russland.RU berichtet in Wort und Bild aus Russland und über Russland. Ungebunden, unabhängig und überparteilich. Ohne Vorurteile und Stereotypen versucht russland.RU Hintergründe und Informationen zu liefern um Russland, die Russen und das Leben in Russland verständlicher zu machen. Da wo die großen Verlage und Medienanstalten aufhören fängt russland.RU an.



24-11-2006 Alexander Litvinenko
Der Fall Litvinenko - Tee, Thallium, ein langsamer Tod und Anschuldigungen an Putin
Der vergiftete russische Ex-Spion Alexander Litvinenko ist nach dreiwöchigem Siechtum gestorben. Ein Überblick über den mysteriösen Fall, dessen Hintergründe im Dunkeln liegen:

1. November: Litvinenko ist mit einem Russen in einem Londoner Hotel zum Tee verabredet. Laut Ermittlungen trifft er statt auf den Erwarteten auf einen Unbekannten, der sich ihm als "Vladimir" vorstellt.



Werbung


Obwohl dieser seine Identität nicht preisgibt, trinken beide Männer Tee miteinander. Später soll Litvinenko sich mit einem italienischen Wissenschaftler in einer Sushi-Bar getroffen haben. Kurz darauf trifft sich der tschetschenische Rebellensprecher Achmed Sakajew mit Litvinenko. Der britischen Zeitung "Guardian" sagt Sakajew, der Ex-Agent habe "sehr interessante Informationen" über den Mord an der russischen Journalistin Anna Politkowskaja erhalten. Kurz darauf erkrankt Litvinenko.

16. November: Die britische Polizei wird informiert, dass Litvinenko mit lebensbedrohlichen Symptomen im Krankenhaus von Barnet liegt.

17. November: Kreml-Kritiker Litvinenko wird in die Londoner Universitätsklinik verlegt.

19. November: Britische Zeitungen berichten über eine Vergiftung des Ex-Spions. Der Toxikologe John Henry geht von einer Vergiftung mit Thallium aus. Ein Gramm des Schwermetalls kann beim Menschen bereits tödlich wirken.

20. November: Die Polizei ermittelt wegen Vergiftung. Die Anti-Terror-Abteilung von Scotland Yard schaltet sich ein. Litvinenko wird im Krankenhaus unter Polizeischutz gestellt und auf die Intensivstation verlegt. Der russische Geheimdienst weist Anschuldigungen zurück, er habe mit der Sache etwas zu tun.

21. November: Toxikologe Henry zieht eine Vergiftung Litvinenkos durch radioaktives Thallium in Betracht. Litvinenko wird tagelang von der Polizei vernommen. Der italienische Bekannte aus der Sushi-Bar meldet sich zur Wort und bezeichent sich und Litvinenko geheimnisvoll als hoch gefährdete Personen.

22. November: Litvinenkos Vertrauter Alex Goldfarb spricht von einer ernsthaften Verschlechterung des Gesundheitszustandes Litvinenkos nach plötzlichem Blutdruckabfall und einem möglichen Herzstillstand.

23. November: Der Chef der Intensivmedizin an der Uniklinik, Geoff Belligan, nennt Litvinenkos Zustand lebensbedrohlich. Die Ärzte rätseln weiter über die Ursachen der Erkrankung, glauben aber nicht mehr an eine Thallium-Vergiftung; auch eine radioaktive Substanz schließen sie aus. Litvinenko stirbt um 21.21 Uhr Ortszeit (22.21 Uhr MEZ). Sein Freund und Sprecher Goldfarb hatte in der Nacht in der BBC von einem plötzlichen Blutdruckabfall und einem möglichen Herzstillstand gesprochen.

Litvinenko machte Putin für seinen Tod verantwortlich

Der frühere russische Agent Alexander Litvinenko hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin in einem posthum veröffentlichten Schreiben persönlich für seinen Tod verantwortlich gemacht.

Litvinenko gab in dem Brief, den sein Freund und Sprecher Alex Goldfarb am Freitag vor Journalisten in London verlas, Putin die Schuld für den mutmaßlichen Giftanschlag.

Russland: Britische Polizei soll nach Agenten-Tod ermitteln

Nach dem rätselhaften Tod des früheren russischen Agenten Alexander Litvinenko soll sich nach Ansicht von Russland die britische Polizei um Aufklärung bemühen. "Der Tod ist immer eine Tragödie", sagte ein russischer Regierungssprecher am Freitag am Rande des Gipfeltreffens zwischen Russland und der EU in Helsinki. "Jetzt müssen die zuständigen britischen Behörden ermitteln." Ob Russland die Vorwürfe untersuchen werde, wonach der russische Geheimdienst in Litvinenkos Tod verwickelt ist, könne er derzeit nicht sagen.

Der 43-jährige Litvinenko war ein erklärter Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er hatte im Jahr 2001 in Großbritannien politisches Asyl beantragt und unlängst die britische Staatsbürgerschaft erhalten.