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07-12-2006 Alexander Litvinenko
Giftaffäre: "Ich bin der Nächste"- Litwinenko-Kontaktmann Limarew glaubt an Todesliste
Der ehemalige russische Geheimdienstler Jewgeni Limarew, der sowohl den verstorbenen Ex-FSB-Offizier Alexander Litwinenko als auch den italienischen Geheimdienstexperten Mario Scaramella persönlich kannte, bangt um sein Leben.

Das sagte Limarew in einem Interview für die britische Zeitung "Daily Telegraph".





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Litwinenko hatte Limarew im Jahr 2001 seinem italienischen Bekannten Scaramella vorgestellt. Scaramella war damals Berater einer italienischen Parlamentskommission (sog. Mitrochin-Kommission), die die mutmaßliche Tätigkeit der sowjetischen Geheimdienste in Italien untersuchte. In den Folgejahren half Limarew dem Italiener bei diesen Untersuchungen.

Zur Zeit lebt Limarew in Frankreich und steht unter dem Schutz der französischen Geheimdienste. Er gab sein erstes Interview, nachdem er Scaramella eine Liste von Personen übergeben hatte, die laut Limarew potentielle Opfer einer Geheimorganisation der russischen Geheimdienstveteranen unter dem Namen "Würde und Ehre" sind. Scaramella übermittelte diese Liste, in der er selbst sowie Litwinenko erwähnt wurden, dem kurz darauf verstorbenen Ex-FSB-Offizier bei einem Treffen im Londoner Sushi-Bar Itsu.

"Ich bin in Gefahr", sagte Limarew im Gespräch mit "Daily Telegraph". "Ich bin der dritte Mann, der im Zusammenhang mit dieser Liste erwähnt wird. Litwinenko ist tot, auch Scaramella kann sterben. Ich bin wohl der Nächste."

Limarew fühlt sich verraten. Er sei absichtlich als Informant der italienischen Ermittlungsbehörden preisgegeben worden, glaubt Limarew.

Er gestand, Scaramella mit einem Informanten in Russland zusammengeführt zu haben, der den Italiener vor dem möglichen Attentat auf Litwinenko gewarnt hatte. Dieser Informant hatte, so Limarew, Zugang zu Aufklärungsdaten in Russland. Jetzt fahnde nach dem Mann der russische Inlandsgeheimdienst FSB.

Limarew vermutet, dass hinter dem Gifttod Litwinenkos die Organisation "Würde und Ehre" steckt, die von Ex-FSB-Oberst Valentin Welitschko geleitet wird. Auch der Mord an der Journalistin Anna Politkowskaja gehe möglicherweise auf das Konto dieser Organisation. Welitschko selbst halte sich zur Zeit in Westeuropa auf, sagte Limarew. Er zweifelt nicht daran, dass die Giftaffäre ihren Ursprung in Russland hat.

Der Ex-Offizier des russischen Geheimdienstes FSB, Alexander Litwinenko, war im Jahr 2000 nach Großbritannien geflüchtet. Am 23. November starb er nach einem mutmaßlichen Giftanschlag in einer Londoner Universitätsklinik. Experten wiesen in Litwinenkos Leiche Spuren der radioaktiven Substanz Polonium-210 nach. Weitere Strahlungsspuren wurden dann auch an den Orten entdeckt, die Litwinenko besucht hatte, darunter im Restaurant Itsu.

Mario Scaramella, in dessen Körper ebenfalls Polonium-210 festgestellt worden war, wurde am vergangenen Mittwoch "ohne Anzeichen einer Vergiftung" aus dem Krankenhaus entlassen. Scaramella gehört zu den Personen, mit denen sich Litwinenko am 01. November traf. Die Ermittler vermuten, dass Litwinenko eben am 01. November mit Polonium-210 vergiftet wurde. [ RIA Novosti ]