russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.



28-12-2006 Alexander Litvinenko
Russische Justiz bringt Newslin in Verbindung mit Litvinenko-Tod
Die russische Justiz hat im Fall des mit Polonium vergifteten Ex-Spions Alexander Litvinenko den Namen des kreml-kritischen und nach Israel geflohenen Geschäftsmannes Leonid Newslin ins Spiel gebracht. Es gebe Verbindungen zwischen den Ermittlungen im Fall Litvinenko, dem Mordversuch an dem Geschäftsmann Dimitri Kowtun und Untersuchungen, die gegen eine Liste von führenden Mitarbeitern des Ölkonzerns Jukos geführt würden, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch in Moskau.

Die Staatsanwaltschaft habe entsprechende Informationen erhalten.

Die Staatsanwalt gehe dabei einer "Version" nach, derzufolge hinter den Taten die Personen stehen könnten, die bereits gesucht würden, darunter der frühere Jukos-Vizepräsident Newslin. Was Newslin vorgeworfen wird, wurde in der Mitteilung nicht ausgeführt.

bei russland.RU
Fall Litvinenko: Polonium als Schmugglerware?


Alexander Litvinenko Tod in London – Analysen, Meinungen, Hintergründe, Informationen bei russland.RU


Der ehemalige FSB-Agent Litvinenko hatte sich am 1. November in einer Londoner Hotelbar mit drei Russen getroffen, darunter mit den Ex-Spionen Andrej Lugowoi und Dimitri Kowtun. Anschließend zeigte Litvinenko erste Symptome einer Vergiftung mit dem radioaktiven Element Polonium 210. Er starb am 23. November in London. Auch Kowtun und Lugowoi sollen Medienberichten zufolge mit Polonium verstrahlt worden sein.

Medizinische Testergebnisse des Zeugen Kowtun nach Jahreswechsel bekannt

Die medizinischen Untersuchungsergebnisse des Unternehmers Dimitri Kowtun, der als Zeuge im Fall Litvinenko auftritt, werden höchstwahrscheinlich nach dem Jahreswechsel bekannt, sagte Kowtun persönlich gegenüber RIA Novosti. Wie er sagte, ist sein Zustand stabil.

Kowtun und sein Geschäftspartner Andrej Lugowoi werden in einem Moskauer Krankenhaus wegen möglicher Verseuchung mit der radioaktiven Substanz Polonium untersucht.

Kowtun wurde von der russischen Generalstaatsanwaltschaft und von Scotland Yard als Zeuge im Mordfall Alexander Litvinenko vernommen. Nach dem Verhör leitete die russische Justizbehörde Ermittlungen wegen eines Attentatsversuchs auf Kowtun ein. Ihr zufolge wurde bei ihm eine Krankheit nachgewiesen, die auf eine Vergiftung mit radioaktiven Substanzen schließen lässt.

Die Staatsanwaltschaft der Stadt Hamburg wiederum ermittelt gegen Kowtun wegen illegalen Umgangs mit radioaktiven Stoffen, weil in der Wohnung seiner Ex-Frau, wo Kowtun einen Tag vor seinem Treffen mit Litvinenko am 01. November übernachtet hatte, Spuren von Polonium-210 entdeckt wurden.

Russische Justiz vermutet Verwicklung von Ex-Jukos-Mitbesitzer Newslin in Litvinenkos Tod

Der frühere Aktionär des russischen Ölkonzerns Jukos Leonid Newslin kann nach Ansicht der russischen Justiz den mutmaßlichen Mord an dem früheren FSB-Mitarbeiter Alexander Litvinenko in Auftrag gegeben haben. "Die bislang gewonnenen Informationen deuten auf eine Verbindung zwischen dem Gifttod am früheren FSB-Mitarbeiter Alexander Litvinenko auf dem Territorium Großbritanniens, dem versuchten Anschlag auf den Unternehmer Dmitri Kowtun und dem Strafverfahren gegen einige ranghohe Mitarbeiter von Jukos hin, denen Mord an Bürgern zur Last gelegt wird", heißt es in einer am Mittwoch in Moskau verbreiteten Mitteilung der Generalstaatsanwaltschaft.

"Gegenwärtig wird eine Version geprüft, nach der all diese Verbrechen von ein und denselben Personen begangen sein könnten, die wegen schwerer und besonders schwerer Verbrechen zur internationalen Fahndung ausgeschrieben sind. Unter ihnen ist auch der Kovorsitzende des Jukos-(Aufsichtsrates), Leonid Newslin", hieß es weiter.

Die Generalstaatsanwaltschaft beschloss die Bildung einer Gruppe, die die oben genannten Fälle untersuchen wird. In nächster Zeit sollen Dokumente vorbereitet und die zuständigen Behörden um Rechtshilfe in diesen Straffällen ersucht werden. Zudem will die russische Justiz die Auslieferung mehrerer im Ausland lebender Personen fordern, denen schwere und besonders schwere Verbrechen zur Last gelegt werden.

Newslins Anwalt spricht von Provokation der russischen Generalstaatsanwaltschaft

Der Anwalt des früheren Miteigentümers des Ölkonzerns Jukos Leonid Newslin, Dmitri Charitonow, hat die jüngste Mitteilung der russischen Generalstaatsanwaltschaft als eine Provokation bezeichnet. "Die Generalstaatsanwaltschaft hat es viel leichter, die Schuld jenen in die Schuhe zu schieben, die sich außerhalb Russlands aufhalten", sagte Charitonow am Mittwoch in einem RIA-Novosti-Gespräch in Moskau. Newslin lebe seit 2003 in Israel und habe im selben Jahr die israelische Staatsbürgerschaft bekommen.

Newslin war ein enger Vertrauter des früheren Chefs des Jukos-Konzerns, Michail Chodorkowski, der derzeit eine achtjährige Haftstrafe in einem Gefängnis in Sibirien verbüßt. Westliche Beobachter sprechen von einem politischen Prozess, weil Chodorkowski Oppositionsparteien sowie Bürger- und Menschenrechtsgruppen finanziell unterstützt und aus seiner Gegnerschaft zu Präsident Wladimir Putin keinen Hehl gemacht hatte.

Newslin, der ebenfalls Oppositionspolitiker unterstützte, hatte sich nach Israel abgesetzt, als der Machtkampf zwischen der russischen Regierung und dem Jukos-Konzern entbrannte. Russland ließ ihn Anfang 2004 wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung zur internationalen Fahndung ausschreiben. Im Juli dieses Jahres folgte der Vorwurf des Mords an einem Bürgermeister im Jahre 1998. Zudem ermittelt die russische Justiz gegen Newslin in einem weiteren Mordfall.