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31-05-2007 Alexander Litvinenko
Lugowoj: Litwinenko war ein Agent der Briten – vielleicht deren Opfer
Der Ende 2006 in London mit Polonium vergiftete Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko war nach Ansicht des tatverdächtigen früheren KGB-Manns Andrej Lugowoj ein Agent der Briten. Litvinenko habe "gestanden", Dokumente des russischen Sicherheitsrats beiseite geschafft zu haben, sagte Lugowoj am Donnerstag vor Journalisten in Moskau.




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Er habe für den britischen Geheimdienst MI-6 gearbeitet. Dieser habe auch ihn, Lugowoj, anwerben wollen. "Die Engländer schlugen mir kurz gesagt vor, belastendes Material über Putin und seine Familie zu sammeln", sagte Lugowoj.

Litwinenko sei von den britischen Geheimdiensten, von der so genannten "russischen Mafia" oder von Boris Beresowski getötet worden.

"Ich habe das Benehmen Litwinenkos in den letzten Monaten 2006 beobachtet und konnte nicht übersehen, dass ihn sowohl Beresowski als auch seine Herren aus den britischen Geheimdiensten enttäuscht haben", betonte Lugowoj.

"Nach seiner Auffassung wurde er von den Briten unterschätzt und zu schlecht bezahlt. Ich hatte den Eindruck, dass er sich von den britischen Geheimdiensten nicht kontrollieren ließ. Deswegen wurde er möglicherweise vernichtet. Sollte er nicht unmittelbar von den Geheimdiensten getötet worden sein, dann ist es entweder unter ihrer Kontrolle oder wegen ihrer Nachlässigkeit passiert."

Die britische Generalstaatsanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche eine Anklage gegen Lugowoj empfohlen. Die russischen Behörden erklärten jedoch, sie wollten dem Auslieferungsantrag der britischen Regierung gegen Lugowoj nicht Folge leisten. Selbst ein Tausch gegen Beresowski käme nicht in Frage.

Der des Mordes an Litwinenko beschuldigte russische Geschäftsmann will seine Interessen auch von britischen Juristen schützen lassen, kündigte Lugowoj an. "In nächster Zeit werde ich Juristen in London beauftragen." Wenn er in Großbritannien auftauche, werde ihm unweigerlich ein Prozess gemacht, weil sich die britische Justiz nicht in Verruf bringen wolle.

Der 43-Jährige Kreml-Kritiker Litwinenko lebte in Großbritannien, wo ihm politisches Asyl zuerkannt worden war. Ende November war er nach wochenlangem Leiden an einer Vergiftung mit radioaktivem Polonium 210 gestorben. In einem kurz vor seinem Tod verfassten Brief beschuldigte er den russischen Präsidenten Putin, Drahtzieher des Mordanschlags zu sein. Lugowoj hatte sich in einem Londoner Hotel mit Litvinenko getroffen, bevor dieser erkrankte.