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21-07-2007 Alexander Litvinenko
Russland bemüht sich um Einlenken in Krise mit London - Lugowoi im Fall Litwinenko zu Prozess in Russland bereit
In der diplomatischen Krise zwischen Großbritannien und Russland um den Mordfall Litwinenko hat der Kreml am Freitag versucht die Wogen zu glätten. Der Ex-Agent Andrej Lugowoi gehöre auch in Russland zu den Verdächtigen im Fall der Ermordung Litwinenkos, sagte ein Kreml-Sprecher am Donnerstagabend.



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Bislang hatte Moskau Lugowoi als Zeugen bezeichnet. Russlands Präsident Wladimir Putin äußerte sich unterdessen zuversichtlich über eine Beilegung des Konflikts mit London. Außenminister Sergej Lawrow sagte am Freitag bei einem Besuch in Berlin, Moskau sei "bereit", die Beziehungen zu Großbritannien zu "normalisieren".

"Wir behandeln ihn auch als einen der Verdächtigen", sagte der russische Regierungssprecher, Dimitri Peskow, am Freitag über den Ex-KGB-Mann Lugowoi. Bisher galt Lugowoi in Russland lediglich als Zeuge und nicht wie in Großbritannien als verdächtig, Litwinenko im November 2006 in London mit radioaktivem Polonium vergiftet zu haben. Die russische Führung vertritt die Auffassung, die Auslieferung des Ex-Agenten an London sei verfassungswidrig.

Peskow sagte, die russischen Behörden hätten lange auf eine präzise Begründung für das britische Auslieferungsersuchen gewartet. Sie hätten jedoch nur ein Papier erhalten, in dem es heiße: "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass er schuldig ist."

Großbritannien hält dem entgegen, Russland habe entsprechende internationale Abkommen unterzeichnet.

"Russland wünscht, dass sich die Beziehungen zu Großbritannien normalisieren werden. Wir sind dazu bereit", sagte Lawrow der Nachrichtenagentur Interfax am Freitag nach einem Treffen mit seinem deutschen Kollegen Frank-Walter Steinmeier in Berlin. Es sei nicht Russland gewesen, das aus der Justizaffäre um die Auslieferung eine politische Affäre gemacht habe. Lawrow erklärte das Verhalten Londons damit, dass die neue Regierung von Premierminister Gordon Brown sich zunächst profilieren wolle.

bei russland.RU
Fall Litvinenko: Polonium als Schmugglerware?


Alexander Litvinenko Tod in London – Analysen, Meinungen, Hintergründe, Informationen bei russland.RU


Wir gehen dabei davon aus, dass die Beziehungen sich auf dem gesunden Menschenverstand und der gegenseitigen Achtung der Interessen gründen müssen… Bei solch einem Herangehen können alle Probleme gelöst werden und wir sind dazu bereit", äußerte der Minister.

Lawrow sagte zudem, dass nicht Russland die Zusammenarbeit mit Großbritannien im Antiterror-Kampf abgelehnt habe, sondern dass London den ersten Schritt in diese Richtung gesetzt habe.

Er äußerte seine Verwunderung über eine Aussage des Sprechers des US-Außenamtes Tom Casey, der sagte, die Ablehnung der Zusammenarbeit mit Großbritannien im Antiterror-Kampf sei für Russland nicht von Vorteil. "Es ist für mich komisch zu hören, dass ein US-Sprecher die Situation, die er kommentiert, nicht verfolgt", äußerte Lawrow.

Moskau bedauert falsche Deutung der Situation um Unterbrechung des russisch-britischen Zusammenwirken in Fragen der Terrorbekämpfung

In Moskau bedauert man die falsche Ausdeutung der Äußerungen der russischen Seite zum Problem der Kooperation mit Großbritannien in Fragen der Terrorbekämpfung in manchen Massenmedien, sagte der offizielle Sprecher des Auswärtigen Amtes, Michail Kamynin, am Freitag in einem Pressegespräch.

Jemand wolle die entstandene Situation "auf den Kopf stellen", unterstrich er und bedauerte, dass die Erklärungen des Außenministeriums "nicht aufmerksam genug gehört" worden seien.

Moskau habe öfters bedauert, dass "die vom offiziellen London am 16. Juli angekündigten Maßnahmen die Fortsetzung der bilateralen Kooperation im Anti-Terror-Bereich kaum möglich machen", so Kamynin. Die britische Seite habe ihre Absicht, das Zusammenwirken mit dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB in allen Aspekten einzustellen, wobei der FSB "die führende Struktur Russlands auf dem Gebiet der Terrorbekämpfung" sei, fügte

Auch Putin versicherte am Donnerstag (Ortszeit) in Moskau, die "Mini-Krise" mit Großbritannien könne überwunden werden. "Die Rechte und Interessen der Partner müssen respektiert werden, dann wird sich die Lage bessern", sagte Putin. Dennoch müssten beide Seiten mit "gesundem Menschenverstand" handeln. Großbritannien hatte am Montag die Ausweisung von vier russischen Diplomaten angekündigt, Russland verhängte am Donnerstag die gleiche Maßnahme gegen vier britische Diplomaten.

Russische Medien äußerten am Freitag Bedenken, dass die Spannungen zwischen London und Moskau auch die russischen Beziehungen zur EU stören könnten. Die staatliche Zeitung "Rossijskaja Gaseta" schrieb, Großbritannien versuche Europa zu einer Politik der "Unterdrückung Russlands" zu bewegen. Kreml-Sprecher Peskow versuchte diese Sorgen zu zerstreuen: "Gott sei Dank verweigern sich die Länder der EU-Ratspräsidentschaft nicht einem Dialog." Russland wolle nicht daran glauben, dass der Lugowoi-Fall das Verhältnis zur EU verschlechtere und werde weiter mit seinen EU-Partnern zusammenarbeiten.

Lugowoi im Fall Litwinenko zu Prozess in Russland bereit

"Ja, natürlich", antwortete Andrej Lugowoi auf die Frage des russischen Radiosenders Moskauer Echo, ob er gewillt sei, an einem Prozess in Russland teilzunehmen. Die britischen Ermittler hätten aber "keine Beweise" gegen ihn, betonte der frühere KGB-Agent. "In acht Monaten habe ich keinen offiziellen Brief, keine Einladung, keine Vorladung nach London erhalten, um dort auszusagen", fügte er hinzu. Er habe im Februar Scotland Yard angerufen und nach einem Ansprechpartner gefragt, aber nie eine Antwort erhalten.

In der Nacht zu Freitag näherten sich nach Angaben des norwegischen Militärs russische Kampfflugzeuge auf "ungewöhnliche" Weise Norwegen und Großbritannien. Beide Länder hätten ihre Abfangjäger losgeschickt, um die zwei Flieger in der Nähe der südöstlichen Küste Norwegens und östlich von Schottland zu identifizieren, teilte ein norwegischer Armeevertreter mit. Die Kampflugzeuge hätten dann abgedreht. Später hätten sich aber zwei weitere Flieger Kurs auf Norwegen genommen. "Beide Male blieben die russischen Kampfflieger aber im internationalen Luftraum. Sie haben nichts falsch gemacht", sagte der Armeevertreter. [ afp / itartass / ria / russland.RU – die Internet - Zeitung ]