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08-12-2006 Alexander Litvinenko
Russland eröffnet eigene Untersuchung wegen Mordes an Litvinenko
Zwei Wochen nach dem Tod des ehemaligen russischen Geheimagenten Alexander Litvinenko hat die russische Justiz eine eigene Untersuchung wegen Mordes eröffnet. Zusätzlich ermitteln die Behörden im Fall des Russen Dimitri Kowtun wegen versuchten Mordes, wie am Donnerstag die Generalstaatsanwaltschaft in Moskau erklärte.




Auch Kowtun sei durch eine radioaktive Substanz erkrankt. Bei allen sieben Angestellten der Londoner Hotelbar, in der sich Litvinenko mit Kowtun und einem dritten Russen getroffen hatte, wurden unterdessen Spuren von Polonium 210 festgestellt, wie die Gesundheitsbehörden mitteilten. Litvinenko wurde am Donnerstag auf dem Londoner Friedhof Highgate beigesetzt.

Russische Ermittler im Fall Litvinenko reisen vielleicht nach London

Russische Ermittler im Fall der Vergiftung des ehemaligen russischen Geheimagenten Alexander Litvinenko werden möglicherweise in die britische Hauptstadt reisen. "Wir schließen nicht aus, dass Beamte zur genaueren Untersuchung des Falles nach London fliegen werden", sagte eine Sprecherin der russischen Generalstaatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur Interfax. Generalstaatsanwalt Juri Tschaika sagte zudem, mögliche russische Tatverdächtige würden nicht an Großbritannien ausgeliefert werden. Die russische Justiz hatte am Donnerstag eine Untersuchung wegen Mordes im Fall Litvinenko eröffnet.

bei russland.RU
Fall Litvinenko: Polonium als Schmugglerware?


Alexander Litvinenko Tod in London – Analysen, Meinungen, Hintergründe, Informationen bei russland.RU


Die russische Generalstaatsanwaltschaft erklärte, Überprüfungen hätten ergeben, dass Litvinenko durch ein radioaktives Nukleid vergiftet worden sei und dass bei Kowtun ebenfalls "eine Krankheit im Zusammenhang mit einem radioaktiven Nukleid entdeckt" worden sei. Der ehemalige Agent war am Dienstag und Mittwoch von britischen Polizisten in Moskau befragt worden. Zum zweiten Hauptzeugen, Andrej Lugowoi, äußerte sich die Staatsanwaltschaft nicht. Lugowoi hätte am Donnerstag von Scotland Yard befragt werden sollen. Die Beamten seien jedoch nicht zu dem Termin erschienen, sagte Lugowois Anwalt, Andrej Romaschow.

Kowtun und Lugowoi sind ehemalige Mitglieder des russischen Geheimdienstes. Sie hatten Litvinenko am 1. November in der Pine-Bar des Millennium-Hotels in London getroffen. Auch der Italiener Mario Scaramella, bei dem ebenfalls Spuren von Polonium 210 nachgewiesen wurden, zählte zu den letzten Kontakten Litvinenkos. Dieser wurde wenige Stunden nach diesen Treffen krank. Er starb am 23. November an den Folgen einer Verstrahlung durch das hochradioaktive Polonium 210.

Bei sieben Mitarbeitern von Londoner Hotel Polonium-Spuren nachgewiesen

Die britische Gesundheitsbehörde gab unterdessen bekannt, dass sieben Angestellte des Londoner Millennium-Hotels leicht verstrahlt worden seien. Sie hätten in der Bar gearbeitet, in der sich Litvinenko am Tag seiner Vergiftung mit russischen Kontaktleuten getroffen hatte, teilte die Behörde mit. Es bestehe kurzfristig keine Gesundheitsgefahr und auch langfristig seien die Risiken gering.

Der ehemalige russische Agent und Kontaktmann Scaramellas, Jewgeni Limarew, stellte sich den britischen und italienischen Ermittlern zur Verfügung. Nachdem die britische Presse seinen Namen veröffentlicht habe, fürchte er um sein Leben, sagte Limarew der Nachrichtenagentur AFP in einem Telefongespräch. Die Zeitung "Daily Telegraph" hatte am Wochenende ein Memo veröffentlicht, in dem der Ex-Agent Litvinenko und den russischen Milliardär Boris Beresowski vor einer Todesschwadron des russischen Geheimdienstes gewarnt hatte. Die Nachricht war Litvinenko durch Scaramella überreicht worden. Der Italiener liegt mittlerweile selbst mit Verstrahlungssymptomen im Krankenhaus.

Livinenko in London beigesetzt

Litvinenko wurde am Donnerstag auf dem Friedhof Highgate im Norden Londons beigesetzt. Zuvor hatten etwa hundert Menschen an der Trauerfeier in der Moschee des Regent's Park für den 43-Jährigen teilgenommen. Unter ihnen waren auch der "Außenminister" der tschetschenischen Rebellenregierung, Achmed Sakajew, und zahlreiche weitere Tschetschenen. Litvinenko war nach Angaben seiner Familie vor seinem Tod zum Islam konvertiert. "Es ist Putin, der meinen Sohn getötet hat", sagte Litvinenkos Vater Walter. Der ehemalige russische Spion hatte auf seinem Sterbebett den russischen Präsidenten Wladimir Putin beschuldigt, hinter seiner Ermordung zu stecken. Der Kreml weist dies zurück.

Schuwalow: Politkowskajas und Litvinenkos Mörder wollten Ansehen Russlands ruinieren

Die Ermordung der Journalistin Anna Politkowskaja und des früheren FSB-Offiziers Alexander Litvinenko hat zum Ziel, dem Image Russlands Schaden zuzufügen, erklärte Igor Schuwalow, Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Washington. "Ich glaube, dass diese beiden Morde von langer Hand geplant wurden und gegen Russland, gegen die russischen Behörden gerichtet waren." Schuwalow konnte keine Auftraggeber nennen, brachte aber zugleich die Hoffnung zum Ausdruck, dass bei der Untersuchung alles geklärt wird.

Darauf angesprochen, ob sich diese tragischen Ereignisse nicht auf den Beitritt Russlands zur WTO auswirken werden, sagte der Präsidentenberater, das Abkommen über den WTO-Beitritt Russlands werde damit auf keinen Fall tangiert.