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01-12-2006 Alexander Litvinenko
Polonium 210 - Eine todbringende Substanz die man überall finden kann?
Polonium ist ein stark radioaktives Element. Wegen seiner Alpha-Strahlung wird es häufig in der Forschung und Medizin, aber auch beim Militär verwendet. Unter anderem dient es als Heizmittel für die Triebwerke in Raumfähren. Außerhalb militärischer und wissenschaftlicher Kreise ist es nur selten zu finden.



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In der Natur - in Luft und Boden - kommt Polonium nur in sehr schwachen Dosen vor. Bekannt sind Isotope mit einer Massenzahl zwischen 192 und 218. Polonium 210, auch Radium F genannt, ist das einzige Isotop, das in der Natur vorkommt. Dieses Isotop wurde in der Leiche des in London ermordeten russischen Ex-Spions Alexander Litvinenko nachgewiesen.

Polonium gehört zu den seltensten Elementen überhaupt: In zehn Gramm Uran ist maximal ein Milliardstel Gramm Polonium eingebunden. Für den Menschen ist Polonium schon in kleinen Dosen hoch giftig und löst irreparable Schäden an Nieren, Leber und Milz aus.

1898 entdeckte die Wissenschaftlerin Marie Curie Polonium das neue Element und benannte es nach ihrem Heimatland Polen. Für ihre Studien zur Radioaktivität und die Entdeckung von Polonium und Radium erhielten Curie und ihr Ehemann Pierre gemeinsam mit dem französischen Forscher Antoine Becquerel 1903 den Nobelpreis für Physik. Wie so viele Radiologen ihrer Zeit starb Marie Curie 1934 an den Folgen ihrer Arbeit mit 67 Jahren an Krebs.

Polonium ist das erste Element, das durch seine Radioaktivität nachgewiesen wurde. Durch die Strahlung leuchtet im Dunkeln die umgebende Luft hellblau auf. Polonium hat eine Halbwertzeit von 138 Tagen; nach gut drei Monaten hat es also die Hälfte seiner Radioaktivität verloren.

Ex-Atomminister Adamow: Polonium kann man sogar im Brot finden

Das radioaktive Polonium, womit wahrscheinlich der ehemalige Mitarbeiter des Föderalen Sicherheitsdienstes (FSB) Alexander Litwinenko vergiftet worden ist, kann ein Mensch ohne chemische Ausbildung produzieren. Das erklärte Jewgeni Adamow, Ex-Minister für Atomenergie der Russischen Föderation, vor RIA Novosti.

"Polonium wird nirgendwo aktiv genutzt. Aber es gibt keine Probleme mit seiner Produktion. Es kann sogar ein Mensch ohne chemische Ausbildung herstellen", sagte er. Ihm zufolge ist das Verfahren zur Produktion von Polonium derart einfach, dass es unerwünscht ist, es in Massenmedien bekannt zu geben. Denn das kann zu einer Instruktion wenn nicht für Terroristen, so für destruktive Elemente werden.

"Man muss nicht die ganze Welt in eine Kommunalküche verwandeln, wo man statt Salz alles, was Sie wollen, hineinschütten kann", fügte der Ex-Atomminister hinzu. Laut ihm kann man Menschen und unterschiedliche Gegenstände auf radioaktive Strahlung an verschiedenen Orten untersuchen.

"Ich erlaube mir zu behaupten, dass man Polonium in jedem Stück Brot finden kann. Aber in diesen Mengen stellt es keine Gefahr für das Leben dar. Wenn Polonium einfach auf dem Tisch liegt, so ist es unschädlich", erläuterte der Experte.

Polonium kann eine Vergiftung nur bei der Berührung mit Metall und bei der Verdunstung auslösen. "Polonium ist zweifellos sehr toxisch und das stärkste Gift. Wenn es in die Speiseröhre gelangt, so bestrahlt es ununterbrochen den ganzen Organismus", betonte Adamow.

Der Ex-Atomminister steht unter Anklage im Zusammenhang mit Betrug und Amtsmissbrauch.

Der ehemalige FSB-Mitarbeiter Litwinenko, der 2000 nach Großbritannien geflohen war und im Oktober dieses Jahres die britische Staatsbürgerschaft bekam, starb am 23. November im Universitätskrankenhaus in London.

Die Spezialisten der britischen Gesundheitsbehörde behaupten, an seinem Körper Spuren des radioaktiven Elements Polonium-210 gefunden zu haben. Später wurden solche Spuren auch an Orten entdeckt, die Litwinenko besucht hatte: im Restaurant Itsu und im Hotel Millennium im Zentrum von London sowie im Büro Boris Beresowskis und in Bürogebäuden in der Grosvenor Street und auch in Litwinenkos Wohnhaus in Muswell-Hill im Norden der britischen Hauptstadt.

Die British Airways teilten am Mittwoch mit, dass in zwei ihren Boing-767-Maschinen die Spuren einer unwesentlichen radioaktiven Verseuchung entdeckt wurden. [ RIA Novosti  /afp / russland.RU ]