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20-07-2007 Alexander Litvinenko
Russland wartet auf Beweise für angebliche Schuld Lugowois – Russische Unternehmen könnten Londoner Börse verlassen
Die britische Regierung hat nach Angaben des russischen Außenministers Sergej Lawrow keinen Beweis für den Mordverdacht gegen den Ex-Agenten Andrej Lugowoi vorgelegt. Russland habe "kein einziges Stück Papier" erhalten, dass erkläre, wie die britischen Ermittler zu dem Schluss gekommen seien, dass Lugowoi den ehemaligen russischen Agenten und britischen Staatsbürger Alexander Litvinenko ermordet habe, sagte Lawrow am Donnerstag in Lissabon.



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Die Ausweisung vier russischer Diplomaten als Reaktion auf Moskaus Weigerung, Lugowoi an London auszuliefern, sei möglicherweise damit zu erklären, dass die neue Regierung von Premierminister Gordon Brown sich erst positionieren müsse, sagte der russische Außenminister.

Die US-Regierung bedauerte unterdessen die Ankündigung Moskaus, als Reaktion auf die Ausweisung seiner Diplomaten die Zusammenarbeit mit London in der Terrorismus-Bekämpfung auszusetzen. Dies sei kein "positiver" Schritt, sagte Außenamtssprecher Tom Casey in Washington. Moskau sei genauso bedroht vom Terrorismus wie jedes andere Land und müsse mit den USA, Großbritannien und anderen internationalen Akteuren zusammenarbeiten.

Der Kreml-Kritiker Litvinenko war im November in London mit radioaktivem Polonium vergiftet worden, die Spur führte die britischen Ermittler zu Lugowoi. Die russische Führung versichert, die Auslieferung des mordverdächtigen Ex-Agenten sei verfassungswidrig. London hält dem entgegen, Russland habe dementsprechende internationale Abkommen unterzeichnet.

Putin: "Wir werden die russisch- britische Mini- Krise bewältigen"

Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich zuversichtlich über eine Beilegung der diplomatischen Krise mit Großbritannien geäußert. "Ich bin sicher, dass diese Mini-Krise überwunden wird", sagte Putin am Donnerstag am Rande eines Folklore-Festivals in Saransk im Westen Russlands. Die russische Regierung hatte kurz zuvor die Ausweisung von vier britischen Diplomaten angekündigt, nachdem London am Montag die Entscheidung zur Ausweisung von vier russischen Diplomaten bekannt gegeben hatte.

"Die Rechte und Interessen der Partner müssen respektiert werden, dann wird sich die Lage bessern", sagte Putin. Die russisch-britischen Beziehungen würden sich gut entwickeln, sagte der russische Staatschef. Dennoch müssten sie mit "gesundem Menschenverstand" geführt werden.

Russische Unternehmen können Londoner Börse wegen Krise mit Großbritannien verlassen


Die gegenwärtige russisch-britische Krise kann nach Ansicht russischer Experten dazu führen, dass ein großer Teil russischer Unternehmen die Londoner Börse verlassen wird.

"Wenn sich die Ereignisse in diesem Schlüssel abspielen, würden russische Unternehmen, darunter auch staatlich kontrollierte, von der Londoner Börse zu Börsen auf dem Kontinent überwechseln", sagte der Präsident des Russischen Unternehmer- und Industriellenverbandes, Alexander Schochin, am Donnerstag in Moskau. Dabei könnten die von London beschlossenen Visarestriktionen für russische offizielle Persönlichkeiten auch für Vertreter staatlicher Unternehmen gelten. "Nichts wird die Briten daran stören, Manager staatlicher Unternehmen als Amtsträger zu betrachten. Zudem werden mehrere russische Amtsträger, die Mitglieder der Aufsichtsräte von Unternehmen sind, kaum in der Lage sein, Geschäftsreisen nach Großbritannien zu unternehmen", fuhr Schochin fort.

Auch das Londoner Wirtschaftsforum werde seine Positionen einbüßen. "Höchstwahrscheinlich wird das Londoner Forum geschlossen werden müssen. Zum Hauptaustragungsort wird dann das schweizerische Davos sein", sagte Schochin.

Der russische Außenminister Außenminister Sergej Lawrow wird am Freitag zu einem Besuch in Berlin erwartet. Bei einem Gespräch mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier sollte es auch um den britisch-russischen Streit gehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat deutlich gemacht, dass die EU insgesamt die Aufklärung des Mordes unterstütze, sagte ein Regierungssprecher in Berlin.

Die EU hatte Russland am Mittwoch aufgerufen, dem Auslieferungsantrag stattzugeben und sich "enttäuscht" über die Blockadehaltung des Landes gezeigt. Der Vertreter Russlands in Brüssel, Wladimir Tschischow, bezeichnete die Kritik laut der Nachrichtenagentur Interfax als "unangenehme Überraschung", die die Beziehungen zwischen der EU und Russland "zweifellos beeinträchtigen" werden. [afp / itartass /ria /russland.RU]