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19-07-2007 Alexander Litvinenko
Russland weist vier britische Diplomaten aus
Nach der Ausweisung von vier russischen Diplomaten aus Großbritannien im Streit um den Giftmord an Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko will Moskau nun seinerseits vier britische Diplomaten ausweisen.



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Das teilte der Sprecher des russischen Außenministeriums, Michail Kaminin, am Donnerstag mit. Zudem werde Russland britischen Staatsbeamten keine Visa mehr erteilen, und Russland werde keine offiziellen Vertreter mehr nach Großbritannien schicken.

Die britischen Diplomaten sollen Russland binnen zehn Tagen verlassen, sagte Kamynin. Die Beziehungen zwischen Moskau und London wurden nach dem Giftmord am ehemaligen FSB-Mitarbeiter Alexander Litwinenko in London erschwert. Britische Justizbehörden machten den russischen Unternehmer Andrej Lugowoi für den Mord verantwortlich und forderten dessen Auslieferung. Russland lehnte die Forderung als verfassungswidrig ab. Daraufhin wies Großbritannien vier russische Diplomaten aus und legte die Verhandlungen über Visaerleichterungen mit Russland auf Eis.

Der russische Vizeaußenminister Alexander Gruschko kündigte an, Russland werde auf die britischen Sanktionen "gezielt und adäquat" reagieren. Litwinenko war 2000 nach Großbritannien geflüchtet und starb am 23. November 2006 in der Londoner Universitätsklinik. In seinem Körper wurden Spuren der radioaktiven Substanz Polonium 210 festgestellt. Die Anti-Terror-Abteilung von Scotland Yard leitete daraufhin Ermittlungen wegen Vergiftungsmord ein, die mehr als zwei Monate dauerten.

Im Dezember 2006 kamen britische Ermittler nach Moskau und vernahmen Lugowoi, der mit Litwinenko kurz vor dessen Tod zusammengetroffen war, und weitere Personen als Zeugen. Obwohl gegen Lugowoi Anklage erhoben wurde, wurde bisher kein offizielles Gutachten über Litwinenkos Todesursache veröffentlicht. Lugowoi beteuert seine Unschuld und weist die Vorwürfe als "politisch motiviert" zurück.

Britischer Botschafter in Moskau ins Außenministerium Russlands vorgeladen

Kamynin teilte mit, dass der britische Botschafter in Russland, Anthony Brenton, heute in das russische Außenamt vorgeladen und über die Ausweisung von vier britischen Diplomaten offiziell informiert worden sei. Außerdem sei der Botschafter über andere Gegenschritte Moskaus "nach den provokativen und unfreundlichen Schritten des offiziellen Londons im so genannten Fall Litwinenko" benachrichtigt worden. Unter anderem gehe es darum, dass Russland in den Fragen der Visaausstellung die Handlungen der britischen Seite wiederholen würde, präzisierte Kamynin. "Der Botschafter wurde zu den Erläuterungen zur jüngsten Erklärung der britischen offiziellen Personen über die Verschärfung der Visapflicht für die russischen offiziellen Personen aufgefordert", ergänzte er.

"Solange wir keine Erläuterung erhalten haben, werden Russlands offizielle Vertreter die britischen Visa nicht einmal beantragen. Ähnliche Anträge der britischen Seite werden nicht entgegengenommen", so der Sprecher.

US-Außenministerin Condoleezza Rice appellierte an Russland, dem Antrag Londons auf Auslieferung des Hauptverdächtigen für den Litwinenko-Mord, Andrej Lugowoj, stattzugeben.