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02-12-2006 Alexander Litvinenko
Litvinenko-Fall: Scaramella-Memo legt Fährte zu russischem Auslandsdienst
In der Vergiftungsaffäre um den Ex-Spion Alexander Litvinenko gibt es einem Zeitungsbericht zufolge neue Hinweise auf eine mögliches russisches Geheimdienst-Komplott. Die Zeitung "Daily Telegraph" druckte am Samstag Auszüge aus einem Dokument, das Litvinenko-Kontaktmann Mario Scaramella dem drei Wochen später an einer Vergiftung mit radioaktivem Polonium 210 verstorbenen Russen übergeben haben soll.





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Darin ist von einer Todesliste des russischen Auslandsgeheimdienstes (SVR) die Rede, auf der auch Litvinenko und Scaramella stünden. Der nach einem positiven Polonium-Test ebenfalls ins Krankenhaus eingewiesene Scaramella ist laut Zeitungsberichten dem Tod geweiht.

In dem vom "Daily Telegraph" veröffentlichten Memo heißt es, russische Geheimdienstagenten und eine Veteranen-Gruppe namens "Würde und Ehre" seien auf "Russlands Feind Nummer 1" Beresowski und seinen "Waffenbruder" Litvinenko angesetzt. Die Gruppe werde von einem Oberst Welentin Welitschko geführt. Außerdem stehe dem Memo zufolge auch Scaramellas Landsmann, der italienische Senator Paolo Guzzanti, auf der Liste. Scaramella werde als "MS", Guzzanti als "PG" geführt. Guzzanti leitet einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss in Rom, der sich mit der Tätigkeit sowjetischer Geheimdienste in Italien befasste.

"Die Namen von MS und PG werden oft erwähnt in vertraulichen Gesprächen zwischen Geheimdienstoffizieren, die im SVR, Kreml und im Verband der 'SVR Veteranen Würde und Ehre' arbeiten", zitierte die Zeitung aus dem Dokument. Ihre Aktivitäten stünden den russischen Interessen entgegen. Das Memo wurde demnach von Jewgeni Limarew verfasst, einem in der Schweiz lebenden Spezialisten für die Zusammenstellung solcher Einsatzgruppen. Limarews Vater habe in den 70er Jahren für den KGB gearbeitet. Laut "Guardian" wird in dem Papier der im britischen Exil lebende Wladimir Bukowsky als fünfte Zielperson genannt.

Iwanow: Geheimdienst hatte kein Motiv für Mord an Litvinenko

Der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow hat Hypothesen über eine Verwicklung der Geheimdienste seines Landes in den Mord an dem russischen Ex-Agenten Alexander Litvinenko zurückgewiesen. Er sehe keine "logischen" Begründungen dafür, dass der frühere sowjetische Geheimdienst KGB oder sein Nachfoger, der russische FSB, hinter der Vergiftung Litvinenkos stecken könne, sagte Iwanow nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax in einem am Samstag ausgestrahlten Interview.

Grund für Spekulationen, darunter in westlicher Presse, dass der lange Arm des FSB dahinter stecke", sagte Iwanow in einem am Samstag vom russischen Sat-Fernsehen ausgestrahlten Interview für den arabischen Sender El Dschasira. Es stimme nicht, dass Litvinenko als exponierter Aufklärungs-Agent viel gewusst habe.

Zugleich sagte Iwanow, dass alle Umstände des Todes Litvinenkos gründlich untersucht werden müssten. Er sei sicher, dass entsprechende Rechercen angestellt würden. Russland sei bereit, jede mögliche Hilfe zur Aufklärung des Falls zu leisten.

Der am Freitagabend nach einem positiven Polonium-210-Befund in die Londoner Universitätsklinik eingelieferte Scaramella hat laut britischen Presseberichten kaum Überlebenschancen. Die Ärzte gingen davon aus, dass die Überlebenschancen des Italieners "praktisch bei null" lägen, berichtete der "Daily Mirror" unter Berufung auf Polizeikreise. Die Ärzte hielten es "für ein Wunder", sollte Scaramella überleben. Die Zeitung "The Sun" berichtete, Scaramella sei "schwer krank"; laut "Daily Mail" schwebte der Italiener "in Lebensgefahr".

Zur Gefährdung Scaramellas gingen die Einschätzungen weit auseinander. Während ein Sprecher der britischen Gesundheitsbehörde HPA am Freitag von einer möglicherweise gesundheitsgefährdenden Polonium-Dosis gesprochen hatte, sagte ein Sprecher des Londoner University College Hospital, die bei Scaramella nachgewiesene Menge Polonium 210 sei "bedeutend" geringer als die von Litvinenko. Am Samstag sagte ein Kliniksprecher, erste Untersuchungen hätten "keine Hinweise auf Strahlungstoxizität" ergeben. Scaramella gehe es "gut".

Scaramella war einer der letzten gewesen, die Litvinenko vor seiner schleichenden Polonium-Vergiftung getroffen hatten. Er hatte den russischen Ex-Spion am 1. November in einem Londoner Sushi-Restarant getroffen, um ihm das zitierte Memo zu übergeben. Litvinenko starb am 23. November; in seinem Urin wurden große Mengen Polonium 210 gefunden.