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15-12-2006 Alexander Litvinenko
Der Mord an Litvinenko und der Polonium-Schmuggel
Der Kreml hat einen ehemaligen FSB-Mitarbeiter ermordet. So oder so ähnlich schallte es Wochen lang durch den deutschen Blätterwald, die Onlinemedien, Radio und TV. Doch weder war ein Mord bewiesen, so dass man höchstens von einem ungewöhnlichen Todesfall reden konnte, noch war bewiesen, dass der Kreml hinter allem stecken würde.

Aber nach dem Prinzip, wenn man mit genug Dreck wirft, bleibt schon irgendwas hängen, haben die deutschen Medien wie in stiller Eintracht auf Russland, den Kreml und Putin eingedroschen, Seit an Seit mit dem Edelemigranten Boris Beresowski und seinem Umfeld in London.

Am 3./4. Dezember versuchte russland.RU, im Gegensatz zu vielen deutschen Medien, eine neue Theorie ins Gespräch zu bringen. Eine, die mit dem Kreml nichts zu tun hat.

Fall Litvinenko: Polonium als Schmugglerware? und
Iranische Schmuggel-Theorie - Litvinenko will islamisch beerdigt werden

Bereits am 4. Dezember erschien eine fast untergegangene Agenturmeldung: Scotland Yard verdächtigt Litvinenko des Schmuggels von radioaktivem Material für Al Qaida , die in die Richtung unserer Theorie zielte.

Deutsche Medien aber spielten immer weiter genüsslich „Kalter Krieg“ und zogen über die bösen Russen her, die ihre Ex-Agenten publikumswirksam mit Millionen teurem, radioaktivem Material aus dem Weg räumen. Logik und Fakten machen da nur die „Story“ kaputt. Mit Scheuklappen vor den Augen strebte man dem Ziel entgegen, die Völkerverständigung zwischen Deutschland und Russland zu vergiften.

Im Stern-Online war zu lesen:
Kreml-Schlammschlacht mit fatalen Folgen
Russlands Präsident Wladimir Putin steht unter Verdacht, am Mord des Ex-Spions Alexander Litwinenko beteiligt gewesen zu sein

Das ZDF-Nachrichtenjournal heute titelte
Mord im staatlichen Auftrag?

Und die FTD legte gleich eine Serie zu dem Thema auf.
Mordserie erschüttert Russland

Seit einigen Tagen scheint sich der Wind nun zu drehen.
Im Tagesspiegel vom 11.12. schrieb Jens Mühling in seiner Zusammenstellung der Theorien, der Schmuggeltheorie als einzige kein „was spricht dagegen“ zu.

Am 11.12. warnten britische Behörden vor Terrorgefahr. Nach dem Gifttod des ehemaligen FSB-Offiziers Alexander Litwinenko in London wollen britische Behörden Vorkehrungen zur Verhütung von Terroranschlägen mit einer "schmutzigen Bombe" verschärfen.
Eine von deutschen Medien weitestgehend vernachlässigte Meldung, die unsere Schmuggelthese weiter unterstützt. Was nicht in die Theorie „Mord durch den Kreml“ passt, wird auch nicht verfolgt.

In der TAZ vom 12.12. erklärte Alexander Rahr, Programmdirektor im Körber-Zentrum für Russland und GUS der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik "Was wir hier erleben, ist möglicherweise gar kein Geheimdienstfall, sondern ein Fall von Schmuggel".

Nachdem der Fall Litvinenko Hamburg erreicht hatte, spielten nun auch deutsche Beamte in dem Reigen der Ermittler mit. Aber auch den Herren und Damen vom Bundeskriminalamt, denen man wohl kaum unterstellen kann, dass sie unter dem Druck des Kremls stehen, räumten ein: "Neben allen anderen Thesen zum Hintergrund dieses Verbrechens nehmen wir auch die Möglichkeit ernst, dass Litvinenkos Tod im Zusammenhang mit Nuklearschmuggel stehen könnte" ("Berliner Zeitung" - Mittwochausgabe).

In Österreich schwenken bereits mehrere Zeitungen auf die Schmuggeltheorie ein. „Der Standart“ titelte am 12.12.
Gerrüchte um Iran-Connection

Es folgten etliche weitere Österreichische Zeitungen wie der „Kurier“ , „Profil“ oder „Tirol Online“

Deutsche Medien hielten sich auf einmal auffällig zurück oder verfolgten weiter die genauso unbewiesene Kremlspur. Im Handelsblatt vom Freitag dem 15.12. schrieb Fred Kempe im schönsten Kalter-Krieger-Stil „Ein Brief an Putin“

Zitat:
Der Punkt ist: Ob Sie nun die Ermordung von Litwinenko angeordnet haben oder nicht, Sie sind verantwortlich. Entweder unmittelbar, weil Untergebene über Ihre Wünsche hinausschossen, oder mittelbar, weil Sie Intoleranz, Verdächtigungen und Paranoia, diese alte russische Dreifaltigkeit, über das Land verbreitet haben.


Die Überraschung kam dann heute morgen im ARD- Morgenmagazin. Werner Sonne, der Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio Berlin, lieferte am frühen Freitagmorgen folgende Einschätzung:

Die Arbeitsthese, die am meisten herumgereicht wird in deutschen Sicherheitskreisen, heißt:

Da wollten drei Männer, die sich in der Schattenwelt der Geheimdienste auskennen und die wussten, wie man an solches Material kommt (Polonium die Red.), ein Geschäft machen. Ein Geschäft allerdings, wo die Frage nicht beantwortet werden kann, für wen eigentlich. Aber, so die These, sie wollten eben ein Geschäft machen, waren aber im Umgang mit diesem Material ungeübt und deshalb kam es zu dieser Verstrahlung, bei der ein Mann umgekommen ist. Wie gesagt, dass ist eine Arbeitsthese, die nicht bewiesen ist, es ist aber die, die einem hier in Berlin immer wieder angereicht wird.

…… Vor allem aber wird hier in Berlin auf ein anderes Phänomen hingewiesen: Es gibt vor allem auch keine Beweise für das Gegenteil, nämlich für die Mordtheorien. Viele wussten ja angeblich von Anfang an: Es ist ganz klar, hier gab es einen Mord im Auftrag des Kreml und dieser These wird hier ganz ausdrücklich widersprochen. Dafür gibt es eben auch keine Beweise. Jedenfalls bislang nicht, und alle, die schon immer wussten, … so muss es gewesen sein, müssten, glaube ich, im Moment noch ein ganz großes Fragezeichen machen.


Nachdem nun über Wochen eine schon fast unglaubliche Medienkampagne gegen Russland durch deutsche Medien lief, werden jetzige Einschränkungen oder sogar Rückzieher gemacht. Der Fall Litvinienko verschwindet langsam aus den Medien, aber der Schmutz, mit dem geworfen wurde, wird noch lange am Kreml hängen bleiben, auch dann, wenn sich offiziell herausstellen sollte, dass die Moskauer Führung ihre Finger nicht mit im Spiel hatte.
Die Vorurteile gegen Russland, die nicht nur die deutsche Boulevardpresse sondern auch die so angeblich seriöse Presse in diesen Wochen bedient hat, werden noch lange auf der Verständigung zwischen Deutschen und Russen lasten. [ Gunnar Jütte - Herausgeber / russland.RU – die Internet - Zeitung ]