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19-07-2007 Alexander Litvinenko
Diplomatischer Skandal zwischen Moskau und London bekommt neue Show-Elemente
Der diplomatische Skandal zwischen Moskau und London wurde am Mittwoch gleich durch einen Krimi und einen Militär-Thriller bereichert. Wie das britische Massenblatt "The Sun" mitteilte, ist im Londoner Hilton-Hotel an der Park Lane ein russischer Killer festgenommen worden, der den russischen Unternehmer Boris Beresowski, der im Londoner Exil lebt, töten sollte.



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Die britischen Fliegerkräfte teilten mit, dass ihre Tornado-Jagdbomber dringend aufsteigen mussten, um zwei russische Bombenflugzeuge des Typs Tu-95 vor Schottland zu stoppen, schreibt die Tageszeitung "RBC Daily" am Donnerstag.

Das britische Innenministerium kommentiert die Festnahme des Killers nicht. Wie "The Times" am Mittwoch berichtete, ist der Killer bereits ausgewiesen worden - was extrem merkwürdig ist, wenn man berücksichtigt, mit welcher Hartnäckigkeit London die Auslieferung von Andrej Lugowoi anstrebt.

In einer Pressekonferenz in London teilte Beresowski am Mittwoch mit, er habe bis zu 400 Millionen Dollar in eine Änderung des politischen Systems in Russland investiert. Deshalb sei er davon überzeugt, dass hinter dem Attentat der russische Geheimdienst FSB stehe.

Ein FSB-Sprecher bewertete diese Erklärung in einem "RBC-Daily"-Gespräch als "völligen Unsinn". Ähnlich äußerte sich Generaloberst Alexander Selin, Chef der russischen Luftstreitkräfte, über das angebliche Abfangen der russischen Tu-95-Bombenflugzeuge. Die "geplanten Flüge" der strategischen Fliegerkräfte über dem nordatlantischen internationalen Gewässer würden fortgesetzt, versicherte er.

Der russische Botschafter in London äußerte, dass Beresowski auf diese Weise die Aufmerksamkeit von seinen Finanz-Machenschaften abzulenken und sich als einen politischen Oppositionellen zu präsentieren versuche.

Einige Beobachter meinen jedoch, dass es sich in Wirklichkeit um eine weitere Provokation handelt, deren Ziel in einer weiteren Zuspitzung der Beziehungen zwischen der EU und Russland besteht. Daran könnten die USA interessiert sein, weil ein neuer Konflikt die Verhandlungen über den Partnerschaftsvertrag EU-Russland blockieren, die Stationierung von ABM-Segmenten in Tschechien und Polen beschleunigen sowie Moskau bei den Verhandlungen über den Kosovo-Status isolieren würde.

Die USA, die über die Fortschritte in den Beziehungen Russlands mit Deutschland und Frankreich beunruhigt sind, greifen Russland vom britischen diplomatischen Aufmarschraum an, sagte der Staatsduma-Abgeordnete Iwan Melnikow. Das noch "rohe" Kabinett Gordon Browns handelt unselbständig und die gestrige Anhörung im britischen Parlamentsunterhaus habe das bestätigt. Der junge Staatsminister für EU-Angelegenheiten, Jim Murphy, konnte den Abgeordneten nicht erklären, warum die Regierung gegen die Auslieferung von Beresowski bzw. dagegen ist, diesen gegen Lugowoi auszutauschen, warum das Kabinett die Geschäfte britischer Unternehmen in Russland riskiert und warum es die Position Moskaus zum Kosovo-Status im UN-Sicherheitsrat nicht berücksichtigt.

London scheint sich langsam für diesen Zirkus zu genieren. Den vier russischen Diplomaten, die Großbritannien verlassen sollen, wurden zehn Tage für die Reisevorbereitungen zur Verfügung gestellt, was viel ist. Und ein Sprecher des Pressedienstes des Premiers teilte mit, die Regierung wäre zu einem Prozess gegen Lugowoi in einem dritten Land bereit, weil es "nicht ganz richtig" wäre, weiter auf dessen Auslieferung zu bestehen.[ ria novosti ]