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30-08-2007 Alexander Litvinenko
Zusammenfassung der Pressekonferenz von Lugowoi
Der russische Unternehmer Andrej Lugowoi, den die britische Justiz hinter dem spektakulären Giftmord am ehemaligen FSB-Offizier Alexander Litwinenko sieht, hat auf einer Pressekonferenz am Mittwoch erneut die Mord-Vorwürfe als „Komplott gegen russische Geheimdienste“ zurückgewiesen.




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„Das ist sehr einfach: Ich habe beim Föderalen Aufklärungsdienst gearbeitet. Man nutzte mich aus, um auf russische Geheimdienste einen Schatten zu werfen“, sagte Lugowoi auf der Pressekonferenz, die von RIA Novosti und dem Radiosender Echo Moskaus am Mittwoch veranstaltet wurde.

Großbritannien habe „keine Indizien oder Beweise. Alles, was die Königliche Staatsanwaltschaft sagt, ist reine Lüge, die sie zusammen mit der obersten Führung Großbritanniens und den Geheimdiensten erfand“, sagte Lugowoi.

„Ich betone: Ich habe Litwinenko nicht ermordet“, sagte Lugowoi. Er wisse nichts über die tatsächliche Todesursache von Litwinenko. „Man spricht von einem Tod durch eine radioaktive Substanz, aber niemand hat Beweise dafür gesehen“, sagte Lugowoi.

Er wurde von britischen Journalisten dreimal gefragt, warum er nicht nach Großbritannien reisen wolle. „Ich fahre nicht hin, weil der Fall größtmöglich politisiert wurde“, antwortete Lugowoi. Da sei große Politik mit im Spiel.

Laut Lugowoi sind britische Geheimdienste in den Mord verwickelt, weil Litwinenko in deren Gehaltsliste gestanden habe. „Litwinenko spielte ein merkwürdiges Spiel, das nun so endete. Er hatte selber etwas mit Polonium zu tun.“ Auch die im Londoner Asyl lebenden Boris Beresowski und Achmed Sakajew seien mit Polonium verbunden gewesen. „Das ist eine geplante Provokation. Ich denke, dass dem Mord an Politkowskaja und Litwinenko die Ermordung von Jelena Tregubowa folgen sollte“, sagte Lugowoi. Nach seinen Worten steht Beresowski hinter anderen spektakulären Morden in Russland, und zwar an Journalist Wladislaw Listjew, an den Duma-Abgeordneten Sergej Juschenkow und Wladimir Golowljow.

Lugowoi ließ offen, ob seine Firma die Tochter des im Londoner Exil lebenden Oligarchen Boris Beresowski weiter bewacht. "Ich werde diese Frage nicht beantworten, weil ich Details über meine Kunden nie preisgegeben habe und nie preisgeben werde", sagte er. "Ich habe ihn (Beresowski) und seine Angehörigen 15 Jahre lang bewacht - und da hat man nun die Bescherung", sagte Lugowoi.

Seine Pressekonferenz wurde live vom Radiosender Echo Moskaus und auf der Webseite der RIA Novosti übertragen.

Der ehemalige Mitarbeiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, Alexander Litwinenko, war 2000 nach Großbritannien geflüchtet und starb am 23. November 2006 in der Londoner Universitätsklinik. In seinem Körper wurden Spuren der radioaktiven Substanz Polonium 210 festgestellt. Ein offizielles Gutachten über Litwinenkos Todesursache wurde jedoch bisher nicht veröffentlicht.

Nach monatelangen Ermittlungen machte die britische Justizbehörde den russischen Unternehmer Andrej Lugowoi für den Mord an Litwinenko verantwortlich und forderte in diesem Mai seine Auslieferung. Moskau lehnte die Forderung ab, weil das Grundgesetz die Auslieferung von russischen Staatsbürgern ins Ausland verbietet.

Lugowoi selbst beteuert seine Unschuld und weist die Vorwürfe als "politisch motiviert" zurück. Die russische Generalstaatsanwaltschaft, die parallel zum Litwinenko-Mord ermittelt, hat nach eigenen Aussagen von Großbritannien kein belastendes Material gegen Lugowoi erhalten.

Der Streit hat die Beziehungen zwischen Moskau und London schwer belastet. Großbritannien wies vier russische Diplomaten aus und legte die Verhandlungen über Visa-Erleichterungen mit Russland auf Eis. Auch Russland erklärte vier britische Diplomaten zu Persona non grata und stellte die Visa-Ausstellung für britische Offizielle ein.

Wie der Chef des Untersuchungskomitees der russischen Generalstaatsanwaltschaft, Alexander Bastrykin, zuvor sagte, hat Russland von Großbritannien noch keine Beweise für die Teilnahme von Lugowoi am Litwinenko-Mord erhalten. Laut Bastrykin hat die russische Generalstaatsanwaltschaft umfangreiche Ermittlungsarbeit im Fall Litwinenko geleistet. „Es ist aber noch nicht gelungen, zu klären, wer das Verbrechen begangen hat“, sagte er. [ria-novosti]