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29-05-2011 Moskau Aktuelles
Religiöse Gruppe greift Demonstranten bei verbotener Schwulenparade an


Bei einer nicht genehmigten Schwulenparade in Moskau ist es am Samstag zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstrationsteilnehmern und Anhängern einer ultraorthodoxen Gruppe gekommen.




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Die Polizei löste die Veranstaltung gewaltsam auf und nahm zahlreiche Menschen fest, wie eine AFP-Korrespondentin berichtete. Unter den vorübergehend Festgenommenen waren auch bekannte Schwulenrechtler aus den USA und Frankreich.

Die Teilnehmer der Parade schwenkten Regenbogenfahnen und trugen Schilder mit Aufschriften wie "Russland ist nicht Iran". Nahe des Kremls wollten sie einen Kranz auf dem Grab des Unbekannten Soldaten niederlegen; die Polizei hatte die Gegend jedoch bereits im Vorfeld abgeriegelt. Als sie sich der Stätte näherten, griffen orthodoxe Fundamentalisten die Demonstranten an, wie die AFP-Korrespondentin berichtete. Daraufhin schritt die Polizei ein und trennte beide Parteien gewaltsam. Ein Polizeisprecher sagte im Radio, dass 34 Aktivisten festgenommen worden seien. Die meisten von ihnen wurden am Abend nach Angaben der Organisatoren wieder freigelassen.

Die Anhänger der religiösen Gruppe trugen schwarze Kleidung und hielten christlich-orthodoxe Kreuze hoch. Einer von ihnen zerriss ein Bild des britischen Popstars und bekennenden Homosexuellen Elton John. Unter den Teilnehmern der Schwulenparade waren überwiegend junge Leute, die unter anderem "Russland ohne Homophobie" riefen. "Wovor wir wirklich Angst haben, sind die Homophoben und Neonazis, die angekündigt haben, herzukommen und uns zusammenzuschlagen", sagte ein Aktivist der Nachrichtenagentur AFP. "Anstatt diejenigen festzunehmen, die Unruhe stiften, will die Polizei uns festnehmen."

Der französische Schwulenrechtler Louis-George Tin sagte AFP telefonisch, dass er gemeinsam mit fünf Russen und zwei US-Bürgern festgenommen worden sei. Der britische Schwulenaktivist Peter Tabe sich befreien können, als die Polizei versucht habe, ihn festzunehmen. Zugleich erklärte er, vor dem Sitz des Bürgermeisters Polizeibusse gesehen zu haben, in denen Menschen saßen, "die aussahen wie Skinheads und Neonazis". Es sei davon auszugehen, dass ein Großteil der ebenfalls aufgetauchten Neonazis in Wirklichkeit verdeckte Polizisten waren.

Schwulenparaden sind in der russischen Hauptstadt verboten. Bei einem ersten Versuch von Aktivisten im Jahr 2006, trotz des Verbots eine Parade zu organisieren, waren etwa 120 von ihnen festgenommen worden. Die Moskauer Stadtverwaltung kündigte auch diesmal im Vorfeld an, keine Nachsicht mit Aktivisten zu zeigen, die vor dem Kreml protestierten. Menschenrechtler werfen der Moskauer Polizei immer wieder vor, nachsichtiger mit nationalistischen Gruppen umzugehen als mit Demonstranten für die Rechte von Minderheiten.
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