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20-11-2006 Alexander Litvinenko
Zusammenhang zwischen Politkowskaja-Mord und Vergiftung von Ex-FSB-Agent?
Die britische Polizei und die Spionageabwehr MI5 ermittelt die Umstände der Vergiftung des ehemaligen FSB-Offiziers und politischen Emigranten Alexander Litwinenko in London.

In seinem Blut fanden die Ärzte Spuren von Thallium, einem hochtoxischen Schwermetall. Wie die Tageszeitung "Kommersant" am Montag berichtet, werden seine Überlebenschancen auf 50 Prozent geschätzt.





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Wie die Pressestelle der Londoner Polizei am Sonntag gegenüber der Zeitung bestätigte, untersucht Scotland Yard die Umstände des Anschlags auf Litwinenko. Aufgrund der Geheimhaltung von Ermittlungsergebnissen wurde allerdings jeder Kommentar dazu verweigert. Mitgeteilt wurde lediglich, dass Litwinenko ständig unter Beobachtung steht.

In letzter Zeit stellte Litwinenko eigene Nachforschungen zu dem im Oktober in Moskau begangenen Mord an der Journalistin Anna Politkowskaja. Litwinenko hatte Kontakte mit ihr unterhalten. Sie trafen in London mehrmals zusammen.

Die Zeitung befragte einige russische Politiker, ob sie daran glauben, dass hinter dem Anschlag auf den Ex-Agenten die russische Sicherheitsbehörde FSB stehen könnte.

Oleg Kalugin, ehemaliger KGB-Generalmajor: "Natürlich glaube ich das. Litwinenko hat Wladimir Putin scharf kritisiert. Nachdem der Föderationsrat dem Präsidenten gestattet hat, Sondereinheiten unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung im Ausland einzusetzen, haben die Geheimdienste diese Methode ungeniert angewandt."

Viktor Iljuchin, Vizechef des Staatsduma-Sicherheitsausschusses: "Ich schließe das nicht aus. Der ehemalige Geheimdienstagent ist den russischen Behörden schon seit längerer Zeit auf die Nerven gegangen, außerdem war er bestimmt über gewisse Staatsgeheimnisse informiert. Der letzte Tropfen waren wahrscheinlich Litwinenkos Drohungen, alles über den Mord an Anna Politkowskaja auszupacken."

Staatsduma-Abgeordneter Ruslan Jamadajew, bis 1999 Brigadegeneral der tschetschenischen Separatisten: "Ich glaube das nicht. Wer brauchte schon diesen Litwinenko? Was kann er in London über den Fall Politkowskaja wissen?"

Wagif Gussejnow, Direktor des Instituts für Strategische Schätzungen und Analysen sowie von 1988 bis 1991 Chef des KGB Aserbaidschans: "Litwinenkos Format ist einer derartigen Aufmerksamkeit nicht wert. Er war schon immer durch seine Erklärungen bekannt, man wolle ihn vernichten, in Wirklichkeit aber wurde er von Boris Beresowski finanziert und musste seine Existenz irgendwie rechtfertigen. Die russischen Geheimdienste haben längst auf diese Methoden verzichtet und würden sich eher nicht auf diese Weise beschmutzen wollen."

Bürgerrechtler Sergej Kowaljow: "Ich kann das zulassen. Litwinenko hat sich kritisch über die Sicherheitsbehörde FSB geäußert, insofern denke ich nicht, dass seine Krankheit von einem fatalen Zufall verursacht war." [ RIA Novosti ]