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07-12-2006 Alexander Litvinenko
US-Unternehmen verkauft Polonium 210 an jedermann
Ein US-Unternehmen verkauft über das Internet an Privatleute Proben des radioaktiven Elements Polonium 210, durch das der Kreml-Kritiker Alexander Litvinenko vergiftet wurde. Darauf wies am Donnerstag die französische Initiative für unabhängige Radioaktivitätsforschung und -information (Criirad) hin. Jeder mit Wohnsitz in den USA könne ohne Verwendungsnachweis bei der Firma United Nuclear für 69 Dollar (52 Euro) eine Probe mit einer Strahlung von 3700 Becquerel erhalten.

Die Initiative kritisierte, dass nach geltender Rechtslage auch in Frankreich Polonium-Proben unter 10.000 Becquerel keinem Verbot unterliegen. Dies müsse schnellstens geändert werden. Laut der Gesellschaft für Strahlenschutz gilt auch in Deutschland der Unbedenklichkeitswert von 10.000 Becquerel.

bei russland.RU
Fall Litvinenko: Polonium als Schmugglerware?


Alexander Litvinenko Tod in London – Analysen, Meinungen, Hintergründe, Informationen bei russland.RU


Auf der Website von United Nuclear wurde am Donnerstag Polonium 210 weiter angeboten. Die 1998 gegründete Firma gibt als Zweck an, "Hobby-Wissenschaftler, die Industrie, Regierung, Schulen und Universitäten" mit radioaktiven Proben zu beliefern, die unter anderem zur Kalibrierung von Geigerzählern verwendet werden können. Für die zum Kauf angebotenen Mengen sei keine Genehmigung der US-Atomregulierungskommission NRC notwendig. Zu der Affäre um Litvinenko heißt es auf der Website, für eine tödliche Vergiftung seien rund 15.000 der von United Nuclear verkauften Proben notwendig, die mehr als eine Million Dollar kosten würden. Da die mit bloßem Auge nicht sichtbaren Proben in Nadeln eingeschlossen seien, wären sie ohnehin kaum zu einer tödlichen Dosis zusammenzufassen. Außerdem würde eine solche Massenbestellung ohne Zweifel Aufmerksamkeit erregen.

"Theoretisch könnte man auch in Deutschland Polonium 210 unterhalb der Freigrenze kaufen", sagte Sebastian Pflugbeil, Präsident der von unabhängigen Fachleuten gegründeten Gesellschaft für Strahlenschutz, der Nachrichtenagentur AFP in Berlin. Es gebe seines Wissens aber keine Unternehmen, die das anböten. Pflugbeil bestätigte, dass die von United Nuclear verkaufte Probe "deutlich unter dem liegt, was man als tödliche Dosis ansetzen würde". Die Strahlung von Polonium 210, das auch in der Natur vorkommt und sich im menschlichen Körper ablagern kann, reiche nur einige Zentimeter weit. "Problematisch wäre aber, wenn man Polonium einatmet", sagte Pflugbeil. "Im Prinzip gilt, dass schon ein radioaktiver Zerfall ausreichen kann, damit es in einer Körperzelle zu einer Mutation kommt, die zu Krebs führen kann."