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19-12-2006 Alexander Litvinenko
Russland und Deutschland ermitteln im Fall Kowtun – Polonium wahrscheinlich in drei Lieferungen geschmuggelt
Eine Entscheidung über die Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland im Fall Kowtun sei noch nicht getroffen, sagte der deutsche Botschafter in Moskau, Walter Jürgen Schmid. Wenn die Rechtsgremien der beiden Länder es für nötig halten, soll die entsprechende Entscheidung im Rahmen des geltenden russisch-deutschen Abkommens über Rechtshilfe getroffen werden.

So lautete die Antwort des Botschafters auf die Frage, ob die deutschen Ermittler nicht nach Moskau kommen wollen. Er wies darauf hin, dass in Deutschland Ermittlungen im Gange seien.
bei russland.RU
Fall Litvinenko: Polonium als Schmugglerware?


Alexander Litvinenko Tod in London – Analysen, Meinungen, Hintergründe, Informationen bei russland.RU


Die Polizei der Stadt Hamburg verdächtigt den russischen Geschäftsmann Kowtun wegen illegalem Umgang mit radioaktiven Materialien, weil in der Wohnung seiner Ex-Frau und an mehreren anderen Orten, die er nach seinem Flug aus Moskau am 28. Oktober besuchte, Spuren von Polonium-210 entdeckt wurden. Er selbst beteuert, nichts mit dem Giftmord zu tun zu haben.

Britische und russische Ermittler verhören erneut Kowtun

Britische und russische Ermittler haben am Montag erneut den Geschäftsmann Dimitri Kowtun verhört. Kowtun sei in Moskau vernommen worden, berichteten die russischen Nachrichtenagenturen Itar-Tass und Interfax. Itar-Tass meldete unter Berufung auf eine "informierte Quelle", Kowtun habe den britischen und russischen Ermittlern in dem mehrstündigen Verhör "ausführlich geantwortet". Der Geschäftsmann sei "ausschließlich als Zeuge" vernommen worden. Kowtun selbst wollte gegenüber Itar-Tass "keinen Kommentar" abgeben.

Der ehemalige Offizier der Sowjetarmee war bereits am 5. und 6. Dezember in Moskau vernommen worden. Kowtun sowie sein Freund und Geschäftspartner Andrej Lugowoi hatten den mit der radioaktiven Substanz Polonium 210 vergifteten Ex-KGB-Agenten Alexander Litwinenko am 1. November im Londoner Millenium-Hotel getroffen. Kurz darauf zeigte Litwinenko erste Vergiftungssymptome; am 23. November starb er.

Gegenwärtig wird Kowtun in einer Moskauer Klinik behandelt.

Ermittler in Moskau stoßen im Fall Litwinenko auf eine Mauer

Die britischen Ermittler, die zu Untersuchungen nach Moskau gefahren sind, haben nicht auf alle Fragen im Fall des ehemaligen Offiziers des FSB, Alexander Litwinenko, Antworten bekommen, hat die britische Zeitung Times am Montag in ihrer Online-Ausgabe berichtet.

Wie das Blatt aus britischen Geheimdienstkreisen erfahren haben will, haben sich die russischen Offiziellen bei den Verhören in Moskau geweigert, den beiden Zeugen, den Unternehmern Dmitri Kowtun und Andrej Lugowoi, die Fragen zu stellen, auf die die Untersuchungsbeamten Antworten erwartet haben.

Wie der Gewährsmann verlauten ließ, sei jedoch darauf verzichtet worden, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, um eine Verschlechterung der diplomatischen Beziehungen zwischen Moskau und London zu vermeiden.

Der russische Generalstaatsanwalt Juri Tschaika hatte schon im Vorfeld darauf hingewiesen, dass bei den Verhören auf dem Territorium Russlands die Ermittler seiner Behörde die Fragen stellen werden. "Wir werden das Verhör führen, und sie (die Vertreter von Scotland Yard) können den Befragungen beiwohnen. Gemäß internationalen Normen führen wir die Ermittlungen auf dem Territorium Russlands", hatte Tschaika wissen lassen.

Der britische Botschafter, Antony Brenton, hatte der russischen Generalstaatsanwaltschaft am 11. Dezember seinen Dank für die Rechtshilfe bei der Untersuchung des Todesfalles bekundet. Tschaika seinerseits hatte das Interesse Russlands an einer objektiven und umfassenden Untersuchung hervorgehoben.

Die Times hatte davon berichtet, dass der Wert des Poloniums, mit dem Litwinenko vergiftet worden ist, über 10 Millionen US-Dollar beträgt. Die Spuren in der Leiche haben die tödliche Dosis um das Zehnfache übertroffen. "Sie können eine solche Menge nicht im Internet kaufen oder in einem Labor entwenden, ohne dass Alarm geschlagen wird. Darum gibt es nur zwei Versionen seiner Herkunft: Entweder das Polonium stammt aus einem Atomreaktor oder von Schmugglern vom Schwarzmarkt", so hatte eine Geheimdienstquelle der Zeitung gesteckt.

Die Times hatte ihre Schlussfolgerungen und die Angaben ihres Gewährsmanns durch Stellungnahmen der amerikanischen Firma United Nuclear Scientific Supplies aus dem US-Staat New Mexiko untermauert, in denen davon die Rede war, dass bei der Enge des Marktes die Bezugsperson unweigerlich bekannt werde.

Das britische Blatt vermutet, dass die erste illegale Polonium-Lieferung in der zweiten Oktober-Hälfte nach Großbritannien gelangt ist. Die restliche Menge sei demzufolge später in zwei Partien geliefert worden. Wie die Zeitung weiter vermerkt, steht die britische Polizei vor einem Rätsel, warum die Schmuggler sich eines zusätzlichen Risikos ausgesetzt haben, als sie weitere radioaktive Stoffe ins Land gebracht haben. Die erste Lieferung habe vollauf für den Mord ausgereicht. [ RIA Novosti  /afp / russland.RU ]