britische Botschafter in Moskau werde von Kreml-treuen Jugendlichen belästigt. Zudem werde das russischsprachige Programm des britischen Senders BBC aus unbekannten Gründen blockiert. Die "Sunday Times" hatte kürzlich berichtet, Blair habe hochrangigen Kabinettsmitgliedern gesagt, er befürchte, dass die Litvinenko-Affäre langfristig Auswirkungen auf die diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und Großbritannien haben könnte. Sein Sprecher wollte dies am Montag nicht bestätigen.

In einem Moskauer Krankenhaus wurde derweil Medienberichten zufolge der russische Ex-Spion Andrej Lugowoi von russischen und britischen Ermittlern befragt. Lugowoi gilt als eine Schlüsselfigur in der mysteriösen Affäre; er zählte neben Kowtun zu den drei Russen, mit denen sich Litvinenko in London getroffen hatte.