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07-12-2006 Alexander Litvinenko
Ermittlungen in Russland: Scotland Yard behandelt Litvinenkos Tod offiziell als Mord
Die britische Polizei betrachtet den mysteriösen Tod des russischen Ex-Agenten und Kreml-Kritikers Alexander Litvinenko jetzt offiziell als Mord. Wie Scotland Yard am Mittwochabend weiter mitteilte, gibt es jedoch noch "keine Schlussfolgerung über die verwendeten Mittel, das Motiv und die Identität derjenigen, die für Litvinenkos Tod verantwortlich sein könnten".



Britische Ermittler verhören Litvinenko-Kontaktmann Kowtun

Britische Ermittler haben in Moskau einen Kontaktmann des vergifteten russischen Ex-Agenten Alexander Litvinenko verhört. Beamte von Scotland Yard und der russischen Generalstaatsanwaltschaft hätten Dimitri Kowtun am Dienstag und Mittwoch befragt, sagte sein Anwalt Andrej Romaschow.

Befragung Lugowojs Donnerstag oder Freitag

Den als Schlüsselzeugen geltenden Geschäftsmann Andrej Lugowoj sollten die Ermittler nach Angaben von Kowtuns Anwalt vermutlich am Donnerstag treffen. Lugowoj und Kowtun, ehemalige Mitglieder russischer Geheimdienste, hatten Litvinenko am Tag seiner Vergiftung in einem Hotel in London getroffen.

Lugowoj sagte der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass, er sei "offiziell" darüber informiert worden, dass das Treffen "heute im Beisein von Vertretern der russischen Staatsanwaltschaft stattfinden wird". Seine Ärzte hätten dieser "Begegnung" zugestimmt. Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti berichtete hingegen unter Berufung auf Vertraute Lugowojs, ein Verhör sei zwar geplant gewesen, Lugowoj müsse aber zunächst noch einige medizinische Unteruchungen durchlaufen. Auch die Staatsanwaltschaft wollte keinen Termin für das Verhör nennen. Der Ex-KGB-Agent wird derzeit im Krankenhaus auf eine mögliche radioaktive Vergiftung untersucht.

Lugowoj hatte Litvinenko in einem Londoner Hotel getroffen, kurz bevor dieser erstmals Symptome einer radioaktiven Vergiftung spürte. In seinem Privatflugzeug und seinem Londoner Hotelzimmer waren Spuren der radioaktiven Substanz Polonium 210 gefunden worden, mit der Litvinenko vergiftet wurde. Lugowoj beteuert jedoch seine Unschuld und gibt an, hintergangen worden zu sein.

bei russland.RU
Fall Litvinenko: Polonium als Schmugglerware?


Alexander Litvinenko Tod in London – Analysen, Meinungen, Hintergründe, Informationen bei russland.RU


In der Erklärung der Polizei heißt es, die Anti-Terror-Abteilung von Scotland Yard verfolge mehrere Spuren in Großbritannien und Russland und habe mehrere Zeugen befragt. Bislang war im Zusammenhang mit Litvinenko von einem ungeklärten Todesfall die Rede gewesen. Litwinenko starb am 23. November an dem radioaktiven Gift Polonium 210. Auf seinem Sterbebett in einem Londoner Krankenhaus hatte er zuvor den russischen Präsidenten Wladimir Putin beschuldigt, seine Ermordung in Auftrag gegeben zu haben. Der Kreml wies dies strikt zurück.

Radioaktive Spuren in britischer Botschaft in Moskau entdeckt

In der britischen Botschaft in Moskau sind schwach radioaktive Spuren festgestellt worden. Eine Expertengruppe habe Untersuchungen in der diplomatischen Vertretung abgeschlossen, es bestehe aber aber keine Gesundheitsgefahr, zitierte die russische Nachrichtenagentur Interfax einen britischen Diplomaten am Mittwoch. Die Tests seien im Zusammenhang mit den Ermittlungen zur Vergiftung des russischen Ex-Spions Alexander Litvinenko erfolgt. Am Montag waren britische Ermittler in Moskau eingetroffen.

Einer der letzten Menschen, die Litvinenko vor seiner schleichenden Vergiftung mit dem radioaktiven Stoff Polonium 210 in London getroffen hatten, war der russische Geschäftsmann Andrej Lugowoj. Lugowoj hatte erklärt, die britische Botschaft am 23. November aufgesucht zu haben. Lugowoj und Kowtun werden derzeit im Krankenhaus in Moskau auf eine mögliche radioaktive Vergiftung untersucht.

Lugowoj hatte Litvinenko am 1. November in einem Londoner Hotel getroffen, kurz bevor dieser erstmals Symptome einer radioaktiven Vergiftung spürte. In seinem Privatflugzeug und seinem Londoner Hotelzimmer waren Spuren der radioaktiven Substanz Polonium 210 gefunden worden, mit der Litvinenko vergiftet wurde. Lugowoj beteuert jedoch seine Unschuld und gibt an, hintergangen worden zu sein. Er erklärte aber, dass er den britischen Ermittlern helfen wolle und könne.

Die britischen Ermittlungen in Moskau gestalten sich schwierig. Am Dienstag hatte Generalstaatsanwalt Juri Tschaika betont, die Scotland-Yard-Ermittler dürften bei Verhören lediglich anwesend sein. Eine Auslieferung von Verdächtigen nach Großbritannien schloss Tschaika aus. Die russischen Behörden verweigern den Briten auch ein Treffen mit dem wegen Geheimnisverrats inhaftierten Ex-Agenten Michail Trepaschkin, der in einem Brief von einem angeblichen groß angelegten Komplott gegen Litvinenko berichtet hatte.

Russland soll in Litvinenko-Affäre selber untersuchen

Der stellvertretende Justizminister Wladimir Kolesnikow sprach sich in der Zeitung "Kommersant" für eine eigene russische Untersuchung der Affäre aus. "Unsere Sicherheitsbehörden dürfen den Ereignissen nicht gleichgültig gegenüberstehen."

Kontaktmann Scaramella ohne Anzeichen einer Vergiftung

Scaramella sagte mit dem Fernsehsender CNN, Bekannte hätten ihn in E-Mails gewarnt, "Geheimorganisationen aus Russland" hätten es auf Litvinenkos Leben abgesehen. Diese hätten nicht direkt den russischen Behörden unterstanden, sondern seien von "pensionierten Mitarbeitern" des Geheimdienstes FSB gesteuert. Der Italiener bezeichnete es als unwahrscheinlich, dass Litvinenko während ihres Treffens in einem Londoner Sushi-Lokal vergiftet wurde. Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörden konnte bei den 31 Beschäftigten des Lokals keine radioaktive Verseuchung festgestellt werden.

Der Italiener wurde inzwischen aus dem Krankenhaus in London entlassen, wo er seit der Entdeckung geringer Mengen von Polonium 210 behandelt wurde. Nach Angaben der Ärzte wurden keine Anzeichen auf eine radioaktive Vergiftung gefunden. Litvinenko war am 23. November an radioaktiver Vergiftung gestorben. Er soll am Freitag nach muslimischen Ritus in London beigesetzt werden.