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28-11-2006 Alexander Litvinenko
Ermittlungen zum Fall Litwinenko provozieren politischen Skandal in Italien
Die Staatsanwaltschaft von Rom und das italienische Innenministerium überprüfen seit Montag die Kontaktpersonen des gestorbenen Ex-FSB-Offiziers Alexander Litwinenko in Italien.

Wie die Zeitung "La Repubblica" berichtet, hatte der Untersuchungsbeamte der Staatsanwaltschaft Pietro Saviotti am Montag Litwinenkos Bruder Maxim verhört.





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Maxim Litwinenko (24) lebt seit fünf Jahren in Italien. Er arbeitet in der italienischen Stadt Senigallia als Koch. Vor drei Jahren ersuchte er die italienische Regierung um politisches Asyl. Bei den Treffen Litwinenkos mit dem italienischen Geheimdienstexperten Mario Scaramella wirkte Maxim als Dolmetscher. Scaramella war Berater einer italienischen Parlamentskommission (sog. Mitrochin-Kommission), die die Tätigkeit der sowjetischen Geheimdienste in Italien untersuchte.

Litwinenko traf sich am 1. November mit Scaramella in der Londoner Itsu-Bar. Am selben Tage noch fühlte er sich plötzlich unwohl und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Mit Scaramella sprach er laut Medien unter anderem über den mutmaßlichen Anschlag auf den Chef der Mitrochin-Kommission Paolo Guzzanti. Litwinenko hatte seinen italienischen Bekannten über ein mögliches Attentat informiert, wonach die Staatsanwaltschaft von Rom Ermittlungen aufnahm. Im Rahmen dieses Ermittlungsverfahren wurde Litwinenkos Bruder Maxim am Montag vernommen. Anlässlich der möglichen italienischen Spur im Fall Litwinenko wurde bislang kein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Vor diesem Hintergrund reift in Italien offenbar ein politischer Skandal heran. Am Montag ordnete Innenminister Giuliano Amato Ermittlungen zur möglichen Verwicklung der italienischen Polizei und des Auslandsgeheimdienstes in die Tätigkeit der Mitrochin-Kommission an. Der Grund dafür war ein Interview des ehemaligen sowjetischen Geheimagenten Jewgeni Limarew, der Litwinenko persönlich kannte, gegenüber der Zeitung "La Repubblica". Limarew erklärte nämlich, dass Mitglieder der Mitrochin-Kommission kompromittierendes Material gegen italienische Politiker gesammelt haben.

Die Mitrochin-Kommission wurde im Frühjahr aufgelöst. Eine ihrer Arbeitsgruppen blieb laut Limarew bestehen. Diese Gruppe hatte angeblich das Ziel, Dokumente zu sammeln, welche Beziehungen von linken Parteien Italiens mit dem sowjetischen Geheimdienst KGB und dessen Nachfolgerorganisation FSB nachweisen. "Nummer eins in der Liste war Romano Prodi", sagte Limarew gegenüber "La Repubblica". Auch der gegenwärtige Außenminister Massimo d'Alema und Umweltminister Alfonso Pecoraro Scanio haben laut Limarew im Visier der Kommission gestanden.

Der Vorsitzende der Mitrochin-Kommission Guzzanti bezeichnete Limarews Äußerungen als Lüge und drohte mit einem Gerichtsprozess wegen "Verleumdung". Er kenne weder Limarew noch Litwinenko, sagte Guzzanti.

Doch die Umgebung von Romano Prodi gab sich mit Guzzantis Gegenäußerung nicht zufrieden. Die für EU-Angelegenheiten zuständige Ministerin Emma Bonino schlug vor, die Angelegenheit in einer Regierungssitzung zu erörtern.

Die Mitglieder der Parlamentskommission für Geheimdienstaufsicht (Copaco) wollen Paolo Guzzanti, Mario Scaramella und Innenminister Amato persönlich anhören. Auch die britische Polizei Scotland Yard, die im Fall Litwinenko ermittelt, möchte Scaramella verhören.

Der Ex-Offizier des russischen Geheimdienstes FSB Alexander Litwinenko war im Jahre 2000 nach Großbritannien geflüchtet. Am 23. November starb er nach einem mutmaßlichen Giftanschlag in einer Londoner Universitätsklinik. Es liegt noch kein medizinisches Gutachten zur Todesursache vor.

Mitarbeiter der britischen Gesundheitsbehörde wiesen in Litwinenkos Leiche Spuren von Polonium-210 nach. Weitere Strahlungsspuren wurden dann auch an den Orten entdeckt, die Litwinenko am 1. November besucht hatte - im Restaurant Itsu und im Hotel Millennium im Zentrum von London sowie in Litwinenkos Wohnhaus im nördlichen Stadtgebiet Muswell-Hill.

Am Montag wurden Polonium-210-Spuren auch in dem Gebäude aufgespürt, in dem sich das Londoner Büro des flüchtigen russischen Unternehmers Boris Beresowski, eines Gönners von Litwinenko, befindet. [ RIA Novosti ]