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22-05-2007 Alexander Litvinenko
Porträt: Lugowoj machte Karriere unter Oligarch Beresowski
Ein halbes Jahr nach dem mysteriösen Tod des russischen Ex-Agenten und Kreml-Kritikers Alexander Litvinenko in London hat die britische Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Hauptverdächtigen angekündigt: den Ex-KGB-Offizier Andrej Lugowoj.

Der Mittvierziger ist ein typischer Wendehals, der nach dem Ende der Sowjetunion im Umfeld des umstrittenen Finanz-Magnaten Boris Beresowski Karriere machte und mittlerweile selbst erfolgreicher Unternehmer ist. Der athletische Ex-Leibwächter traf Litvinenko am 1. November zu einer Tasse Tee in einem Londoner Hotel - 22 Tage, bevor Litvinenko einer schleichenden Vergiftung durch die radioaktive Substanz Polonium 210 erlag.

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Die Polizei fand Spuren von Polonium 210 in Lugowojs Privatflugzeug und in seinem Londoner Hotelzimmer. Lugowoj bestreitet, etwas mit Litvinenkos Tod zu tun zu haben. Er behauptet, jemand wolle ihm mit dem Londoner Geheimdienstkrimi einen Strick drehen. Die russische Generalstaatsanwaltschaft stellte sich am Dienstag hinter Lugowoj und erklärte, der Angeklagte werde nicht ausgeliefert.

Dass Lugowoj eine Figur mit Kontakten zu eher zweifelhaften Milieus ist, hat er selbst einmal in einem Rundfunk-Interview zu erkennen gegeben. Im Restaurant setze er sich niemals mit dem Rücken zum Eingang, sagte er damals. Lugowoj ist der Sohn eines sowjetischen Militärs. Ab 1987 besuchte er die Militärakademie des Obersten Sowjets, später kommandierte er eine für die Sicherheit des Kreml zuständige KGB-Einheit. Nach dem Ende der UdSSR im Jahr 1991 diente er weiterhin als Personenschützer der Kreml-Spitze. 1996 quittierte er den Staatsdienst und wurde Chef des Sicherheitsdiensts des von Beresowski betriebenen Fernsehsenders ORT.

Im Zuge des Privatisierung der Wirtschaft in den 90er Jahren nutzten die häufig aus dem kommunistischen Parteiapparat stammenden Finanz- und Industriemagnaten eigene, oft aus früheren KGB-Leuten bestehende Sicherheitsdienste, um Partnern zu helfen oder konkurrierende Oligarchen auszuspionieren, zu kompromittieren und in die Knie zu zwingen. Beresowskis Stern begann unter Wladimir Putin zu sinken. Die Justiz warf dem Milliardär vor, Devisen der von ihm mehrere Jahre lang kontrollierten staatlichen Fluggesellschaft Aeroflot zu seinen Gunsten in eine Schweizer Firma investiert zu haben. Der ehemalige Aeroflot-Vizedirektor Nikolai Gluschkow kam in Untersuchungshaft.

Im April 2001 versuchte Lugowoj zusammen mit einigen Getreuen, Gluschkow gewaltsam aus dem Krankenhaus zu befreien, in dem er damals behandelt wurde. Der Versuch misslang, Lugowoj verbrachte 14 Monate im Gefängnis. Danach versuchte er sich als Geschäftsmann und zog nach eigenen Angaben ein einträgliches Unternehmen, unter anderem zur Vermarktung eines Erfrischungsgetränks, auf. Zugleich betreibt er zusammen mit seinen beiden früheren Studienkollegen an der Militärakademie, Dmitri Kowtun und Wjatscheslaw Sokolenko, eine Wach- und Sicherheitsfirma am Stadtrand von Moskau.

Seine Geschäftspartner Kowtun und Sokolenko begleiteten Lugowoi nach dessen Angaben auch bei seinem Treffen mit Litvinenko am 1. November in London. Die Unterredung war demnach "rein geschäftlicher Natur". Für den folgenden Tag sei eine weitere Verabredung getroffen worden. Litvinenko habe jedoch telefonisch abgesagt, da er sich nicht wohl gefühlt habe. Am 23. November starb der frühere Agent. Auf dem Sterbebett machte er Putin für seinen Tod verantwortlich. Beresowski deutete mehrfach nebulös an, sein früherer Leibwächter Lugowoj könne "ins Kreml-Lager zurückgekehrt sein". [Von Karim Talbi]