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30-11-2006 Alexander Litvinenko
Litvinenko Freund im ARD-Morgenmagazin: Putin vermutlich nicht direkt in Tod verwickelt
Einer der beiden Russen, die mit dem verstorbenen Ex-Spion Alexander Litvinenko am Tag von dessen Erkrankung zusammengetroffen sind, war an Bord eines der beiden British-Airways-Flugzeuge, die Spuren des radioaktiven Polonium 210 aufweisen.






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Der Geschäftsmann und ehemalige KGB-Agent Andrej Lugowoi sagte der Zeitung "Kommersant", er sei am 3. November in einer der Maschinen von London nach Moskau geflogen, wie das Blatt am Donnerstag auf seiner Internetseite berichtete. Mit der mutmaßlichen Vergiftung Litvinenkos habe er jedoch nichts zu tun, sagte Lugowoi. Bei jedem, der mit dem Verstorbenen zusammengetroffen sei, ließen sich vermutlich radioaktive Spuren finden.

Aufruf an BA-Passagiere:
Nach dem Polonium-Fund an Bord von British- Airways-Maschinen will die Fluggesellschaft nun Kontakt zu tausenden Passagieren aufnehmen, die mit den sichergestellten Flugzeugen unterwegs waren. Betroffen sind auch mehrere Flüge zwischen London und Düsseldorf sowie Frankfurt.

Die Passagiere folgender Flüge sind aufgerufen, sich zu melden: BA 916, 26. Oktober und 2. November, von London-Heathrow nach Frankfurt BA 901 am 27. Oktober und 3. November von Frankfurt nach London.

Auf der Strecke London-Düsseldorf sollen die Flüge BA 936 und BA 937 vom 30. Oktober, 6., 8., 9., 11., 13., 18., 19., 24., 25. und 27. November überprüft werden.

Betroffene können sich unter der Telefonnummer 0044 - 191 - 211 3690 melden oder sich im Internet unter www.britishairways.com informieren.

Lugowoi hatte in der vergangenen Woche dem Rundfunksender Moskauer Echo gesagt, er habe Litvinenko gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Dimitri Kowtun am 1. November in einem Hotel in London getroffen, um dort Geschäftliches zu besprechen. Litvinenko war am selben Tag erkrankt. Der Kreml-Kritiker starb am 23. November. In seinem Urin wurden Spuren des radioaktiven Polonium 210 nachgewiesen. Die Leiche des ehemaligen russischen Geheimagenten soll am Freitag obduziert werden. Am Mittwoch wurde bekannt, dass auch in zwei Passagiermaschinen der Fluggesellschaft British Airways radioaktive Rückstände entdeckt worden waren.Die dritte Maschine befindet sich derzeit im Moskauer Flughafen Domodedowo. Die drei Maschinen wurden auf Antrag der Regierung zwecks Gerichtsuntersuchung aus dem Verkehr gezogen.

Auf der Internetseite der Fluggesellschaft wurde eine Liste von insgesamt mehr als 220 Flügen veröffentlicht, die diese drei Maschinen im vergangenen Monat absolviert haben. Im November sind die Maschinen u. a. nach Moskau, Düsseldorf, Frankfurt, Stockholm, Wien, Larnaka, Athen und Istanbul geflogen. Die Passagiere, die im zurückliegenden Monat mit diesen Maschinen geflogen sind, werden gebeten, sich mit der Fluggesellschaft bzw. mit Gesundheitsbehörden in Verbindung zu setzen.

"Die ersten Ergebnisse der Gerichtsuntersuchung haben äußerst unbedeutende Spuren eines radioaktiven Stoffs an Bord von zwei der drei Maschinen gezeigt", heißt es in der Erklärung der Fluggesellschaft. "Das Gesundheitsrisiko für die Menschen wird als niedrig bewertet."

Eine Expertengruppe soll demnächst nach Moskau fliegen, um die 3. Maschine zu untersuchen, teilte BBC mit. Wie allerdings die Pressesprecherin der British Airways, Becky Livingstone, gegenüber RIA Novosti mitteilte, soll die Maschine zu den Untersuchungen nach London geflogen werden.

Der russische Filmemacher Andrej Nekrasow, der mit Litvinenko befreundet war, sagte am Donnerstag im ARD-Morgenmagazin, für ihn liege auf der Hand, dass diese Spuren vom Transport radioaktiven Materials aus Russland stammten. Im Unterschied zu Litvinenko glaube er jedoch nicht, dass der russische Präsident Wladimir Putin persönlich die Vergiftung des Kreml-Kritikers angeordnet habe, sagte Nekrasow. In Russland gebe es einen Machtkampf zwischen zwei Lagern - dem der reichen "Technokraten" und dem um den Geheimdienst FSB. Er glaube, dass jedes dieser Lager Lager hinter dem Tod Litvinenkos stecken könne. Dennoch trage Putin die politische Verantwortung, weil er es nicht schaffe, die kriminellen Machenschaften in die Schranken zu weisen.