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13-12-2006 Alexander Litvinenko
Glosse: Agent Y - alles Igor!?
Einer muss es gewesen sein, der den vermutlich Ermordeten in den Hochsicherheitssarg beförderte. Einer hat den mysteriösen Mord bezahlt, einer hat ihn organisiert und einer praktisch ausgeführt. Igor war’s! „The assassin“ jubelte die englische Presse Tage nach dem öffentlichen Benutzungs-Tod des Alexander Litwinenko’. Igor, der Einzeltäter.

Gleichwohl vermutet die Zeitung „The News of the World“ Hintermänner am Werke, die wiederum von einem "Auftragsmörder im Zentrum“ dirigiert wurden. Von „Agent Y“, einem Mitglied der russischen Spezialeinheit „Spetnaz“, ist die Rede. Der Name des „perfekten Koordinator jeder Art von Spezialoperationen" sei bekannt – aus einer e-mail des ehrwürdigen Professors Scaramella. Den vollen Namen des Einzeltäters könne man aus juristischen Gründen derzeit nicht veröffenlichen.

bei russland.RU
Fall Litvinenko: Polonium als Schmugglerware?


Alexander Litvinenko Tod in London – Analysen, Meinungen, Hintergründe, Informationen bei russland.RU


Igor Igorowitsch müsste der Killer heiβen, schreibt Larissa Alexandrowna in ihrem Blog atlargely.com. Und dass der 46jährige gut portugiesisch sprechen können soll.

Wer steckt hinter den „finsteren Kräften im Kreml“, die Ex-Schach-Weltmeister Garry Kasparow und Focus-Experte Boris Reitschuster jüngst ausmachten. Wer sitzt im Zentrum des „gigantischen Spinnennetzes“, im Volksmund auch Kreml AG genannt?

Hineinspaziert - in die Höhle des Löwen. Identifizieren wir den Einzeltäter unter den Hintermännern? Schwer fällt das nicht –es ist auch ein Igor. Aber nicht der Igor Igorowitsch - sondern der Igor Iwanowitsch. Auch er spricht gut portugiesisch und zählt 46 Jahre. Er war für die Firma "Technoexport" als Militärübersetzer in Moçambique und Angola tätig. Als Igor Iwanowitsch den Wladimir Putin auf einem Flug nach Rio de Janeiro kennen lernte, war Setschin, geboren am 7. September 1960, dreiβig Jahre jung.

„Rolling Stone.com“ verdanken wir eine Setschin-Theorie. Auch die deutsche Presse berichtet seit Jahren über „Putins Schatten“. Vor drei Jahren erinnerte sich in der „F.A.Z.“ ein Diplomat an Petersburger Zeiten: "Putin und Setschin arbeiteten so eng zusammen, zwischen die passte kein Blatt." Igor sei Chef der Hardliner, stecke hinter der Yukos-Enteignung und wolle seinen Chef auch nach 2008 im Amt behalten. "Sagen wir Setschin, meinen wir Putin", heißt es über ihn.

Ein Jahr später, genau am Heiligen Abend des Jahres 2004, fragte der „Tagesspiegel“, wer Igor Setschin sei - der Mann, der mit einer „atemberaubenden Karriere“ den steilen Aufstieg vom Sprachlehrer zum Konzernchef schaffte? Igor, einst Vizestabschef von Putin, steht dem Aufsichtsrat des staatlichen Ölkonzerns „Rosneft“ vor und vertritt den Chef der Kreml-Verwaltung.

Setschin hat "Zugang zum Körper". Er organisiert Audienzen bei Putin und legt dem Staatschef Papiere zur Unterschrift auf den Schreibtisch. „Ich kümmere mich um den Woschd“, sagte er in einem Telefonat, das abgehört wurde. Mit „Woschd“ – Führer – ließ sich seinerzeit Stalin ansprechen, berichete der Tagesspiegel im Juli dieses Jahres.

Nach der Ermordung von Anna Politkowskaja nahmen die Putin-Kritikerinnen Kerstin Holm in der „F.A.Z.“ und Elena Tregubowa im Gespräch mit „Spiegel.online“ Setschin ins Visier. Beide erwähnten, dass Anna dem vom Exiloligarchen Gussinski betriebenen Oppositionsfernsehen RTVI berichtet habe, Setschin äußere sich im privaten Kreis schlecht über Putin – „sehr abfällig und grob beleidigend, mit Worten, die man nicht öffentlich wiedergeben will.“

Das Igor-Mysterium findet seine Klärung in der “Los Angeles Times” vom 5. Dezember. Dort wird Stanislaw Belkowski, Präsident der Moskauer Denkfabrik “Nationales Strategie Institut“ mit der Frage zitiert, ob ein Igor Igorowitsch überhaupt existiere. Falls es den als reale Person gibt, und er irgendetwas mit dem Polonium-Fall zu tun hat, kann es sein, dass beide Igors aus dem selben Dunstkreis und der gleicher Altersgruppe entstammen. Igor Iwanowitsch und Igor Igorowitsch haben vielleicht zusammen in Afrika gedient und unterhalten noch heute geschäftliche Verbindungen, mutmaβt Belkowski.

Es kann auch sein, dass jemand daran interessiert ist, Igor Iwanowitsch in die Causa Liwinenko hinein zu ziehen. Der link zu ihm könnte mit internen Machtkämpfen im Kreml verbunden sein, die mit der Putin Nachfolge 2008 zu tun haben.

Wer nun? Igor Iwanowitsch oder Igor Igorowitsch ? Ist eigentlich egal – irgendein Igor wird es schon gewesen sein. [  Alexander Kazakow aus Portugal für russland.RU – die Internet - Zeitung ]