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26-10-2004 Moskau Aktuelles
Vor zwei Jahren endete in Moskau die Tragödie mit der Geiselnahme
Vor zwei Jahren endete in Moskau die Tragödie mit der Geiselnahme im Theaterzentrum an der Dubrowka. Am Morgen des 26. Oktober 2002 wurden über 900 Zuschauer und Schauspieler des Musicals "Nord-Ost", die als Geiseln genommen worden waren, von Angehörigen der Spezialeinheiten befreit.

Am Abend des 23. Oktober 2002 besetzte eine Gruppe von bewaffneten und vermummten Leuten gegen etwa 21.00 Uhr während des zweiten Aktes des populären Musicals "Nord-Ost" das Gebäude des Theaterzentrums in der Melnikow-Straße. In diesem Moment befanden sich im Saal über 800 Zuschauer, abgesehen von den Schauspielern. Die Terroristen schossen in die Luft, wobei sie verkündeten, dass sich Sprengstoff im Gebäude befinde, und begannen im Zuschauerraum Bomben zu verlegen.

Einigen Schauspielern gelang es in den ersten Stunden nach der Besetzung aus dem Gebäude zu fliehen.

Die Banditen erlaubten den Geiseln, je einen Anruf per Mobiltelefon zu machen, wonach sie diese wegnahmen.

Wie Geiseln berichteten, hatten die Terroristen ihnen praktisch kein Essen und kein Wasser gegeben und viele von ihnen nicht einmal auf die Toilette gehen lassen.

Nachdem die Information über die Besetzung des Gebäudes bei den Rechtsschutzorganen eingegangen war, wurden Milizangehörige, Angehörige der inneren Truppen und Panzertechnik bei dem Gebäude zusammengezogen. Es kamen auch Angehörige der Abteilung zur besonderen Verwendung "Alpha".

Im Zusammenhang mit der Geiselnahme gingen die Moskauer medizinischen Einrichtungen zu einem verstärkten Arbeitsregime über. In vielen Krankenhäusern wurden für den Fall einer Notstandssituation Reserveplätze eingerichtet. Alle führenden medizinischen Spezialisten hatten in den Krankenhäusern Bereitschaftsdienst.

Am 24. Oktober wurde bekannt, dass die Terroristen Ausländer aus mindestens 13 Staaten als Geiseln festhielten.

Vertreter der bewaffneten Strukturen teilten mit, dass die Operation zur Geiselnahme während des Musicals "Nord-Ost" persönlich von Aslan Maßchadow erarbeitet worden war. Mit Hilfe von technischen Mitteln wurden zahlreiche Telefonkontakte der Terroristen mit ihren Komplizen in Tschetschenien, der Türkei und einer Reihe arabischer Länder fixiert.

Viele bekannte Politiker, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Kultur- und Kunstschaffende versuchten am 24. und 25. Oktober Verhandlungen mit den Terroristen zu führen. Aber es wurden keine wesentlichen Ergebnisse erreicht. Die Banditen teilten mit, dass sie am Sonnabend, dem 26. Oktober, beginnen würden, Geiseln zu töten.

In der Nacht zum Sonnabend wurden zusätzliche Kräfte der Spezialeinheiten, der Miliz, der inneren Truppen und der Panzertechnik um das Theaterzentrum zusammengezogen.

Um 05.40 Uhr donnerten drei starke Explosionen im Gebäude: Angehörige der Spezialeinheiten verwendeten Licht- und Lärmgranaten und begannen gleichzeitig von einigen Seiten mit dem Sturm auf das Theaterzentrum.

Wie der Stellvertreter des Innenministers Russlands Wladimir Wassiljew später zugab, "war die Operation nicht nach Plan, sondern nach der Situation abgelaufen".

Um 07.14 Uhr erschien ein offizieller Vertreter des Operationsstabes vor den Journalisten und teilte mit, dass das ganze Gebäude des Theaterzentrums an der Dubrowka kontrolliert wird, und die Geiseln befreit sind.

Zu dieser Zeit trugen Angehörige der Spezialeinheiten, Retter und Ärzte Geiseln aus dem Gebäude hinaus, die mit Wagen der Ersten Hilfe und Bussen in Krankenhäuser gebracht wurden.

Wie später festgestellt wurde, waren 912 Personen als Geiseln genommen worden. Die Gesamtzahl der Opfer des Terroranschlags betrug 130 Personen.

Im Ergebnis des Sturmes wurden 40 Terroristen (21 Männer und 19 Frauen), unter ihnen der Führer Mowsar Barajew, vernichtet.

Nach dem Sturm entdeckten die Sprengtechniker beim Entminen des Theaterzentrums an der Dubrowka insgesamt 30 Sprengsätze, 16 Granaten F-1 und 89 selbstgefertigte Handgranaten. Das gesamte Trotyläquivalent des Sprengstoffes betrug 110 bis 120 kg.

Die Untersuchung der Strafsache zum Fakt der Terroraktion im Theaterzentrum wurde der Moskauer Stadtstaatsanwaltschaft übergeben. Im Rahmen der Untersuchung dieser Sache wurden Schamil Basajew, Selimchan Jandarbijew und Achmed Sakajew in Abwesenheit beschuldigt.

Surbek Talchigow wurde wegen Vorschubleistung für die Terroristen an der Dubrowka zu acht Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Außerdem wurden einige Mitarbeiter der Abteilungen für Pass- und Meldewesen in Moskau, die eine Reihe von Terroristen gesetzwidrig registriert hatten, wegen Amtsmissbrauchs verurteilt.

Die Untersuchung der Hauptstrafsache über die Geiselnahme an der Dubrowka wird fortgesetzt.

Insgesamt wurden 81 Klagen von Personen, die durch die Geiselnahme im Theaterzentrum an der Dubrowka betroffen waren, eingereicht, darunter von 22 minderjährigen Kindern, die ihre Eltern verloren hatten. Bis heute hat das Gericht 61 Klagen geprüft.

Ab Mai des laufenden Jahres hat das Departement Finanzen der Regierung Moskaus mit den Entschädigungszahlungen begonnen. Aber die Frage nach der Entschädigung des moralischen Schadens ist bis heute ungeklärt. In der nächsten Zeit wird das Oberste Gericht der RF mit der Prüfung der Klagen über die Nichtbezahlung der moralischen Entschädigung beginnen.

Im vorigen Jahr wurde ein Denkmal für die Opfer des Terrors in der Nähe des Theaterzentrums enthüllt. (RIA)