russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.



24-11-2006 Alexander Litvinenko
Litvinenko angeblich durch radioaktive Substanz Polonium vergiftet
Nach dem Tod des ehemaligen russischen Spions Alexander Litvinenko haben sich die Hinweise auf eine Vergiftung durch radioaktives Material verdichtet. Im Urin des Verstorbenen seien "große Mengen" Alphastrahlung, "möglicherweise ausgelöst durch eine Substanz namens Polonium 210", gefunden worden, sagte der Strahlenexperte Roger Cox von der britischen Behörde für Gesundheitsschutz (HPA) am Freitag in London.



Werbung


Ohne Kommentar
Raucher strahlen von innen
Ein starker Raucher (20-40 Zigaretten täglich) verpasst seinen Bronchien pro Jahr die gleiche Strahlenmenge, die bei 250 Röntgenaufnahmen der Lunge entstehen würde. Für die Radioaktivität im Tabak ist vor allem das natürlich vorkommende Isotop Polonium 210 verantwortlich, wie neue Untersuchungen in den USA eindeutig festgestellt haben. Polonium, das schwerste Element der 6. Hauptgruppe, zerfällt unter Alpha-Strahlung; die Halbwertzeit von Polonium 210 beträgt 138,4 Tage. Es verflüchtigt sich in der brennenden Zigarette bei 600 bis 800 Grad Celsius. 30 bis 50 Prozent des Stoffes gelangen so in den inhalierten Rauch. Die strahlenden Teilchen setzen sich hauptsächlich in den äußeren Lungengeweben, vor allem in den Schleimhäuten der Bronchien, fest. Bei Rauchern ist die dort gemessene Radioaktivität bis zu hundertmal höher als im Rest der Lunge.

Die Wissenschaftler sind überzeugt, dass die Strahlendosis von 80 rem, die ein durchschnittlicher Raucher in zehn Jahren aufnimmt, zum Wuchern von bösartigen Tumoren führen kann. Untersuchungen zufolge gelangt das Polonium sowohl über den Phosphatdünger als auch über die Luft in die Tabakpflanze.

[Quelle:Rauchstoppzentrum]
Litvinenko war am Donnerstagabend nach dreiwöchigem Überlebenskampf gestorben. In einem Abschiedsbrief machte er Russlands Präsident Wladimir Putin für seine tödliche Erkrankung verantwortlich. Putin sprach von einer "politischen Provokation".

HPA-Chefin Pat Troop sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Strahlenexperten Cox, der Fall Litvinenko sei ein "bislang einmaliges Ereignis". Niemals zuvor sei in Großbritannien ein Mensch vorsätzlich mit radioaktivem Material vergiftet worden. Litvinenko habe eine hohe Strahlendosis aufgewiesen. Er habe die Substanz entweder gegessen, eingeatmet oder über eine Wunde aufgenommen. Zu klären, wie die Substanz in seinen Körper gelangte, sei jedoch Sache der Polizei, betonte Troop. Polonium, das 1898 von der Forscherin Marie Curie entdeckt wurde, ist schon in winzigen Dosen hoch giftig und löst irreparable Schäden an Nieren, Leber und Milz aus.

Die Londoner Polizei suchte am Freitag an verschiedenen Orten in der Stadt nach radioaktiven Substanzen. Fernsehbilder zeigten Experten in weißen Schutzanzügen, die unter anderem in der Nähe von Litvinenkos Haus im Einsatz waren. Den bisherigen Ermittlungen zufolge hatte sich Litvinenko am 1. November, dem Tag seiner Erkrankung, mit zwei Russen zum Tee in einem Hotel in der Londoner Innenstadt getroffen. Anschließend traf er einen italienischen Bekannten in einem Sushi-Restaurant.

HPA-Chefin Troop sagte dem Sender Sky News, die Polizei habe in dem Restaurant und in dem Hotel "geringe Mengen" radioaktiven Materials gefunden. Das Risiko für die Öffentlichkeit sei gering. Die Polizei wollte diese Angaben nicht kommentieren.

Putin äußerte sich nach dem EU-Russland-Gipfel in Helsinki zu Litvinenkos Vorwurf, er sei schuld an der tödlichen Erkrankung. "Leider werden tragische Ereignisse wie der Tod für politische Provokoationen genutzt", sagte Putin. Es gebe keinen Grund, über die Todesursachen zu spekulieren. Der russische Präsident bezweifelte die Echtheit des Briefes, den Litvinenkos Freund und Sprecher Alex Goldfarb nach dem Tod verlas: "Wenn dieser Brief wirlich existiert, frage ich mich, warum er nicht verlesen wure, als er noch lebte."
Polonium 210
Polonium 210Das Forscherehepaar Marie und Pierre Curie entdeckten das Element im Jahre 1898 bei der Untersuchung der aus Joachimsthaler Pechblende abgetrennten Bismutfraktion. Polonium gehört zu den Chalkogenen und beschließt die VI. Hauptgruppe. Auf der Erde ist es äußerst selten, da es nur als Zwischenprodukt in natürlichen Zerfallsreihen vorkommt. In 2500 Tonnen Radium findet man knapp ein Gramm Polonium-210.

Eigenschaften

Polonium ist ein radioaktives, silbriges Metall mit kubischer oder rhomboedrische Struktur. In Gegenwart von Luft überzieht es sich rasch mit einer dünnen, grauen Oxidschicht. Von Säuren wird es gelöst. In seinem chemischen Verhalten steht es Tellur und Bismut nahe.

Isotope


Alle Isotope sind instabil und radioaktiv. Insgesamt gibt es 27 Radionuklide, die überwiegend a-Strahler sind. Die längste Halbwertszeit hat Po-209 mit 102 Jahren und am schnellsten zerfällt Po-213 (4,2 micro;s). Für die Forschung ist vor allem Polonium-210 (HWZ.: 138 Tage) von Interesse, da es von allen Isotopen des Elements am leichtesten erhältlich ist.

Verwendung


Polonium kann heute in Kernreaktoren künstlich durch Neutronenbeschuß von Bismut hergestellt werden. Technisch hat es allerdings praktisch keine Bedeutung. Es wird vorwiegend in der Forschung als Quelle für a-Strahlung eingesetzt.
Er hoffe, "dass die britischen Behörden nicht dazu beitragen, politischen Skandalen Futter zu geben, die nichts mit der Reakität zu tun haben". Die russischen Behörden seien bereit, die Ermittlungen zu unterstützen. Das britische Außenamt erklärte, der Fall Litvinenko sei bei "Routinetreffen" mit russischen Botschaftsvertretern in London angesprochen worden.

In dem Abschiedsbrief, den der Todkranke am Dienstag diktierte, heißt es an die Adresse Putins: "Sie haben es geschafft, einen Mann zum Schweigen zu bringen". "Aber der Protest aus aller Welt, Herr Putin, wird für den Rest des Lebens in Ihren Ohren nachhallen." Putin habe sich "so barbarisch und rücksichtlos" gezeigt, wie seine ärgsten Feinde ihn dargestellt hätten.

Litvinenko, einstmaliger Agent des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, hatte sich nach seinem Ausstieg zum erbitterten Kreml-Gegner gewandelt. Unter anderem untersuchte er den Tod der regierungskritischen Journalistin Anna Politkowskaja.