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01-12-2006 Alexander Litvinenko
US-Experte über Polonium-210: "Es gibt zuverlässigere Mittel, Menschen umzubringen"
Die Föderale Atomregelungskommission der USA (Nuclear Regulatory Commission) hat am Donnerstag erklärt, dass das Polonium-210, das in der USA frei verkauft wird, keine Gefahr darstellt. Der Sprecher der Kommission David McIntyre sagte gegenüber dem Fernsehsender ABC, dass weder die im Internet frei verkauften Muster von Polonium-210-Isotopen noch die im Einzelhandel erwerblichen Antistatikgeräte, die das radioaktive Element enthalten, gefährlich seien.





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"Wenn sie so ein Gerät auseinandernehmen, wird es zu kompliziert, jegliche Menge davon (von Polonium-210) auszusondern, und es ist trotzdem harmlos", sagte McIntyre. Er betonte dabei, dass die Antistatiker, die auf dem amerikanischen Markt verkauft werden, als Quelle für radioaktives Polonium-210 für die Vergiftung eines Menschen kaum in Frage kommen.

Der Vertreter der Atomregelungskommission teilte mit, dass die Polonium-210-Muster, die von dem amerikanischen Unternehmen United Nuclear und anderen ähnlichen Lieferanten für Lernzwecke im Internet verkauft werden, auch harmlos seien.

Am Donnerstag hieß es in einer Pressemitteilung von United Nuclear, dass die Polonium-210-Muster eine so geringe Menge des Stoffes enthalten, dass für eine tödliche Dosis circa 15 000 Muster eingekauft werden müssen.

Bei einem Preis von 69 Dollar pro Muster müsste so ein Kauf mehr als eine Million Dollar kosten. Das würde wiederum Alarm hervorrufen, sowohl wegen der riesigen Summe als auch wegen der großen Menge von Bestellungen, da die Firma gewöhnlich nicht mehr als ein bis zwei Muster in drei Monaten verkauft.

Doch Michael Levy, Experte für Wissenschaft und Technik im politologischem Rat für internationale Beziehungen, den ABC um einen Kommentar bat, hält die Aussonderung von Polonium-210 aus den frei verkäuflichen Mustern und Apparaten für nicht so schwer. Mit chemischen Grundkenntnissen und frei verkaufter Ausrüstung im Wert von ein paar hundert Dollar kann jeder Polonium-210 gewinnen, zumal "die Verkäufer die Konstruktion ihrer Vorrichtungen im Internet zeigen", sagte er.

Dabei bezweifelte Levy die Behauptungen der englischen und amerikanischen Massenmedien, dass Polonium-210 nur in den kompliziertesten Laboren der Kernforschungskomplexe gewonnen werden kann.

"Die Idee, dass Sie dafür Zugang zu einem russischen Atomkomplex haben müssen, ist dumm", sagte Levy. Er stimmt aber mit den Experten überein, die sich über die Wahl von Polonium-210 als Gift wundern.

"Es gibt bestimmt besser bewährte und zuverlässigere Mittel, Menschen umzubringen. Es lohnt sich nicht, Polonium zu fürchten, weil es eine Menge anderer Mittel gibt, die der Mörder dem Opfer unbemerkt ins Getränk schütten kann", sagte Levy.

Spuren des radioaktiven Stoffs Polonium-210 wurden von Fachleuten des britischen Gesundheitsdienstes in der Leiche des Ex-FSB-Offiziers Alexander Litwinenko entdeckt, der am 23. November im Krankenhaus des Londoner University College starb. Dann wurden Spuren von Polonium an den Orten entdeckt, die Litwinenko besuchte: Im Restaurant Itsu und Millennium Hotel im Londoner Stadtzentrum, im Büro von Boris Beresowski, in den Bürogebäuden in der Grosvenor Street und seinem Haus in Muswell Hill im Norden der britischen Hauptstadt. [ RIA Novosti ]