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14-12-2006 Alexander Litvinenko
Russland will deutscher Justiz bei Poloniumschmuggel-Verdacht helfen
Im Fall des vergifteten Ex-Spions Alexander Litvinenko will die russische Justiz die Ermittlungen in Deutschland über einen möglichen illegalen Atomschmuggel unterstützen. Sollte eine offizielle Anfrage eingehen, werde der Generalstaatsanwalt den deutschen Behörden jede notwendige Hilfe leisten, sagte ein Sprecher am Mittwoch in Moskau.

Der russische Geschäftsmann Dimitri Kowtun, ein Schlüsselzeuge im Fall Litvinenko, befindet sich derweil nach einer Behandlung wegen radioaktiver Verstrahlung offenbar auf dem Weg der Besserung. Nach dem Polonium-Fund in Hamburg gaben die Behörden endgültig Entwarnung für die Ex-Frau Kowtuns und ihren Lebensgefährten.

Der russische Justizsprecher betonte, die mögliche Hilfe für die deutschen Ermittler werde sich im Rahmen des russischen Rechts und der internationalen Vereinbarungen bewegen. Eine entsprechende Anfrage aus Deutschland liege aber bisher noch nicht vor.

bei russland.RU
Fall Litvinenko: Polonium als Schmugglerware?


Alexander Litvinenko Tod in London – Analysen, Meinungen, Hintergründe, Informationen bei russland.RU


"Sobald eine offizielle Anfrage aus Deutschland vorliegt, wird die Generalstaatsanwaltschaft sie entsprechend dem Völker- und dem russischen Recht prüfen und falls notwendig den deutschen Kollegen helfen", sagte ein offizieller Staatsanwaltschaftssprecher aus Russland am Mittwoch.

Die deutschen Sicherheitsbehörden hatten zuvor einem Zeitungsbericht zufolge bestätigt, dass sie auch mögliche Hinweise auf illegalen Atomschmuggel über das Gebiet der Bundesrepublik prüfen. "Neben allen anderen Thesen zum Hintergrund dieses Verbrechens nehmen wir auch die Möglichkeit ernst, dass Litvinenkos Tod im Zusammenhang mit Nuklearschmuggel stehen könnte", zitierte die "Berliner Zeitung" (Mittwochausgabe) einen Sicherheitsbeamten.

Das Bundeskriminalamt (BKA) und die im Fall Kowtun in Deutschland zuständige Polizei in Hamburg wollten sich zu dem Bericht nicht konkret äußern. Eine Sprecherin der Hamburger Polizei verwies lediglich darauf, dass gegen Kowtun wegen des Verdachts des Missbrauchs ionisierender Strahlen und des unerlaubten Umgangs mit radioaktiven Stoffen ermittelt werde. Kowtun soll auf noch ungeklärte Weise in den Tod an Litvinenko verwickelt gewesen sein. Der 41-Jährige war am 1. November im Londoner Hotel Millenium mit Litvinenko zusammengetroffen, kurz danach hatte dieser die ersten Vergiftungserscheinungen gespürt.

Kowtun hatte vor seinem Weiterflug von Moskau nach London vom 28. Oktober bis 1. November in Hamburg einen Zwischenstopp eingelegt. Dabei hatte er in der Wohnung seiner Ex-Frau übernachtet, wo die Ermittler Spuren von Polonium fanden. Die anschließenden Untersuchungen bei Kowtuns früherer Frau und ihrem Lebensgefährten in Hamburg ergaben laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) keine Hinweise, dass das hochradioaktive Polonium in die Körper der beiden gelangt ist. Der BfS-Einsatzleiter Gerald Kirchner hatte bereits am Dienstag eine Gefahr für das Paar und die beiden Kinder von Kowtuns Ex-Frau ausgeschlossen.

Kowtun sagte dem russischen Fernsehsender Kanal Eins, er rechne in den nächsten zehn Tagen mit der Entlassung aus dem Krankenhaus. Nach Angaben seiner Ärzte habe sich seine Gesundheit stabilisiert. Er wird seit einigen Tagen in einem Moskauer Krankenhaus behandelt. In der Giftmordaffäre wurden derweil auch drei Schweden auf eine mögliche Vergiftung durch das radioaktive Polonium 210 untersucht. Sie hätten das Hotel Millennium, in dem sich Litvinenko aufgehalten hatte, besucht, teilte die schwedische Gesundheitsbehörde mit. Auch bei zwei aus Litauen stammenden Beschäftigten des Hotels werden nach litauischen Medienberichten erhöhte Strahlenwerte befürchtet.