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12-01-2007 Alexander Litvinenko
Fall Litvinenko: 600 Menschen auf Polonium untersucht – Scaramella bleibt in Haft
In der Affäre Litvinenko sind nach offiziellen Angaben 116 Menschen mit der radioaktiven Substanz Polonium 210 ausgesetzt gewesen. Dies teilte der Chef der britischen Gesundheitsbehörde HPA, Pat Troop, am Donnerstag in London mit. Insgesamt sei der Urin von fast 600 Menschen untersucht worden, die gefürchtet hatten, in irgendeiner Form mit Polonium 210 in Kontakt gekommen worden zu sein.





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Dabei handelte es sich unter anderem um Besucher und Angestellte eines Hotels und zweier Restaurants, die von dem russischen Ex-Spion Litvinenko besucht wurden.

Den Angaben zufolge besteht weder für die Öffentlichkeit ein Gesundheitsrisiko noch für die meisten der Untersuchten eine gesundheitliche Gefährdung. Lediglich für 13 Menschen bestehe ein "sehr kleines" erhöhtes Risiko einer Erkrankung.

Weiterhin würden noch einige Nicht-Briten untersucht, die möglichweise mit Polonium verseucht seien, hieß es weiter. Die britische Gesundheitsbehörde arbeite mit 48 Ländern weltweit zusammen und habe bisher 450 Menschen identifiziert, die möglicherweise betroffen seien.

Betrugsverdächtiger Geheimdienstexperte Scaramella weiter hinter Gittern

Die italienische Justizbehörde hat es am Donnerstag abgelehnt, den Haftbefehl gegen den am 24. Dezember nach seiner Ankunft in Neapel verhafteten und in einer Einzelzelle im Gefängnis Regina Coeli einsitzenden Mario Scaramella aufzuheben und statt dessen Hausarrest zu verhängen. Gegen den Haftbefehl hatte der Rechtsanwalt Scaramellas Rechtsmittel eingelegt.

Vertreter der Justizbehörde hatten Journalisten wissen lassen, dass Scaramella der Irreführung und falscher Aussagen vor der so genannten Mitrochin-Kommission des italienischen Senats beschuldigt wird, die sich in den Jahren 2002 bis 2006 mit der Aufklärung der Tätigkeit sowjetischer Geheimdienste in Italien befasst hat. Die Ermittler gehen davon aus, dass Scaramella die Kommission in Bezug auf seine Rolle als wichtigste und einmalige Informationsquelle zur Tätigkeit des früheren KGB im Land der Apenninen nicht nur bewusst in die Irre geführt hat. Ihm wird auch zur Last gelegt, dass er vor der Polizei falsch ausgesagt hat, als er behauptete, auf ihn und den Chef der Mitrochin-Kommission, Senator Paolo Guzzanti, werde ein Anschlag vorbereitet.

Vor einiger Zeit hat die Römer Staatsanwaltschaft den vermeintlichen Anführer des Attentats verhört und ist daraufhin zu dem Schluss gekommen, dass die Angaben des früheren Beraters der Parlamentskommission an den Haaren herbeigezogen wurden. Von da an verdächtigten sie Scaramella der bewussten Irreführung und der Lüge. Der Anfangsverdacht war ein hinreichender Grund für die Verhaftung des „Professors“.

Gegen Scaramella laufen mehrere Untersuchungsverfahren. So ermittelt der Staatsanwalt von Bologna wegen Falschaussagen im Zusammenhang mit angeblichen Uranlieferungen nach Rimini und nach San Marino, während ihn die Justiz von Neapel der illegalen Müllverwertung im Gebiet von Kampanien beschuldigt.

Über Scaramellas wahre Tätigkeit schwebt ein Schleier des Rätselhaften. Er selbst behauptet von sich, er sei Professor an der Universität Neapel. Doch die Lehranstalt hat von einem Dozenten dieses Namens noch nie etwas gehört. Im Gericht der Insel Ischia werde er als Ehrenrichter geführt, obgleich er sich nach Berichten der Lokalpresse nur einmal im Gerichtsgebäude hat blicken lassen. Im Auftrag von Guzzanti, eines Parteifreundes von Silvio Berlusconi, sammelte Scaramella im Wahlkampf gegen Romano Prodi und andere führende Linkspolitiker kompromittierende Materialien, um ihnen KGB-Verwicklungen unterstellen zu können.

Am 1. November 2006 war Scaramella in der Londoner Sushi-Bar mit dem früheren FSB-Offizier Litvinenko zusammengetroffen. Die Ermittler gehen davon aus, dass Litvinenko an diesem Tag die tödliche Dosis Polonium-210 verabreicht worden ist.

Der im Jahr 2000 nach Großbritannien geflüchtete Litvinenko verstarb am 23. November 2006. In diesem Zusammenhang ermittelt die Anti-Terror-Einheit von Scotland Yard. Der Kreml-Kritiker hatte auf dem Totenbett den russischen Präsidenten Wladimir Putin für seine Vergiftung verantwortlich gemacht. Wer hinter seinem Tod steckt, ist bis heute unklar. [ RIA Novosti  /afp / russland.RU ]