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02-11-2007 Alexander Litvinenko
Jahrestag der Vergiftung von Litwinenko - Lugowoi benutzt den mutmaßlichen Mord zur Karriere
Der mutmaßliche Mörder des russischen Ex-Agenten Alexander Litvinenko hat erneut seine Unschuld beteuert und dem britischen Geheimdienst MI6 vorgeworfen, die Wahrheit über den Giftmord in London zu vertuschen. Der MI6 sei schon immer unsichtbar in diesen Skandal verwickelt gewesen und habe alles getan, um objektive Ermittlungen zu hintertreiben, sagte der frühere KGB-Agent Andrej Lugowoj am Donnerstag vor Journalisten in Moskau.




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Es sei wahrscheinlich, dass Litwinenko für die Briten spioniert habe. Sein Tod habe den Briten und ihrem Geheimdienst beim Versuch genutzt, Russland zu erniedrigen und zu diskreditieren.

„Die Publikationen, die in der letzten Zeit in der 'Daily Mail' zu lesen waren, belegen das, wovon auch ich immer gesprochen habe. Die britische Aufklärung hat eine eigene Rolle gespielt. Der MI6 ist bei dem Skandal immer gut getarnt zugegen. Er tat und tut alles, um die Untersuchung des Todes von Litwinenko in die falsche Richtung zu lenken“, sagte Lugowoi.

Das britische Blatt hatte unter Berufung auf kompetente Quellen in Geheimdienst- und diplomatischen Kreisen berichtet, dass Litwinenko für den MI6 gearbeitet und dafür monatlich 2 000 Pfund Sterling kassiert hat.

Außerdem war die Information durchgesickert, dass der Ex-FSB-Offizier von John Scarlett, dem heutigen Chef des MI6, angeworben wurde. Auf dessen Initiative sei Litwinenko samt Familie nach Großbritannien übergesiedelt und habe dann politisches Asyl beantragt.

Lugowoi machte auf der Pressekonferenz keinen Hehl aus seiner Überzeugung, dass nur der geflüchtete Oligarch Boris Beresowski und der britische Geheimdienst aus dem Mord Kapital schlagen konnten. „Die Ermordung lag im Interesse der Feinde Russlands: Beresowski, Sakajew, Goldfarb und Konsorten“, sagte er.

Die Vorwürfe, dass er das Polonium selber nach London mitgebracht habe, wies Lugowoi erneut als falsch zurück. In dem Flugzeug, mit dem er und sein Geschäftspartner Dmitri Kowtun nach London geflogen waren, waren keine Spuren der tödlichen Substanz gefunden worden, begründete er. Dafür wurden diese Spuren im Büro einer Londoner Firma gefunden, das er und Kowtun besucht hatten, sowie im Flugzeug, mit dem sie zurückgekehrt waren, sagte Lugowoi auf der Pressekonferenz.

Außerdem sei die radioaktive Substanz an Gegenständen entdeckt worden, die Litwinenko mehrere Monate vor seinem Tod benutzt hatte, sagte der Unternehmer. Er selber habe keinen Zugang zu diesen Gegenständen gehabt. „Die Poloniumspuren führen nicht aus Russland nach Großbritannien, sondern umgekehrt“, stellte Lugowoi fest. Er sähe sich selbst und seine Familie als Opfer eines atomaren Attentats in Großbritannien.

Lugowoi ist überzeugt, dass er seine Unschuld beweisen wird. "Ich denke, dass die Wahrheit siegen wird", sagte Lugowoi. Er sei unschuldig, und die "Briten werden das über kurz oder lang eingestehen müssen", führte er aus.

Der andere in den Fall verwickelte russische Unternehmer Dmitri Kowtun hält den Gifttod des ehemaligen FSB-Offiziers Alexander Litwinenko für einen „Unfall, durch den der britische Geheimdienst MI6 in eine dumme Situation geraten ist“.

Litwinenko könnte durch eigene Unvorsichtigkeit ums Leben gekommen sein. „Das ist eine ernsthafte Version, die geprüft werden muss. Wenn Litwinenko selbst mit Polonium gespielt hat und unvorsichtig damit umging, wie soll dann sein Chef (im Geheimdienst) erklären, was mit ihm (Litwinenko) geschehen ist?“

Großbritannien hat wegen des Litwinenko-Mords die Auslieferung Lugowojs beantragt, um ihn vor ein britisches Gericht zu stellen - bislang allerdings vergeblich. Am Donnerstag jährte sich der Tag von Litwinenkos tödlicher Vergiftung zum ersten Mal: Der 43-Jährige war am 1. November 2006 in London, wo er politisches Asyl genoss, mit radioaktivem Polonium vergiftet worden. Nach rund dreiwöchigen Qualen starb er. Lugowoj, der sich mit ihm in London getroffen hatte, geriet rasch ins Visier der Ermittler.

Der Streit zwischen London und Moskau um den Giftmord belastet die bilateralen Beziehungen bis heute. In Russland selbst hat der Mordverdacht Lugowojs Ansehen aber nicht geschadet: Er kandidiert auf der Liste der ultranationalistischen Liberaldemokratischen Partei für die Parlamentswahl im Dezember.

Litwinenkos Witwe Marina beschuldigte am Donnerstag den russischen Präsidenten Wladimir Putin, die Ermittlungen in dem Mordfall zu behindern. Putin unterstütze Lugowoj mit aller Macht, erklärte sie in London: "Die Unterstützung des Präsidenten macht aus einem Mörder einen Nationalhelden." Alexander Litwinenko hatte Putin in einem kurz vor seinem Tod im Krankenhaus verfassten Brief vorgeworfen, Drahtzieher des Mordanschlags zu sein.