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06-02-2007 Alexander Litvinenko
Litwinenko: Beresowski empfiehlt sich als Kronzeuge
Der ehemalige FSB-Offizier Alexander Litwinenko hat kurz vor seinem Tod den Unternehmer Andrej Lugowoi verdächtigt, an seiner Vergiftung beteiligt gewesen zu sein. Das behauptete der in London lebende russische Unternehmer Boris Beresowski am Montagabend in der BBC-Sendung Newsnight. "Boris, ich muss dir etwas Wichtigstes sagen: Ich denke, Lugowoi war an meiner Vergiftung beteiligt", soll Litwinenko kurz vor seinem Tod gesagt haben.

Wie Beresowski weiter ausführte, kennt er Lugowoi seit Mitte der 90er Jahre, als dieser damals den Sicherheitsdienst des ersten russischen Fernsehens mitorganisiert hat, das damals Beresowski gehörte. "Ich habe ihn vor sieben oder acht Monaten angerufen und gebeten, den Schutz meiner Tochter zu organisieren, die beschlossen hat, nach Sankt Petersburg umzuziehen", fügte der Unternehmer hinzu. Lugowoi habe am 31. Oktober 2006 Beresowskis Büro in London besucht. Einen Tag später kam nach seinen Worten auch Litwinenko dort vorbei.

"Der Stuhl, auf dem Lugowoi gesessen hat, erwies sich später besonders radioaktiv", sagte Beresowski. "Wie mir gesagt wurde, hat er 800 Mal stärkere Strahlung als die Stelle, wo Litwinenko war."

Das Interview mit Beresowski wurde im selben Raum aufgenommen.

Der Unternehmer bestätigte seine Bereitschaft, mit Vertretern russischer Behörden in London zusammenzutreffen. "Ich stehe dem völlig offen, wenn das den Ermittlungen im Fall helfen kann", versicherte er.

Mit diesem Interview brach Beresowski sein mehrmonatiges Schweigen zum Fall Litwinenko. Während der Ermittlungen der britischen Polizei hatte er jede Stellungnahme in der Presse verweigert.

Am 31.Januar übergab die Polizei die Ermittlungsunterlagen an die Staatsanwaltschaft Großbritanniens.

Der ehemalige FSB-Offizier Alexander Litwinenko, der 2000 nach Großbritannien geflüchtet war, war am 23. November im Alter von 43 Jahren gestorben. In seinem Körper wurden große Mengen an radioaktivem Plutonium-210 festgestellt. Scotland Yard betrachtet diesen Fall als einen Mord. Bei den Ermittlungen besuchten Londoner Beamte Moskau und sprachen dort mit mehreren Zeugen, u. a. mit den Unternehmern Andrej Lugowoi und Dmitri Kowtun.

Demnächst erwartet man eine Zustimmung der britischen Behörden für den Besuch russischer Ermittlungsbeamter in London, die ebenfalls eine Reihe von Zeugen vernehmen wollen, u. a. Beresowski und den tschetschenischen Separatistenemissär Achmed Sakajew.

Beresowski hält sich seit 2000 im Ausland auf. 2002 beantragte die russische Generalstaatsanwaltschaft Beresowskis Auslieferung an Russland. In Russland wird er wegen gesetzwidriger Unternehmertätigkeit, Geldwäsche u. a. beschuldigt.

2003 wurde der Auslieferungsantrag der russischen Generalstaatsanwaltschaft vom Londoner Gericht offiziell abgelehnt. Im Juni 2006 wurde ein zweiter Auslieferungsantrag zurückgewiesen.

1998 hatten Litwinenko und einige andere FSB-Offiziere eine Pressekonferenz in Moskau organisiert, bei der sie behaupteten, sie hätten den Auftrag bekommen, Beresowski zu töten, der damals hohe Staatsämter bekleidete. Aus Dank unterstützte Beresowski seinen Lebensretter in London. "Ich zahlte ihm rund 5 000 Pfund im Monat und habe speziell für seine Familie ein Haus gekauft", teilte Beresowski in der Newsnight-Sendung mit.

Lugowoi, der von den britischen Medien als Hauptverdächtiger gehandelt wird, besteht indessen weiterhin auf seine Unschuld. "Ich bin nach wie vor ein Zeuge", erklärte er letzte Woche in einem BBC-Interview. "Es gab keine offizielle Erklärung, laut der ich nun als Verdächtiger eingestuft werden kann." [ RIA Novosti  / russland.RU ]