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02-12-2006 Alexander Litvinenko
Die Phantasie der modernen Vergifter kennt keine Grenzen
Der Tod des Ex-FSB-Offiziers Alexander Litwinenko zog viele Gespräche erst über Tallium, dann über Polonium-210, wie sie gewonnen und verwendet werden können, nach sich. Doch, wie die Zeitung "Rossiiskaja Gaseta" schreibt, sind diese beiden Elemente bei weitem nicht die beliebtesten im Menü der Vergifter, die ihre schwarzen Taten seit Jahrtausenden verüben.



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Arsen kann mit Sicherheit zu den ältesten Giften auf dem Planeten gerechnet werden. Damit vergifteten Übeldenkende noch vor Jahrtausenden die ägyptischen Pharaohs, und seitdem wurde es in den verschiedensten Zeitaltern und historischen Bedingungen erfolgreich angewandt.

Zu den bekanntesten Vergiftungen im Zarenrussland zählt zweifellos das Verbrechen des jungen Fürsten Felix Jussupow, der 1916 Grigori Rasputin umbrachte. "Das böse Genie der Zarenfamilie" bekam Kuchen mit Zyankali aufgetischt. Doch das Gift wirkte aus einem unbekannten Grunde nicht, und Jussupow musste dem Alten mit einem Axt den Rest geben und in der Newa ertränken.

Das Sowjetrussland hatte viele Feinde, deshalb nahmen die neugeborenen Straforgane der Arbeiter- und Bauernrepublik die Gifte der ausländischen Geheimdienste in ihr Arsenal auf. Ein Führer der monarchistischen "weißen Bewegung", General Pjotr Wrangel, starb am 25. April 1928 in seiner belgischen Emigration plötzlich an einem unbekannten Gift.

1959 schoss ein Geheimagent des KGB auf den ukrainischen Nationalistenführer Stepan Bandera mit einer vergifteten Kugel. Sein Tod hätte für immer ein Geheimnis bleiben können, wäre der Agent nicht selber bei der deutschen Polizei mit einem Bericht, wie alles war, erschienen.

Eine der bekanntesten Operationen der Geheimdienste ist die Beseitigung des bulgarischen Dissidenten Georgi Markow 1978 in Londoner Flughafen. Ein Unbekannter stieß den Bulgaren in der Menschenmenge scheinbar zufällig mit einem Regenschirm an und stach ihn dabei ins Bein. Die Schirmspitze war mit dem Gift Rizin bearbeitet. Es ist sehr wirksam, wird aber bei der Obduktion des Opfers leicht bemerkbar, was bals auch ans Licht kam.

Eine Reihe von skandalösen Giftmorden fing 1994 mit dem Tod des bekannten russischen Bankiers Iwan Kiwelidi an. Er wurde von Unbekannten umgebracht, die seinen Telefonhörer mit Gift bearbeiteten. Die genaue Zusammensetzung des Giftes wurde nie festgestellt, es steht nur fest, dass es ein nervenparalysierender Stoff vom Typ Sarin war. Und der war dermaßen toxisch, dass gleich nach dem ersten Anruf nicht nur der Bankier, sondern auch seine Sekretärin starben.

Im September 2005 kam der einflussreiche Sankt Petersburger Geschäftsmann Roman Zepow ums Leben. Sein Tod wurde zu einer der spektakulärsten Vergiftungen unserer Zeit. Offiziell wurde seine Todesursache gar nicht festgestellt. Die Ärzte konnten nur informell eine vorsichtige Meinung äußern: Er wurde durch ein radioaktives Element vergiftet. Die Strahlung in seiner Leiche war millionenfach höher als zulässig.

Doch die Vergifter ziehen bislang primitivere Mordarten vor. Als Beispiel kann der berühmteste, doch davon nicht besser verständliche Fall des ukrainischen Präsidenten Juschtschenko dienen, dem etwas zum Essen dazugemischt wurde. So glaubt jedenfalls das Opfer selber. Die ukrainischen Ärzte glauben, dass es Dioxin war, nach dem das Gesicht des Präsidenten ganz mit Geschwüren bedeckt ist.

Eine Vergiftung, die in einer Sonderoperation der russischen Geheimdienste erfolgte, erregte vor zwei Jahren Aufsehen. Der bekannte Terrorist Chattab wurde durch ein unbekanntes Gift aus dem Leben geschaffen. Den zuvor unverletzlichen arabischen Söldner konnten die Geheimdienste holen, indem sie ihm durch einen Kurier einen vergifteten Brief, angeblich von einem arabischen Scheich, zuleiteten. Das Gift wirkte mit dem Schweiß seiner Hände zusammen, wonach er binnen zwei Tagen leise starb.

Der georgische Premierminister Surab Schwanija wurde auf einem geheimen Treffpunkt in Tiflis tot aufgefunden. Anfänglich hegte die Öffentlichkeit nicht einmal einen Verdacht auf bösen Willen. Alles sah so aus, als ob der Minister wegen falschem Umgang mit einem iranischen Ofen an Kohlenoxyd erstickt wäre.

Doch die unabhängige Ermittlung seiner Todesursache durch amerikanische Geheimdienste gab ein ganz anderes Ergebnis: Schwanija wurde in einer raffinierten Weise ermordet. Der Premier bekam Eisenpentacarbonyl, das aus Eisen- und Kohlenoxyd-Komponenten besteht, in den Wein gegossen. Selbst ein kleiner Tropfen davon genügt, damit das Eisen im Organismus freigesetzt wird und das Kohlenoxyd seine Giftfunktion zeigt. Danach kann der Mörder den Ofen anmachen und seine Tat vertuschen. [ RIA Novosti ]