russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.



19-07-2007 Alexander Litvinenko
Streit zwischen Russland und London - Experten erwarten keine Risiken für Wirtschaft
Die gegenwärtige Krise zwischen Moskau und London wird Finanzexperten zufolge sich nicht auf das Geschäft von russischen Investitionsfirmen an der Londoner Börse ausweiten.



Werbung


Großbritannien sei an Investoren interessiert, darunter auch an den russischen, sagte Wladislaw Kotschetkow von der Investmentgesellschaft Finam. Deshalb werden sich die politischen Spannungen kaum auf die Wirtschaft auswirken. Wenn sich der Konflikt jedoch in die Länge ziehen würde, dann könnten einige Investoren die politische Risiken als „zu hoch“ einstufen und sich von der Londoner Börse abziehen, urteilte er.

Auch Viktor Garmaschew von der Investmentgesellschaft Brokerkreditservice rechnet mit keinerlei Konsequenzen für die Wirtschaft nach der diplomatischen Krise zwischen Moskau und London. Auf russische Unternehmen entfalle die Mehrheit der Hinterlegungsscheine (Depositary Receipts) an der Londoner Börse, sagte er. Die Börse werde deshalb kaum irgendwelche Schritte gegen russische Teilnehmer unternehmen. Auch wachsende politische Risiken seien für russische Investoren kein Anlass zum Rückzug.

Laut Alexander Rasuwajew von der Sobinbank hat der politische Faktor gegenwärtig keinen starken Einfluss auf den Markt oder das Investitionsklima. „London pflegt sein Ansehen und wird deshalb keine Einmischung der Politik in die Wirtschaft zulassen“, äußerte Anton Tabach, Analyst von Uralsib Kapital.

Die politischen Beziehungen wurden nach dem Giftmord am ehemaligen FSB-Mitarbeiter Alexander Litwinenko in London erschwert. Britische Justizbehörden machten den russischen Unternehmer Andrej Lugowoi für den Mord verantwortlich und forderten dessen Auslieferung. Russland lehnte die Forderung als verfassungswidrig ab. Daraufhin wies Großbritannien vier russische Diplomaten aus und legte die Verhandlungen über Visaerleichterung mit Russland auf Eis. Der russische Vizeaußenminister Alexander Gruschko kündigte an, Russland werde auf die britischen Sanktionen "gezielt und adäquat" reagieren.

Litwinenko war 2000 nach Großbritannien geflüchtet und starb am 23. November 2006 in der Londoner Universitätsklinik. In seinem Körper wurden Spuren der radioaktiven Substanz Polonium 210 festgestellt. Die Anti-Terror-Abteilung von Scotland Yard leitete daraufhin Ermittlungen wegen Vergiftungsmord ein, die mehr als zwei Monate dauerten. Im Dezember 2006 kamen britische Ermittler nach Moskau und vernahmen Lugowoi, der mit Litwinenko kurz vor dessen Tod zusammengetroffen war, und weitere Personen als Zeugen. Obwohl gegen Lugowoi Anklage erhoben wurde, wurde bisher kein offizielles Gutachten über Litwinenkos Todesursache veröffentlicht.

Lugowoi beteuert seine Unschuld und weist die Vorwürfe als "politisch motiviert" zurück.[ria-novosti]