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02-04-2007 Alexander Litvinenko
Inszenierung für Asyl: Tonbandaufnahme über geplanten Mord an Beresowski war gefälscht
Die Audioaufnahme mit Geständnissen über einen geplanten Mord an Boris Beresowski, mit der der in London lebende russische Ex-Oligarch eine Auslieferung nach Russland verhindern konnte, war gefälscht worden. Das sagte ein Bekannter des in London vergifteten ehemaligen FSB-Mitarbeiters Alexander Litwinenko in einem Interview mit dem russischen Fernsehen.

Der Mann wurde mit dem Namen Pjotr bezeichnet und soll der letzte am Leben gebliebene Zeuge des „Bluffs sein, der Beresowski den Aufenthalt in Großbritannien sicherte“. Pjotr behauptete, dass Litwinenko ihn aufgefordert hatte, sich als FSB-Agent auszugeben, der nach London entsandt wurde, um Beresowski zu ermorden. Dafür soll ihm Litwinenko, der selbst ein guter Bekannter von Beresowski war, eine Belohnung in Höhe von zwei Millionen Pfund versprochen haben.

Für 40 Millionen Pfund sollte Pjotr eine Erklärung für britische Geheimdienste machen, die dann in Medien veröffentlicht werden sollte. Als er sich weigerte, diese Rolle zu spielen, habe man ihm Drogen in den Kaffee getan, um so die notwendigen „Geständnisse“ zu kriegen, erzählte Pjotr. Mit Hilfe dieser Audioaufnahme konnte Beresowski die Überstellung nach Russland verhindern und politisches Asyl in Großbritannien bekommen.

Etwas später wurde Pjotr nach eigener Aussage bei Telefongesprächen bedroht. Im Sommer 2006, rund drei Monate vor dem mysteriösen Gifttod von Litwinenko, bat Pjotr russische und britische Geheimdienste um Schutz. Gegenwärtig wird er auf Bitte der russischen Generalstaatsanwaltschaft von Scotland Yard bewacht. Pjotr befürchtet, dass man ihn vergiften kann - wie einst Litwinenko.

Litwinenko, Ex-Offizier des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, war 2000 vor russischen Justizbehörden nach Großbritannien geflüchtet. Am 23. November 2006 starb er im Alter von 44 Jahren in einer Londoner Klinik. In seinem Körper wurden Spuren der radioaktiven Substanz Polonium-210 festgestellt.

1998 hatten Litwinenko und weitere FSB-Offiziere auf einer Pressekonferenz in Moskau mitgeteilt, dass sie beauftragt worden seien, Boris Beresowski, der damals hohe Posten in Russland besaß, zu ermorden. Als Dank für die „Rettung“ unterstützte Beresowski Litwinenko finanziell in London.

Beresowski selbst setzte sich 2000 nach Großbritannien ab. Die russische Justiz fahndet nach ihm unter anderem wegen Betrugs und Geldwäsche. 2002 beantragte die russische Generalstaatsanwaltschaft eine Auslieferung Beresowskis. Ein Jahr später lehnte ein Londoner Gericht das Auslieferungsbegehren ab. 2006 richtete Moskau erneut einen Auslieferungsantrag nach London. Diesmal wurde Beresowski „gewaltsame Machtergreifung“ zur Last gelegt.

Am 30. März machten Beresowski und der Emissär der tschetschenischen Separatisten, Achmed Sakajew, vor russischen Ermittlern Aussagen zum Fall Litwinenko. [ RIA Novosti  / russland.RU ]