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13-12-2006 Alexander Litvinenko
Fall Litvinenko: Deutsche Behörden prüfen Nuklearschmuggel-Verdacht
In der Giftmordaffäre um den russischen Ex-Spion Alexander Litvinenko prüfen deutsche Sicherheitsbehörden auch mögliche Hinweise auf illegalen Nuklearschmuggel über das Gebiet der Bundesrepublik. "Neben allen anderen Thesen zum Hintergrund dieses Verbrechens nehmen wir auch die Möglichkeit ernst, dass Litvinenkos Tod im Zusammenhang mit Nuklearschmuggel stehen könnte", sagte ein Sicherheitsbeamter der "Berliner Zeitung" (Mittwochausgabe).

Zwar gebe es dafür bislang "keine wirklich belastbaren Indizien"; gleichwohl schließe man in Geheimdienstkreisen die Möglichkeit nicht aus, dass das Polonium über Deutschland nach London geschmuggelt wurde, um dort einen Verkauf anzubahnen.

"Wir wissen, dass es seit einigen Jahren in terroristischen Kreisen einen Bedarf an Nuklearmaterial gibt", zitiert das Blatt den Sicherheitsbeamten weiter. Da es also einen Nachfragemarkt gebe, sei es "nicht völlig abwegig", dass Litvinenkos Kontaktleute in Schmuggelgeschäfte verstrickt gewesen sein könnten. "Wir beobachten die Szene deshalb jetzt ganz intensiv", sagte der Beamte. Allerdings habe es bisher noch keinen einzigen Fall gegeben, in dem Polonium 210 auf dem Schwarzmarkt angeboten worden sei, weil das Material viel zu teuer sei.

bei russland.RU
Fall Litvinenko: Polonium als Schmugglerware?


Alexander Litvinenko Tod in London – Analysen, Meinungen, Hintergründe, Informationen bei russland.RU


In der Taz vom 12.12.2006 sagte Alexander Rahr, Programmdirektor im Körber-Zentrum für Russland und GUS der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik im Zusammenhang mit den Poloniumfunden in Hamburg:"Was wir hier erleben, ist möglicherweise gar kein Geheimdienstfall, sondern ein Fall von Schmuggel".

Männer wie Kowtun säßen zuhauf in den Verkehrsflugzeugen, die zwischen den europäischen Metropolen pendelten, sagt Rahr. Ihre Frauen und Kinder lebten im Westen, weil es für sie in Russland zu gefährlich sei. Die Geschäfte, die sie machten, seien teilweise zwiespältig.

Interpol schaltet sich in Ermittlungen zum Mordfall Litvinenko ein

In die Ermittlungen im Fall des vergifteten russischen Ex-Spions Alexander Litvinenko hat sich auch Interpol eingeschaltet. Da in mehreren Ländern ermittelt werde, wolle die internationale Polizeiorganisation sicherstellen, dass alle Informationen ausgetauscht würden, teilte der Chef von Interpol in Russland, Timur Lachonin, am Dienstag in Moskau mit. Der internationalen Polizeiorganisation gehören 186 Länder an.

Litvinenko-Kontaktmann Kowtun angeblich auf dem Weg der Besserung

Der russische Geschäftsmann Dimitri Kowtun, ein Schlüsselzeuge im Mordfall Litvinenko, befindet sich nach einer Behandlung wegen radioaktiver Verstrahlung nach eigenen Angaben auf dem Weg der Besserung. Er rechne in den nächsten zehn Tagen mit der Entlassung aus dem Krankenhaus, sagte Kowtun am Mittwoch dem russischen Fernsehsender Kanal Eins.

Nach Angaben seiner Ärzte habe sich seine Gesundheit stabilisiert. Kowtun wird seit einigen Tagen in einem Moskauer Krankenhaus behandelt. Der Sendung "Spiegel TV" sagte er am Dienstag, er gehe davon aus, dass er bei seinem Treffen mit dem Ex-KGB-Agenten Alexander Litvinenko in London mit Polonium 210 verseucht wurde.

Kowtun soll auf noch ungeklärte Weise in die Affäre Litvinenko verwickelt gewesen sein. Der 41-Jährige war am 1. November im Londoner Hotel Millenium mit Litvinenko zusammengetroffen, kurz danach hatte dieser die ersten Vergiftungserscheinungen gespürt. Kowtun hatte vor seinem Weiterflug von Moskau nach London vom 28. Oktober bis 1. November in Hamburg einen Zwischenstopp eingelegt. Dabei hatte er in der Wohnung seiner Ex-Frau übernachtet, wo die Ermittler Spuren von Polonium fanden.

Litvinenko war drei Wochen nach einem Treffen mit russischen Kontakleuten an den Folgen einer Vergiftung mit radioaktivem Polonium 210 in London gestorben. Er hatte Russlands Präsidenten Wladimir Putin auf dem Sterbebett für den Anschlag auf ihn verantwortlich gemacht. Die russische Regierung bestreitet jede Verwicklung in den Fall.